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Frauen müssen endlich repräsentiert werden

Christian Wulff ist weg. Die Zeit ist überreif – eine Bundespräsidentin muss her. Kompetente Frauen gibt es genügend, ein Mangel an guten Kandidatinnen ist als Ausrede endgültig lächerlich. Ein politischer Zwischenruf.

Von Katrin Rönicke

Eine Frau – aus Prinzip!

Der Journalistinnenbund arbeitet an einer Liste von Frauen, die in die breite gesellschaftliche Debatte um die Wulff-Nachfolge eingebracht werden sollten. Dieses Amt – welches noch nie von einer Frau bekleidet wurde – hat nicht nur einen Menschen verdient, der weniger Dreck am Stecken hat. Es hat vor allem endlich eine Frau verdient. Dabei ist es völlig unerheblich, ob wir “ja aber schon eine Kanzlerin” haben (wir hatten schließlich bis 2005 nur Männer in beiden Ämtern, das hat auch niemanden gestört). Es ist total egal, ob sich Stimmen regen, die darauf hinweisen, dass es vor allem auf die Kompetenz ankäme und diese doch bitteschön dem Geschlecht vorangestellt sein müsse. Das ist kein Argument, denn es ist nicht egal, wenn in einem Amt, das explizit und vorrangig der Repräsentation dient, so lange es existiert ausschließlich Männer es bekleideten. Das ist peinlich. Es ist verlogen. Es ist ein trauriges Zeugnis des Standes der Emanzipation in diesem Land. Und Kompetenz ist in einem politischen Zirkus, der bis heute von Männerklüngeln (Stichwort: Andenpakt) dominiert wird, seit eh und je ein zweitrangiges Kriterium nach dem Geschlecht.

Schluss mit der Männer-Linie

Quelle: Wikipedia

So sieht sie aus, die Linie aller Bundespräsidenten. In Schwarz, Rot und Gold. Heute ist der Oberste aus der Liste zurückgetreten. Schon vor seiner Rücktrittsrede begannen die Spekulationen um seine Nachfolge. Viele handeln wieder Joachim Gauck als wünschenswerten und ernst zu nehmenden Kandidaten. Eine Intervention ist dringend nötig, die darauf beharrt: Endlich eine Frau, um die starre schwarz-rot-goldene Männer-Linie zu brechen! Da wäre zum Beispiel:

Jutta Limbach

Sie ist im Grunde die perfekte Kandidatin. So weit man das denn sein kann. Bereits 2004 war sie als Nachfolgerin für Johannes Rau im Gespräch, seither waren zwei weitere Männer im Amt. Beide nicht bis zum Ende ihrer Amtszeit, beide traten vorzeitig zurück. Das Amt sei beschädigt, heißt es in den Oppositionsparteien. Damit dies nicht noch einmal geschehe, schlug die Grüne Steffi Lemke eine parteiübergreifende Kandidatur vor. Sie wünschte sich in der Tagesschau eine KandidatIN. Namen wollte sie nicht nennen.

Vielleicht meinte sie ja Jutta Limbach? Als ehemalige Bundesverfassungsrichterin, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und vieler anderer Auszeichnungen, ehemalige Präsidentin des Goethe-Instituts und Intellektuelle ist Limbach eine hervorragende Wahl. Nur eines könnte gegen sie sprechen: Ihr Alter. Sie ist 1934 geboren, 2014 wird sie 80 Jahre alt. Nicht, dass dies ein generelles Ausschluss-Kriterium wäre. Dennoch wird es nicht ganz unberechtigt Vorbehalte ob ihres Durchhaltevermögens geben – und gerade das wäre nach zwei Schlappen nun wirklich wünschenswert.
Etwas jünger, nämlich heute 75 Jahre alt geworden, und mindestens genauso kompetent für dieses Amt ist:

Rita Süssmuth (Quelle: Udo Grimberg / via Wikipedia, CC-BY-SA 3.0)

Rita Süssmuth

Manche nannten sie einmal das “Gewissen der CDU”; andere sagten, sie sei zwar parteipolitisch der CDU angehörig, könne von den Idealen und Visionen her aber sehr viel weiter links eingeordnet werden. Vielleicht ist Rita Süssmuth gerade deswegen die beste überparteiliche Kandidatin: Mit ihr können sich unglaublich viele Menschen, und gerade auch Frauen, identifizieren. Das politische Vertrauen in sie ist enorm. Seit Anfang der Achtziger ist sie aktive Politikerin, hat aber nie aufgehört, auch ihrer wissenschaftlichen Arbeit (sie ist Professorin der Erziehungswissenschaften) nachzugehen und hielt stets einen intellektuellen Anspruch in der Gesellschaftspolitik aufrecht – zuletzt als Vorsitzende der Kommission “Zuwanderung”. Süssmuth hat Machtpolitik und Menschlichkeit zusammengebracht.

Merkel hat längst das Vertrauen

Angela Merkel (Quelle: Armin Linnartz / via Wikipedia, CC-BY-SA 3.0)

Eine weitere interessante Idee ergibt sich aus verschiedenen Aussagen und Statistiken rund um das Vertrauen in Angela Merkel und Christian Wulff, welche die vergangenen Wochen erhoben wurden. Während das Vertrauen in den Bundespräsidenten im Sinkflug war, schien Merkel erst so richtig aufzublühen. Man muss ja nicht gleich so weit gehen, wie Henryk M. Broder in seinem Kommentar heute morgen bei Radio 1, und hinter all dem eine Verschwörung Merkels zur Steigerung der eigenen Macht sehen (der Anden-Pakt lässt grüßen – nun kann Merkel den Letzten von ihrer Liste streichen). Michael Naumann, Chefredakteur von Cicero, stellt ganz andere Assoziationen her: Merkel soll es selber tun! Sie sei doch sowieso schon lange die heimliche Präsidentin gewesen. Und weil Hannover “ja irgendwie dran bleiben” müsse, sollte Ursula von der Leyen ins Kanzleramt nachziehen. Nicht uncharmant – wenn man davon absieht, dass beide Frauen konservativ sind. Aber von der Leyen gilt als durchgreifende Machtpolitikerin, vielleicht wäre es dann erst einmal vorbei mit der Kanzlerinnen-Taktik des Aussitzens. Vorbei mit dem Gemerkel im Amt, das immerhin mit Richtlinienkompetenz ausgestattet ist.

Nur Sarkozy würde sicherlich nicht erfreut darüber sein, eine seiner wichtigsten Wahlkämpferinnen zu verlieren. Mit Merkozy wäre es dann aus.

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