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Eine liberale Frauenquote

Liberal und Frauenquote? Das scheint sich auf den ersten Blick zu widersprechen. Mehr noch: Für manche stehen sich hier Weltanschauungen gegenüber.

Von Christiane Ratjen-Damerau

Als Liberale bin ich keine Freundin von Quotierungen. Es wäre mir lieber, wenn wir Chancengleichheit, Gleichwertigkeit und Gleichstellung der Geschlechter aus freien Stücken erreichen würden. Mir wäre es auch lieber, wenn wir keine Gefängnisse brauchten, keine Polizei und keinen, der regiert oder regiert wird. Doch unsere Lebenswirklichkeit zeigt, dass wir bestimmte Regeln und Gesetze brauchen, dass wir in der Politik Entwicklungen entgegenwirken müssen, die unserem Grundsatz von Gerechtigkeit widersprechen.

In der FDP arbeiten wir gerade an einem neuen Grundsatzprogramm. Das heißt: Wir zeichnen ein Bild dessen, wie eine gerechte und gute Gesellschaft für uns aussehen sollte. Ich bin Mitglied in der Kommission, die dieses Programm erarbeitet und leite dort das Programmforum zur „Zukunft der Emanzipation“. Emanzipation, das ist für mich ein sehr kraftvoller Begriff. Er bevorzugt kein Geschlecht und macht es dennoch zum Thema. Und da wir im Programmforum eben selbst sehr emanzipiert sind, richten wir uns nicht nach Meinungen, wie sie von Partei oder Fraktion vorgegeben werden. Deswegen haben wir von Anfang an auch offen über eine Quote diskutiert.

Wir haben uns allerdings primär nicht die Frage nach der Quote gestellt. Wir haben uns vielmehr gefragt: Wollen wir einen stärkeren Einfluss von Frauen in unserer Gesellschaft? Wollen wir mehr Frauen in Führungspositionen? Wollen wir mehr Frauen in der Politik?

Jeder aufgeklärte und liberal denkende Mensch beantwortet diese Fragen seit Jahren und Jahrzehnten mit einem klaren Ja. Doch die Lebenswirklichkeit entspricht diesem Denken in keinster Weise. Noch immer sind Frauen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft unterrepräsentiert oder werden sogar diskriminiert. Zwar versucht die Politik schon lange mit Maßnahmen gegenzusteuern. Doch mit welchem Erfolg? Einzig in Nuancen hat sich etwas verändert.

Wir diskutieren zurzeit wieder sehr intensiv über das Thema Frauenförderung. Doch die Diskussion alleine bringt uns nicht weiter. Auf den Faktor Zeit zu setzen, wäre fatal, denn wir können es uns weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich leisten, noch eine Generation oder auch nur einen Jahrgang von hochqualifizierten und motivierten Frauen in gesellschaftliche Prozesse nicht mit einzubeziehen und damit zu frustrieren. Wenn wir jetzt immer noch sagen: „Die Zeit wird es schon richten. Wir brauchen Geduld. Die Unternehmen können ihre Kultur nicht von heute auf morgen ändern. Zunächst müssen die Bedingungen verbessert werden.“ Das alles sind Floskeln. Die Unternehmen, die Gesellschaft und die Politik hatten genug Zeit etwas zu ändern.

Von liberaler Seite haben wir uns in den letzten Jahren auf die Zeit, die Freiwilligkeit und die Einsicht in die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung verlassen. Geändert hat sich weder in Wirtschaft, noch Politik und Gesellschaft Wesentliches.

In der FDP selbst haben wir es nicht geschafft, die freiwilligen Selbstverpflichtungen einzuhalten. Seit über zwanzig Jahren fassen wir innerhalb der Partei Beschlüsse, den Anteil der Frauen in der Partei zu erhöhen. Faktisch ist der Anteil seit dieser Zeit sogar gesunken. Waren es 1987 noch 25 Prozent, sind es jetzt nur noch 22 Prozent. Waren wir einmal die Partei mit dem höchsten Frauenanteil, laufen wir jetzt Gefahr, von der CSU überholt zu werden. Diese hat sich ja bekanntlich auf eine Frauenquote geeinigt.

Natürliche empfinde ich als Liberale die Frauen- oder Geschlechterquote als einen schweren Eingriff in das freie Spiel der Kräfte in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Deswegen darf nie vergessen werden, was das Ziel einer Quote ist. Deshalb ist eine Quotierungen für mich ein temporäres Mittel zum Zweck. Sie muss jedoch branchenspezifisch realistisch sein. Wenn erst mal die kritische Masse dauerhaft überschritten ist, brauchen wir die Quote nicht mehr. Dann hat sich unsere Gesellschaft hoffentlich durch ein hartes, aber effizientes Mittel nachhaltig verändert.

Dann befinden wir uns vielleicht in einer Lebenswirklichkeit, in der tatsächlich die Leistung, die Qualifikation und die Persönlichkeit zählen – und nicht das Geschlecht. Wer sich allerdings heute schon darauf bezieht und eine Quote ablehnt, weil sich doch Leistung und nicht das Geschlecht lohnen muss, der sollte den Folgegedanken mitdenken. So könnte man nämlich weiterdenken, dass Frauen heute eben weder die gleiche Leistung, noch die gleiche Qualifikation oder Persönlichkeit mitbringen, um gleichwertig in der Berufswelt zu stehen.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir keine Debatte um die Quote an sich führen. Vielmehr dürfen wir den Zweck nicht aus den Augen verlieren. Dieser heißt aus liberaler Sicht: Freiräume für Frauen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft schaffen. Positive Nebeneffekte könnten und sollten sich dabei auch für den männlichen Teil der Bevölkerung einstellen: Flexiblere Arbeitszeiten und Lebensläufe, größerer Freiraum für die familiäre Entfaltung und nicht zuletzt das Abstandnehmen von einer ineffektiven Anwesenheitskultur.

Nachdem alle bisherigen Versuche scheiterten oder nur geringen Erfolg hatten, bleibt aus meiner Sicht nur das harte, aber effektive Mittel der Quote, damit die gesetzten Ziele schnell erreicht werden.

Mehr erfahren:
Warum die Quote eigentlich ein klassisch liberales Projekt ist
Die Süddeutsche Zeitung empfiehlt Frauen, die FDP zu meiden
Die schwarz-gelbe Koalition Anfang 2011 im Quotenstreit
Das Programm der Bundesvereinigung Liberale Frauen e.V.

Dr. Christiane Ratjen-Damerau ist sei Mai 2010 über die Landesliste Niedersachsen Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Sie ist Berichterstatterin des Programmforums “Zukunft der Emanzipation”.

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