Was macht polyamore Beziehungen so interessant?

8 Gründe, warum sich Menschen auf Polyamorie einlassen (laut neuester Studien)

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Kurz zusammengefasst

  • Monogamie dominiert: In der westlichen Welt sind romantische Beziehungen meist monogam und von Exklusivität geprägt. Medien präsentieren Liebe vorwiegend in monogamen Beziehungen.
  • Polyamorie im Fokus: Alternative Beziehungsmodelle wie Polyamorie, bei denen mehrere Liebesbeziehungen geführt werden, gewinnen an Bedeutung. Wissenschaft und Medien untersuchen dieses Phänomen.
  • Studie zu Motiven: Eine Studie des Institute of Social Communication Research of the Slovak Academy of Sciences untersucht die Gründe, die Menschen dazu veranlassen, polyamore Beziehungen in Erwägung zu ziehen oder einzugehen.
  • Wertewandel beeinflusst Beziehungen: Selbstentfaltungswerte wie Selbstverwirklichung, Autonomie und Gleichbehandlung gewinnen an Bedeutung, während Eheschließungen weniger attraktiv werden. Polyamorie bietet eine Alternative.
  • Vielfältige Beweggründe: Die Gründe für Polyamorie sind vielfältig und können individuelle Bedürfnisse, persönliches Wachstum, Identitätsentwicklung, politische Werte, Experimentieren mit sexuellen Minderheiten oder Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft umfassen.

In der westlichen Welt werden romantische Beziehungen überwiegend monogam geführt. Die meisten Menschen sehen diese mit Exklusivität einhergehende Form der Beziehungsführung als selbstverständlich an.

Oft wird sie nicht bewusst wahrgenommen oder gar hinterfragt. Schließlich wird Liebe auch in Filmen, TV-Serien und Romanen fast ausschließlich monogam dargestellt.

Obwohl sich das Ideal von der monogamen Liebe hartnäckig zu halten scheint, wird Monogamie zunehmend hinterfragt und alternative Beziehungsmodelle wie polyamore Beziehungen, wobei Liebesbeziehungen zu mehr als einer Person geführt werden, werden immer häufiger praktiziert.

Vielleicht hast auch Du Dich mit diesem Thema bereits auseinandergesetzt oder kennst Menschen in Deinem Umfeld, die Polyamorie praktizieren.

Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit Polyamorie

Nicht nur in den Medien wird das Thema Polyamorie immer häufiger aufgegriffen – auch die Wissenschaft beschäftigt sich zunehmend mit diesem Phänomen. So wird beispielsweise von den Vorteilen einer solchen Beziehung berichtet (z.B. wie Polyamorie hilft, mit Eifersucht umzugehen).

Doch was Menschen eigentlich dazu motiviert, sich auf mehrere romantische und/oder sexuelle Beziehungen einzulassen, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Wir sind dieser Thematik einmal näher auf den Grund gegangen und haben recherchiert. Dabei sind wir auf eine Studie von zwei Forschenden des Institute of Social Communication Research of the Slovak Academy of Sciences gestoßen, die sich im Rahmen ihrer Forschungsarbeit den Motiven, die Menschen antreiben, eine polyamore Beziehung in Erwägung zu ziehen oder einzugehen, gewidmet haben.

Die im Mai 2022 im Sexologies Journal publizierte Studie zeigt, dass die Beweggründe für Polyamorie sehr vielfältig sein können.

Laut der beiden Forschenden ist ein angemessenes Verständnis der Polyamorie und der möglichen Motive und Gründe für diese Beziehungsform unerlässlich, um sie in Erwägung zu ziehen, auszuprobieren oder praktizieren zu können.

Wenn auch Du mit dem Gedanken spielst, eine polyamore Beziehung einzugehen oder Dich schlichtweg für die Vorteile dieser Beziehungsform interessierst, könnten die Ergebnisse der Studie, auf die wir gleich näher eingehen werden, von besonderem Wert für Dich sein und Dir dabei helfen, abzuwägen, ob Polyamorie auch etwas für Dich sein könnte.

Wertewandel macht Polyamorie attraktiver

Doch warum werden polyamore Beziehungen eigentlich immer attraktiver? Dafür gibt es tatsächlich triftige Gründe.

Einerseits befindet sich unsere Gesellschaft in einem Wandel: Selbstentfaltungswerte wie Selbstverwirklichung, Autonomie und Gleichbehandlung werden immer wichtiger.

Eheschließungen, die mit Verpflichtungen und Verbindlichkeiten einhergehen, verlieren hingegen an Attraktivität. Stattdessen rückt die individuelle Erfüllung des persönlichen Glücks in den Vordergrund.

Diese Veränderungen spiegeln sich auch in den Beziehungen und Lebensstilen wider. Doch dass polyamore Partnerschaften weltweit immer beliebter werden, lässt sich nicht ausreichend mit dem Wertewandel der Menschen erklären, wie die beiden Studienautor:innen erklären.

Auch andere und tiefer liegende Beweggründe spielen eine Rolle:

  • Kulturelle Werte können ebenfalls von Bedeutung sein, sind aber nicht die unmittelbare Ursache für den Wandel.
  • Das Forscherteam betont, dass insbesondere individuelle und psychologische Prozesse Einfluss nehmen.

Wir werden uns gleich den Beweggründen für Polyamorie im Detail widmen – davor möchten wir uns das Beziehungsmodell Polyamorie jedoch einmal näher ansehen.

Wie sieht eine polyamore Beziehung aus?

