7 Gründe, warum die Sprachen der Liebe nicht alle Probleme lösen

Wir erklären dir, warum die fünf Liebessprachen nicht immer für ein „und sie lebten glücklich bis ans Ende ihre Tage“ reichen.

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Dr. Gary Chapmans Buch wurde 1992 zum ersten Mal publiziert und seither mehrmals zum New-York-Times-Bestseller und SPIEGEL-Bestseller auserkoren. 30 Jahre später werden die fünf Sprachen der Liebe nach wie vor wissenschaftlich erforscht und Chapmans Theorie bestätigt. Laut ihm gehören Hilfsbereitschaft, Lob, Zärtlichkeit, Quality-Time und Geschenke zu den Sprachen der Liebe.

„Es ist ein großartiges Buch, das Paaren zeigt, wie sie die Vorlieben ihrer Partner:innen und ihre eigenen Bedürfnisse am besten berücksichtigen und kommunizieren“, fasst Beziehungsexpertin Laurel Steinberg, Ph.D. zusammen. „Allerdings sind die Liebessprachen nicht die Lösung für jedes Beziehungsproblem.“

„Die Sprachen der Liebe sind dazu da, um Beziehungen zu verbessern, nicht um grundlegende Hürden zu überwinden“, ergänzt Familien- und Ehetherapeutin Marley Howard.

„Unter den richtigen Umständen können die Liebessprachen ein hilfreiches Beziehungswerkzeug sein. Man muss jedoch erkennen, dass sie in manchen Fällen auch missinterpretiert oder sogar missbraucht werden können. Daher ist es wichtig, sie kritisch zu hinterfragen und nicht für bare Münze zu nehmen“, kommentiert Dating-Expertin Lana Otoya.

1.

Die Liebessprachen vereinfachen das Konzept der Liebe zu stark

„Unsere Aufgabe ist es, zu verstehen, wie jede:r am besten Liebe ausdrückt und empfängt – und das nicht nur anhand der jeweiligen Liebessprache“, erklärt Marley Howard. Wir können unsere Partner:innen nicht einfach in eine (oder mehrere) der fünf Liebessprachen-Schubladen stecken und uns dann erhoffen, dadurch eine glücklichere Beziehung zu führen.

„Die Liebessprachen werden der komplexen Natur von Beziehungen, Lifestyles und menschlichen Gefühlen nicht gerecht. Schließlich ist die Liebe kein einheitliches Konzept. Auch wenn die Liebessprachen ein hilfreicher Ausgangspunkt für romantische Kommunikationsmethoden sein können, sollten sie nicht als Allheilmittel für Beziehungsprobleme herangezogen werden“, unterstreicht Lana Otoya.

Eine Herausforderung der Liebessprachen ist die zu starke Vereinfachung und das damit einhergehende Schubladendenken. Das kann zu Missverständnissen und unrealistischen Erwartungen führen.

2.

Du kannst dich mit keiner der fünf Liebessprachen identifizieren

Im Internet und vielen Buchläden findet man unzählige Selbsttests und Ratgeber zu den fünf Sprachen der Liebe. Doch auch wenn die Idee dahinter scheinbar einfach wirkt, ist die eindeutige Identifizierung mit einer Sprache für viele eine Herkulesaufgabe.

„Ich hatte Klient:innen, die anfangs von der Idee der Liebessprachen begeistert waren. Später stellten sie jedoch fest, dass sie sich mit keiner der Sprachen vollständig identifizieren können“, schildert Dating-Expertin Lana Otoya.

„Als einzigartige Individuen mit unseren eigenen Bedürfnissen und Wünschen scheint dies durchaus Sinn zu machen“, ergänzt sie. Unsere Gefühle sind viel zu komplex, um in fünf „Kategorien“ unterteilt zu werden. Viele wissenschaftliche Studien untersuchen deswegen die Gültigkeit von Chapmans Theorie und kommen mitunter zu dem Schluss, dass es mehr als nur fünf Sprachen der Liebe gibt.

3.

Das Sprechen der richtigen Liebessprache ist nur ein Teil einer gesunden Beziehung

„Die fünf Sprachen der Liebe helfen Paaren, zu verstehen, wie sie einander Liebe und Wertschätzung vermitteln können“, kommentiert Dr. Jennifer Chain, Psychologin und Paartherapeutin. „Das ist jedoch nur ein Puzzleteil des großen Ganzen, das wir Beziehung nennen. Neben der Liebessprache sind vor allem Vertrauen, Respekt, Intimität und gesunder Zusammenhalt ausschlaggebend.“ Dazu zählt etwa:

  • Darauf vertrauen zu können, dass dein/e Partner:in nur dein bestes Interesse im Sinn hat.
  • Deine Wünsche und Bedürfnisse bewusst auf eine Weise kommunizieren zu können, die dein/e Partner:in versteht.
  • Dich dazu zu verpflichten, an dir selbst und der Beziehung zu arbeiten.
  • Konflikte mit deinem Partner oder deiner Partnerin auf eine gesunde und erfolgreiche Weise zu lösen.

„Es ist wichtig zu wissen, dass die Liebessprachen nur eine Dimension einer gesunden Beziehung darstellen. Auch wenn du die Liebessprache deines Gegenübers sprichst, ist es dennoch essenziell, dass ihr Konflikte auf eine gesunde Art lösen könnt. Denn ansonsten kann die Beziehung trotzdem in Schwierigkeiten geraten“, fügt Dr. Jennifer Chain hinzu.

4.

