Papa zweiter Klasse

von Barbara Streidl


Da ist dieser Mann, Michael, Vater eines Sohnes, Walt. Die Beziehung zwischen Michael und Walts Mutter geht auseinander, sie zieht gegen den Willen Michaels mit dem etwa einjährigen Kind weg. Telefonate mit einem Kleinkind funktionieren nicht, aus hauptsächlich wirtschaftlichen Gründen kann Michael Walt nicht besuchen. Walts Mutter geht eine neue Beziehung ein. Eines Tages sagt sie Michael am Telefon, sie wird heiraten. Und ihr zukünftiger Ehemann will Walt adoptieren.

Michael wehrt sich zuerst. Doch vor Gericht wird ihm klar gemacht, dass er keine Aussicht auf ein Leben mit seinem Kind hat – er ist ein Fremder für Walt, der inzwischen mit seiner Mutter und einer neuen Vaterfigur auf einem anderen Kontinent wohnt. Und er ist nur der biologische Vater – was ihn quasi jeder Ansprüche entledigt.

Nicht nur Fiktion

Die Geschichte von Michael und Walt wird in der Fernsehserie „Lost“ erzählt, doch natürlich gibt es solche und ähnliche Geschichten auch fern der Fiktion im richtigen Leben. Wie ist das: Ein Kind gehört zur Mutter, in den ersten drei Lebensjahren weiß nur eine Mutter, was ihr Kind wirklich will, es gibt nur ein Muttergen, nicht aber ein Vatergen.

All diese Weisheiten sind quasi common sense, sie wollen unsere Köpfe beherrschen und sind nur schwer auszublenden, vor allem, wenn dann noch das Bild des flüchtigen Vaters heraufbeschworen wird, der nur schwängert, aber nicht bereit ist, Verantwortung für sein Kind zu übernehmen, weder finanziell noch persönlich. Und doch gilt meine Sympathie ganz klar Michael, stellvertretend für die Väter, die sich dem common sense widersetzen. Die zu ihren Kindern stehen – mit allen Konsequenzen.

Die liebe Bundesregierung

Kommen wir also zum wirklichen, echten Leben, zu den Ergebnissen des Koalitionsausschusses rund um das Sorgerecht. Denn pünktlich zum Weltfrauentag hat unsere streitmüde Koalition neben einigen anderen Beschlüssen auch die Situation von nicht verheirateten Eltern genauer angesehen. Bedeutet: Nachdem das Bundesverfassungsgericht bereits 2010 Folgendes verfügt hat –

„Es verletzt das Elternrecht des Vaters eines nichtehelichen Kindes …, dass er ohne Zustimmung der Mutter generell von der Sorgetragung für sein Kind ausgeschlossen ist und nicht gerichtlich überprüfen lassen kann, ob es aus Gründen des Kindeswohls angezeigt ist, ihm zusammen mit der Mutter die Sorge für sein Kind einzuräumen oder ihm anstelle der Mutter die Alleinsorge für das Kind zu übertragen.“

– zieht die Koalition nun endlich nach.

Es ist ein Kompromissvorschlag von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die ledigen Vätern mehr Rechte zuteilen möchte: Zuerst bekommt die Mutter das alleinige Sorgerecht. Ist die Vaterschaft geklärt, kann der Vater mit einer „Sorgerechtserklärung“ deutlich machen, dass er Verantwortung für das Kind übernehmen will. Äußert die Mutter innerhalb von acht Wochen keine Bedenken, hat auch der Vater das Sorgerecht. Ist die Mutter nicht einverstanden, muss ein Familiengericht entscheiden.

Nur ein Kompromiss

Es ist wohl hauptsächlich eine Entbürokratisierung, die durch diesen Kompromissvorschlag geschieht. Hans-Georg Nelles schreibt dazu auf dem Väterblog, dass ledige Väter nach wie vor „Väter zweiter Ordnung“ sind. Es wirkt tatsächlich so, dass eine Geburt eine Frau zur Mutter macht, einen Mann aber nur bedingt zum Vater. Und hier muss gehörig etwas verändert werden. Denn eine gleichberechtigte Kindererziehung kann nur geschehen, wenn die Aufgaben und Pflichte und Rechte gleichberechtigt auf Vater und Mutter verteilt werden. Unabhängig vom Familienstand.

So schön es ist, dass Frauen per definitionem alle Rechte und Pflichte in Sachen Kindererziehung erhalten, so unschön ist es, dass Männer diese Rechte und Pflichten nicht auch automatisch erhalten, und dass Frauen damit eine Last aufgebuckelt kriegen, die ihnen das Leben ganz schön schwer machen kann.

In der Serie „Lost“ findet Michael schließlich noch zu seinem Sohn Walt, auf höchst ungewöhnliche und tragische Weise. Ein richtiges Happyend gibt es für diesen Vater und seinen Sohn aber nicht. Im richtigen Leben ist allen Vätern und ihren Kindern ein Happyend zu wünschen. Das hilft den Vätern – und den Müttern.

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