Studie zeigt: Das könnte der Grund sein, warum wir harten Sex haben

Nicht Aggressivität, sondern Neugierde scheint der entscheidende Faktor zu sein

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In diesem Artikel
  • Forschende der staatlichen Universität von New York und der Universität von Redlands untersuchten an über 700 Studierenden mögliche Zusammenhänge zwischen härterem Sex, dem Konsum von Pornos, Aggressivität und der Suche nach Neuem.
  • Harter Sex und der Konsum von Pornografie schienen vor allem mit einem Bedürfnis nach Neuem und nur am Rande mit Aggressivität verknüpft zu sein.
  • Grober Sex stand außerdem in Verbindung mit dem Konsum von Pornografie und anderen sexuell riskanten Verhaltensweisen wie Sex in der Öffentlichkeit oder der Verwendung von Sexspielzeugen.

Jede fünfte Frau und elf Prozent der Männer wurden beim Sex schon einmal gewürgt und 30 Prozent der Frauen sowie knapp 60 Prozent der Männer, die mit Männern schliefen, wurde bereits ins Gesicht ejakuliert. Das ergaben die Ergebnisse einer national repräsentativen Umfrage unter 18- bis 60-jährigen US-Amerikaner:innen.

Noch immer werden härtere Sexpraktiken vonseiten der Forschung jedoch automatisch mit Aggression oder Missbrauch in Verbindung gebracht – das zumindest bemängeln die Macher:innen eine nun erschienenen US-amerikanischen Studie. So werde insbesondere nicht ausreichend zwischen Praktiken mit und ohne Einverständnis getrennt.

Mit der jetzt veröffentlichten Untersuchung wollen die Forschenden dies ändern. In der Studie beleuchten sie mögliche Verknüpfungen zwischen grobem Sex und Pornokonsum sowie Aggressivität und der Suche nach Neuem als potenzielle Beweggründe.

Harter Sex: Unter welchen Bedingungen er stattfindet und was ihn ausmacht

In einer Studie von 2019 hatte dasselbe Team aus Forschenden bereits eine Untersuchung zu härterem Sex unter College-Studierenden durchgeführt. Die Befragten gaben an, dass dieser einvernehmlich stattfand und von beiden Geschlechtern ausging.

In der Regel führten gröbere Sexpraktiken dabei zu wenig Gewalt und nur zu oberflächlichen Verletzungen – wie Kratzern oder blauen Flecken. Außerdem konnten die Forschenden keine Verbindung zu Missbrauch oder Gewalt in romantischen Beziehungen feststellen.

Auf die Frage nach der Definition von hartem Sex geben die meisten Männer und Frauen nur leicht aggressive Verhaltensweisen wie Ohrfeigen, Ziehen an den Haaren, Beißen und Festgehaltenwerden an. Obwohl die Teilnehmenden nicht ausdrücklich nach der Art der Stöße gefragt wurden, nannten sie harte und schnelle Stöße als elementare Bestandteile von hartem Sex.

Trigger für die Initiation von hartem Sex

In der Studie von 2019 hatten die Forschenden außerdem die Trigger untersucht, welche Männer und Frauen bei der Suche nach gröberen Sexpraktiken besonders antrieben. Zu den Auslösern, die von beiden Geschlechtern genannt wurden, gehörten etwa das Ausprobieren von Neuem, Necken und das Ausleben einer Fantasie.

Männer nannten als Motivationen für harten Sex allerdings signifikant häufiger Trigger, die in Verbindung mit Spermienkonkurrenz – also der Konkurrenz zwischen den Spermien verschiedener Männer – gebracht werden konnten. Dazu gehörten Eifersucht, getrennt verbrachte Zeit von der Partnerin (ohne sie überwachen zu können) und der Glaube, dass ihre Partnerin sie betrogen habe, sowie Gruppensex.

Mögliche Motivationen für harten Sex bei Frauen

Offen blieben in der Befragung, welche Motive dafür verantwortlich sind, dass Frauen ebenfalls harten Sex initiieren. Laut den Forschenden habe die fälschliche Annahme, dass vor allem Männer an rauem Sex interessiert seien oder diesen initiierten, die Forschung über entsprechende weibliche Vorlieben und Präferenzen bisher zudem ausgebremst.

Studien aus der Tierwelt legen nahe, dass Weibchen dort Anzeichen männlicher Stärke oder Dominanz nutzen, um Männer zu selektieren. Während entsprechende Untersuchungen an Menschen ausstehen, betrachten die Forschenden ähnliche Mechanismen zwischen Männern und Frauen als mögliche Erklärung.

Fest steht, dass Frauen berichteten, bei aggressivem Sex deutlich schneller zum Orgasmus zu kommen als ihre Partner. Eine Beobachtung, die vonseiten der Männer bestätigt wurde.

Bisherige Untersuchungen zu Pornokonsum und grobem Sex

Eine 2014 veröffentlichte Befragung heterosexueller Männer in Deutschland ergab, dass ihr Interesse an Pornografie in Zusammenhang mit dem Wunsch stand, verschiedene grobe sexuelle Verhaltensweisen gegenüber ihrer Partnerin auszuführen. Dazu gehörten etwa Haareziehen, Versohlen, Ohrfeigen, Würgen oder Fesseln.

