Männlich, weiß, verheiratet: Studie untersucht, wie OnlyFans-Nutzer:innen ticken

Laut US-amerikanischer Untersuchung sind OnlyFans-User:innen überwiegend männlich und verheiratet – ihre sexuellen Ansichten ähneln jedoch denen von Nichtnutzer:innen

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OnlyFans-Nutzer-Studie
In diesem Artikel
  • US-amerikanische Forschende befragten über 700 Personen zu ihren sexuellen Einstellungen, wobei es sich knapp bei der Hälfte der Befragten um Only-Fans-Nutzer:innen handelte.
  • Laut den Ergebnissen der Studie sind OnlyFans-Nutzer:innen vornehmlich männlich, weiß, verheiratet und identifizieren sich als hetero-,bi- oder pansexuell.
  • Hinsichtlich der sexuellen Einstellungen konnten keine nennenswerten Unterschiede zwischen Nutzern und Nichtnutzern sowie zwischen Männern und Frauen festgestellt werden.

Als im März und April 2020 die Nutzerzahlen von Online-Portalen wie OnlyFans durch die Decke gingen, veränderte das die Internetlandschaft nachhaltig. Laut eigenen Angaben konsumierten Ende 2021 bereits 180 Millionen registrierte Nutzer die – vorwiegend sexuellen – Inhalte der Plattform. Fünf Milliarden Dollar soll der Dienst in dieser Zeit an seine inzwischen 2 Millionen Content-Creator ausgezahlt haben.

Noch ist über die Konsument:innen und Creators auf der Plattform wenig bekannt. Ändern wollten das nun Forschende der staatlichen Cleveland State University, der Palo Alto University und der University of Mississippi.

Für ihre Untersuchung verglichen sie die demografischen Daten und sexuellen Einstellungen von über 700 OnlyFans-User:innen und Nichtnutzer:innen.

Was ist OnlyFans? Die wichtigsten Fakten

Bei OnlyFans handelt es sich um eine abobasierte Plattform, die auf dem sogenannten Direct-To-Consumer-Modell aufbaut: OnlyFans-Nutzer:innen schließen über die gleichnamige App ein monatliches Abo bei den Ersteller:innen ab und bekommen hierfür Zugriff auf exklusive – in der Regel erotische – Fotos und Videos.

Darüber hinaus haben Abonnenten die Möglichkeit, durch die Zahlung eines „Trinkgelds“ Zugang zu exklusiven Inhalten zu erhalten, individuelle Anfragen, etwa für Fotografien oder Handlungen, zu stellen und zum Beispiel einen persönlichen Chat mit den Ersteller:innen der Inhalte freizuschalten.

Im März und April 2020 vermeldete OnlyFans im Zuge der Corona-Krise einen Anstieg der Anmeldungen um 75 Prozent. Einen weiteren Aufschwung erlebte OnlyFans, als im Sommer 2020 Prominente wie Rapperin Cardi B. und Schauspielerin Bella Thorne mit der Veröffentlichung eigener Inhalte auf der Plattform begannen.

Was macht OnlyFans besonders?

Bekannt ist, dass das Internet zunehmend die Verfügbarkeit, Erschwinglichkeit und Anonymität sexuell expliziter Inhalte erhöht. Was neu ist: Mit OnlyFans ist eine massentaugliche Plattform entstanden, die quasi keinerlei Barrieren für die Teilnahme vorgibt. Jede:r kann konsumieren und produzieren.

Im Vergleich zu Pornoplattformen verspricht das Portal damit ein „authentischeres“ und intimeres Erlebnis. Verstärkt wird dies durch die Möglichkeit, Inhalte auf Anfrage zu bestellen und persönliche Chats mit Personen zu führen.

Ursprünglich war OnlyFans bei seiner Gründung 2016 als Social-Media-Plattform gedacht, die Abonnenten den Zugang zu exklusiven Inhalten bei einer Vielzahl von Themen ermöglichen sollte. Obwohl die Plattform über die Jahre ein sexuelles Image erwarb, beherbergt sie bis heute jedoch auch nicht-erotischen Content.

So kündigten etwa Rapperin Cardi B. und Schauspielerin Bella Thorne bei der Eröffnung ihrer Accounts im Sommer 2020 an, OnlyFans ausschließlich für exklusive Einblicke in ihr Leben – wie etwa Behind-The-Scenes-Ausschnitten von Dreharbeiten–, nicht aber für das Posten sexueller Inhalte nutzen zu wollen.

Zur Durchführung der Studie

Für die Untersuchung befragten die Wissenschaftler:innen eine Gruppe 718 erwachsener US-amerikanischer Teilnehmer:innen im Alter von 18 bis 71 Jahren mit einem Durchschnittsalter von 29.

Während die Geschlechterverteilung zwischen Männern und Frauen insgesamt annähernd 50:50 betrug, war das Verhältnis zwischen OnlyFans-Nutzer:innen und Nichtnutzer:innen weniger ausgeglichen – so befanden sich in der Gruppe der Nutzer:innen 219 Männer und 129 Frauen.

Für die Studie wurden in einem Fragebogen demografische Daten wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und sexuelle Identität erhoben. Darüber hinaus wurden die Proband:innen zu ihren sexuellen Einstellungen und ihrer Aktivität bei OnlyFans befragt.

Mit der Untersuchung verfolgten die Forschenden zwei Ziele: Zum einen wollten sie erforschen, inwiefern sich Nutzer.innen potenziell von Nichtnutzer:innen unterschieden. Zum anderen war es ihr Ziel, innerhalb der Gruppe der OnlyFans-Nutzer:innen etwaige Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu untersuchen.