Es gibt nicht die eine wahre Liebessprache

„Eines der größten Irrtümer rund um die Sprache der Liebe ist die Annahme, dass jede:r nur eine Liebessprache hat. Menschen können mehrere Liebessprachen sprechen. Wir brauchen in der Tat alle fünf Liebessprachen zu einem gewissen Ausmaß, um Erfüllung zu erfahren“, schildert Dr. Jennifer Chain.

Viele der vorhandenen Selbsttests und Quiz zu den fünf Sprachen der Liebe schlagen als Resultat meist nur eine einzige Liebessprache vor. Dabei wird oft vergessen, dass sich unsere persönliche Liebessprache situations- und/oder gefühlsbedingt ändern kann.

„Man kann nicht davon ausgehen, dass jede Person nur eine einzige Liebessprache spricht“, beschreibt Marley Howard. „Unter den richtigen Umständen sprechen wir alle fünf Sprachen.“ Dazu listet die Familien- und Ehetherapeutin folgende Beispiele auf:

  • Wir freuen uns über Lob und Unterstützung, wenn wir gestresst sind.
  • Wir brauchen Hilfe, wenn wir krank oder überlastet sind.
  • Wir freuen uns über ein Geschenk zu einem besonderen Anlass.
  • Wir sehnen uns nach Zärtlichkeit und Berührungen, wenn wir abends entspannt auf dem Sofa liegen.

The Love Language® Quiz (in englischer Sprache) zeigt dir eine prozentuale Reihung all deiner bevorzugten Liebessprachen.

5.

Liebessprachen sind keine „One size fits all“-Lösung

Was bei Gesprächen rund um die fünf Liebessprachen meistens zu kurz kommt: Jeder Mensch ist anders.

„Wenn du die Liebessprache deines Partners oder deiner Partnerin sprichst, bedeutet das nicht automatisch, dass er/sie glücklich ist“, erklärt Marley Howard. Sie ist überzeugt, dass jede Liebessprache individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Personen abgestimmt werden muss.

Ähnlich wie im Schlafzimmer hat auch bei den Sprachen der Liebe jede:r andere Vorlieben. Während Quality-Time für manche gemeinsame Abende auf dem Sofa bedeuten, freuen sich andere über aufregende Dates in den Bergen.

6.

Liebessprachen verändern sich

Im Laufe unseres Lebens verändern sich nicht nur unsere Geschmäcker, sondern auch unsere Liebessprache(n) – abhängig von den Erfahrungen, die wir in unseren vorherigen Beziehungen gemacht haben.

„Es ist ein Irrglaube, dass sich die eigene Liebessprache über mehrere Beziehungen hinweg nicht verändert. Als Paartherapeutin habe ich gesehen, dass Liebessprachen, die in einer Beziehung vernachlässigt werden, in der nächsten Beziehung am meisten gebraucht werden“, kommentiert Dr. Jennifer Chain.

In einer gesunden Beziehung geht es nicht nur um das Sprechen der Liebessprachen, sondern auch um das aktive Zuhören. Teile deinem Partner oder deiner Partnerin mit, wenn deine Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Im Gegenzug solltest auch du die Ohren spitzen und ihm/ihr aktiv zuhören, wenn er/sie über seine/ihre Wünsche spricht – denn diese können sich auch verändern.

7.

Äußere Faktoren beeinflussen die Beziehung

Beziehungsprobleme werden nicht nur durch unterschiedliche Liebessprachen oder das Missverstehen des Partners oder der Partnerin ausgelöst. Auch externe Faktoren, auf welche die Partner:innen kaum Einfluss haben, können die Beziehung auf die Probe stellen. Dazu zählen laut Familien- und Ehetherapeutin Marley Howard etwa folgende Punkte:

  • Finanzielle Schwierigkeiten
  • Unterschiedliche Werte
  • Probleme in der Familie
  • Stresssituationen
  • Abweichende kulturelle Hintergründe

„Das Konzept der Liebessprachen funktioniert grundsätzlich am besten, wenn beide Partner:innen zufrieden und glücklich sind. Sobald jedoch äußere Faktoren die Beziehung negativ beeinflussen, verlieren auch die Liebessprachen ihre Wirkung“, ergänzt sie.

Fazit: Die fünf Sprachen der Liebe – hilfreiches Werkzeug statt Beziehungsretter

„Das von Dr. Gary Chapman populär gemachte Konzept der fünf Liebessprachen kann zwar ein nützliches Werkzeug sein. Jedoch lösen sie nicht jedes Beziehungsproblem“, fasst Dating-Expertin Lana Otoya zusammen.

In vielen Fällen vereinfachen die fünf Sprachen das komplexe Konstrukt „Liebe“ so stark, dass wichtige Faktoren verloren gehen. Das Sprechen der (richtigen) Liebessprache ist nur ein Schritt auf dem Weg zu einer glücklichen und gesunden Beziehung.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass die meisten Personen mehr als nur eine Sprache der Liebe sprechen und sich selbst nicht immer mit den von Dr. Gary Chapman vorgeschlagenen Sprachen identifizieren können. Jeder Mensch hat andere Vorlieben – ähnlich wie im Schlafzimmer.

Die Liebessprachen sind nichts Statisches. Sie verändern sich im Laufe der Zeit und wachsen mit uns mit. Wird unsere Beziehung von äußeren Faktoren negativ beeinflusst, verlieren auch die Liebessprachen ihre Wirkung.

„Dennoch können die Sprachen der Liebe wertvolle Erkenntnisse über die eigenen Bedürfnisse und die des Partners oder der Partnerin liefern und letztlich zu einer erfüllteren und harmonischeren Beziehung führen“, schließt Lana Otoya das Interview.

Du möchtest noch mehr über die fünf Liebessprachen erfahren? Bei uns findest du alles Wissenswerte rund um die Sprachen der Liebe.

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