Diese Funde scheinen in Übereinstimmung mit einer drei Jahre später stattfindenden Erhebung unter heterosexuellen Frauen in Deutschland zu stehen. Bei dieser hatten Forschende festgestellt, dass der Pornografiekonsum der Frauen in einem positiven Zusammenhang zu sexuell unterwürfigem Verhalten stand. Bei Frauen, die bereits in jungen Jahren begonnen hatten, Pornos zu konsumieren, konnte ein besonders starker Zusammenhang festgestellt werden.

Darüber hinaus befand eine groß angelegte, landesweit repräsentative Umfrage unter US-amerikanischen Jugendlichen und Erwachsenen, dass häufiger früher Pornokonsum und eine größere Bandbreite dessen Konsums im Laufe des Lebens bei allen Teilnehmenden signifikant mit dominantem und unterwürfigem groben Sexualverhalten verbunden waren.

Kritisch bleibt bei allen Studien anzumerken, dass der Sachverhalt bisher nicht ausreichend auf den sogenannten Henne-Ei-Effekt geprüft wurde. Somit blieb es nach derzeitigem Stand offen, ob man durch den Konsum von Pornografie eher zu gröberem Sexualverhalten neigt oder entsprechende Inhalte lediglich eher konsumieret, wenn man ohnehin schon an entsprechendem Sexualverhalten interessiert ist.

Was bei der neuen Studie untersucht wurde

Für das vorliegende Forschungsprojekt wurden 734 Studierende – 169 Frauen und 565 Männer – einer US-amerikanischen Universität gebeten, einen ausführlichen Fragebogen zu ihren romantischen Beziehungen ausfüllen.

Die Befragten waren durchschnittlich 21 Jahre alt, zu 96 Prozent Single und in 92 Prozent der Fälle heterosexuell.

Unter anderem wurden die Teilnehmenden nach ihren sexuellen Erfahrungen und Verhaltensweisen befragt. Dabei sollten sie etwa angeben, ob und wie oft sie harten Sex hatten, wie oft sie ihn selbst initiierten und welche Faktoren sie dazu veranlassten.

Außerdem wurden die Proband:innen gebeten, sowohl das eigene Verhalten als auch das ihres Partners bei hartem Sex zu beschreiben. Festgehalten wurde zudem, ob sie jemals Sexspielzeuge verwendet oder Sex in der Öffentlichkeit gehabt hatten.

Die Ergebnisse der Untersuchung

Die Auswertung der Befragung ergab, dass das Praktizieren von hartem Sex überwiegend nicht aus aggressiven Motiven, sondern aus dem Drang nach Neuartigkeit und Abenteuer geschah. Außerdem war es bei den Teilnehmenden, die Pornos konsumierten, wahrscheinlicher, dass sie harten Sex hatten.

Die Probanden, welche gröberen Sex hatten, neigten zudem mit höherer Wahrscheinlichkeit zu anderen Verhaltensweisen, die ebenfalls mit dem Bedürfnis nach Neuartigem in Verbindung gebracht werden können. So berichteten sie häufiger von der Verwendung von Sexspielzeug, Sex in der Öffentlichkeit oder mehr Sexualpartnern.

Einschränkungen der Studie

Da es sich bei den Probanden um recht junge Bachelor-Studierende handelte, muss eine potenziell mangelnde sexuelle Erfahrung der Teilnehmenden als einschränkender Faktor der Studie genannt werden. Außerdem konzentrierte sich die Untersuchung vorwiegend auf heterosexuelle Personen. In beiderlei Hinsicht wäre in Zukunft eine größere Diversität der Proband:innen wünschenswert.

Hinzu kommt, dass „grober Sex“ im Rahmen der Untersuchung nicht ausreichend definiert wurde. Da etwa zwischen einem leichten Klaps und BDSM-Praktiken ein großer Unterschied besteht und harter Sex somit grundsätzlich von jedem anders definiert werden kann, handelt es sich dabei um eine Ungenauigkeit der Studie.

Obwohl es sich aufgrund der demografischen Zusammensetzung um eine begrenzt anwendbare Untersuchung handelte, sei sie dennoch insofern nützlich, als dass sie eine Bandbreite von Dingen aufzeige, die abseits vom Ausleben von Gewaltimpulsen mit rauem Sex in Verbindung gebracht werden könnten, merkt Sexologin Carol Queen an.

Zwischen dem Konsum von Pornos und dem Ausprobieren der gezeigten Praktiken sieht sie jedoch keinen direkten Zusammenhang. „Pornos haben in etwa so viel mit Sexualkunde zu tun wie Filme mit Verfolgungsjagden und Fahrunterricht“, gibt Queen zu bedenken.

Welche Fragen in Zukunft untersucht werden sollten

Die Macher:innen der Studie wünschen sich noch mehr Untersuchungen zu den Motivatoren hinter hartem Sex sowie sexuellen Abenteuern und dem Bedürfnis nach sexueller Neuheit – insbesondere bei jungen Menschen.

Sofern Neugierde tatsächlich der treibende Motivator hinter grobem Sex ist, bleibt derzeit nämlich noch unklar, zu welchen Anteilen es bei sexuell grobem Verhalten um das bloße Erleben von etwas Neuem oder um das damit verbundene Risiko geht und welcher der beiden Faktoren letztlich den Ausschlag gibt.

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