Befragung nach sexuellen Einstellungen

Die Teilnehmer:innen sollten angeben, wie sehr sie folgenden Einstellungen auf einer Skala von 1 bis 5 zustimmen:

  1. „Ich akzeptiere unverbindlichen Sex.“
  2. „Verhütung ist ein Teil verantwortungsvoller Sexualität.“
  3. „Sex ist die intimste Form von Kommunikation zwischen zwei Menschen.“
  4. „Sex ist vorwiegend ein physisches Bedürfnis – so wie Essen.“

Demografische Auswertung

In der Studie handelte es sich bei den OnlyFans-Nutzern vorwiegend um weiße, verheiratete Männer, die sich als heterosexuell oder bisexuell/pansexuell identifizierten.

Damit stimmen die Befunde mit bisherigen Untersuchungen überein, nach denen überwiegend Männer sexuell explizite Inhalte konsumieren.

Jedoch hatten die Ergebnisse einer 2017 veröffentlichten Studie nahegelegt, dass verlobte und verheiratete Männer eine geringere Wahrscheinlichkeit hatten, sexuell explizite Inhalte zu konsumieren. Im Gegensatz dazu tendierten in der vorliegenden Studie eher verheiratete Männer dazu, OnlyFans zu nutzen.

Auswertung der sexuellen Einstellungen von Nutzer:innen

Bei der Befragung konnten zwischen den sexuellen Einstellungen von OnlyFans-Nutzer:innen und Nichtnutzer:innen nur kleine Abweichungen festgestellt werden. Eine Erkenntnis, die der Stigmatisierung der Nutzung von Diensten wie OnlyFans entgegenwirken könnte.

„Ich denke, die wichtigste Erkenntnis ist, dass Personen, die sexuell explizite Inhalte erstellen und darauf zugreifen, sich nicht signifikant von denen unterscheiden, die dies nicht tun“, fasst Stacey Diane Arañez Litam, Assistenzprofessorin an der Cleveland State University und Co-Autorin der Studie in einem Interview mit der PsyPost zusammen. „Letztendlich ähneln wir uns in Bezug auf sexuelle Einstellungen mehr, als wir uns unterscheiden“, führt sie weiter aus.

Einordnungen der Ergebnisse: Sexuelle Einstellungen bei Männern und Frauen

Während es sich bei den OnlyFans-Nutzer:innen in der vorliegenden Studie vorwiegend um Männer handelte, konnten die Forscher:innen hinsichtlich der sexuellen Einstellungen zwischen Männern und Frauen in der Gruppe der Nutzer:innen und Nichtnutzer:innen über alle vier erfragten Bereiche hinweg keine signifikanten Unterschiede feststellen.

Bisherige Studien waren überwiegend davon ausgegangen, dass Männer aufgrund geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Sexualsozialisation über eine liberalere sexuelle Einstellung verfügen als Frauen. Jedoch gaben jüngere Untersuchungen auch zu bedenken, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede sich im Laufe der Zeit zu verringern schienen.

Entsprechend mutmaßen die Wissenschaftler:innen, dass die Unterschiede hinsichtlich sexueller Einstellungen innerhalb der Geschlechter größer sein könnten, als sie es zwischen den Geschlechtern selbst sind. Dass Männer wie Frauen ähnlich liberale Einstellungen an den Tag legten, könnte auf eine zunehmende Normalisierung und den Rückgang der Stigmatisierung im Zusammenhang mit dem Konsum und der Produktion von sexuell explizitem Material hinweisen.

Stärken und Schwächen der Untersuchung

Während die vorliegende Studie im Querschnittsdesign durchgeführt wurde und die Proband:innen zu ihren zurückliegenden Erfahrungen befragt wurden, könnte eine über mehrere Zeitpunkte verteilte Längsschnittstudie in der Lage sein, die Einstellung der Nutzer:innen genauer zu erfassen.

Ein potenzieller Kritikpunkt liegt darüber hinaus in der Plattform, über welche die Untersuchung durchgeführt wurde: Mechanical Turk, einem Crowdsourcing-Marktplatz von Amazon. Obwohl es ein in der Wissenschaft durchaus übliches Tool zur Erhebung von Stichproben ist, weist es dennoch eine gewisse Fehleranfälligkeit auf:

Da die Proband:innen bei Mechanical Turk für Mikrotasks wie die Teilnahme an einer Studie eine kleine Vergütung erhalten, weiß man etwa nicht, ob die Proband:innen in diesem Fall eine Nutzung von OnlyFans nur vorgaben, um die Vergütung zu erhalten.

Außerdem ist unklar, ob die Teilnehmer:innen womöglich nicht schon an anderen Studien zu ähnlichen Themen teilgenommen hatten. Hiermit wären sie nicht mehr „research naïve“, was die Ergebnisse der Befragung beeinflussen könnte.

Interessante Ausgangspunkte für zukünftige Studien

Laut den Macher:innen der Studie wäre in Zukunft eine nähere Untersuchung zu OnlyFans-Creators interessant. Potenziell aufschlussreich wäre außerdem eine Erforschung der Einflussfaktoren, welche Nutzer dazu bringen, Content auf OnlyFans zu konsumieren, sowie der Arten von Inhalten, welche von diesen auf Anfrage angefordert wurden.

Während in der vorliegenden Untersuchung keine qualitativen Daten zur Nutzung von OnlyFans erhoben wurden, könnten zukünftige Studien etwa die damit verbundene Motivation berücksichtigen. Denkbar wären zum Beispiel Interviews, die ein tieferes Verständnis für die Einstellungen und Erfahrungen auf entsprechenden Plattformen ermöglichen.

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