Der Begriff Polyamorie beschreibt laut des Online-Lexikons für Psychologie und Pädagogik intime, sexuelle und romantische Beziehungen zu mehr als einer Person.

Man darf also nicht nur mit mehreren Menschen schlafen, man darf sich auch verlieben und vollwertige Beziehungen führen. Anders als beim Fremdgehen geschieht dies mit der Einwilligung aller Beteiligten.

Kennzeichnend für polyamore Beziehungen sind:

  • ein ehrlicher und transparenter Umgang
  • Gleichberechtigung
  • eine längerfristige Auslegung

Doch nicht alle polyamore Partnerschaften werden auf die gleiche Weise praktiziert: Die verschiedenen Beziehungen in diesem Partnerschaftskonstrukt können einerseits als gleichwertig angesehen werden, auch wenn sie unterschiedlich ausgestaltet werden.

Andererseits gibt es auch polyamore Beziehungen, die sich durch eine gewisse hierarchische Ordnung kennzeichnen. Hierbei nehmen eine (oder mehrere) Hauptbeziehungen gegenüber anderen Liebesbeziehungen eine Sonderstellung ein, sprich gewissen Partnern wird mehr Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet.

Neben polyamoren Beziehungen gibt es auch andere einvernehmlich nicht-monogame Beziehungsmodelle. Beispiele hierfür sind offene oder monogame Beziehungen, die sexuell nicht exklusiv sind. Auch das sogenannte Swinging fällt in diese Kategorie, wobei zwischen mehreren Paaren zwanglose sexuelle Interaktionen stattfinden.

Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass polyamore Beziehungen gegenüber anderen Formen nicht-monogamer Beziehungsformen am beliebtesten sind. Das liegt daran, dass sich Menschen bei der Vorstellung von rein sexuellen Beziehungen (wie z.B. Swinging-Beziehungen) tendenziell unwohler fühlen als bei Beziehungen mit mehreren romantischen/emotionalen Bindungen, wie etwa bei Polyamorie.

Warum gehen Menschen polyamore Partnerschaften ein?

Warum finden manche Menschen Polyamorie attraktiver, als eine exklusive monogame Paarbeziehung? Dieser Frage ist das slowakische Forscherteam Hnatkovičová und Bianchi genauer auf den Grund gegangen.

Ihre Studie basiert auf einer Analyse aktueller psychologischer Studien zur Polyamorie. Das Ergebnis ist ein Modell, das die Beweggründe in acht Bereiche teilt, die einzeln oder auch in Kombination miteinander auftreten können.

1. Polyamorie erfüllt nicht gestillte Bedürfnisse

In Partnerschaften werden häufig Anforderungen an den Partner gestellt, wie etwa die Erfüllung körperlicher Bedürfnisse oder Bedürfnisse nach Sicherheit, Zugehörigkeit und Liebe, Anerkennung und Selbstverwirklichung.

Solche Anforderungen können jedoch, wenn sie nicht erfüllt werden, zu Unbehagen führen und gleichzeitig bauen sie gegenüber dem Partner einen gewissen Druck aus.

Nicht-monogame Beziehungen können diese Erwartungen reduzieren, indem verschiedene Bedürfnisse auf mehrere Partner aufgeteilt werden. Ein Beziehungspartner “muss” dann nicht mehr alle oder die meisten Bedürfnisse in einer Beziehung erfüllen. Das erscheint fair, oder?

Indem mehrere romantische Partner in einer polyamoren Beziehung dazu beitragen können, dass die unterschiedlichen Bedürfnisse besser befriedigt werden, kann das, wie Berichte von Personen in polyamoren Beziehungen zeigen, zu Zufriedenheit in der Beziehung beitragen. Klingt wie eine Win-win-Situation.

Die Erfüllung vielfältiger Bedürfnisse durch mehrere Intimpartner stellt sich als die Hauptmotivation für polyamore Beziehungen heraus.

2. Polyamorie geht mit Selbstbestimmung und persönlichem Wachstum einher

Ein weiterer wichtiger Beweggrund, den das Forscherteam identifiziert hat, ist das Bedürfnis nach sexueller Selbstbestimmung, persönlichem Wachstum und Freiheit von Zwängen, die sich durch Monogamie ergeben.

Polyamore Beziehungen werden damit in Verbindung gebracht, die eigene Perspektive zu erweitern, sich selbst zu entfalten und neue Erfahrungen zu sammeln.

Aber nicht nur durch sexuelle Erfahrungen wird persönliches Wachstum erlebt. Wie die Teilnehmer einer Studie berichten, können durch polyamore Partnerschaften neue Erfahrungen gemacht und Kompetenzen entwickelt werden, indem beispielsweise andere Hobbys ausprobiert werden.

Polyamore Partnerschaften können Deinen Horizont erweitern und Dich bereichern.

3. Polyamore Beziehungen als Teil der Identitätsentwicklung

Ein weiterer Grund, warum Menschen sich auf Polyamorie einlassen, ist das Bedürfnis nach Identitätsfindung, zu dessen Befriedigung polyamore Beziehungen (vorübergehend) beitragen können, wie eine Studie zeigt.

Da polyamore Beziehungen tendenziell nur über einen bestimmten Zeitraum geführt werden, können sie als Phase verstanden werden, in der eine Person eine Reifung auf sozialer, kognitiver und sexueller Ebene durchläuft. Es ist eine Periode, in der wichtige Lebensentscheidungen, die mit Bindung einhergehen, aufgeschoben werden.

Polyamorie kann Dir die Möglichkeit bieten, verschiedene Partner innerhalb eines bestimmten Zeitraums auszuprobieren und diese untereinander zu vergleichen, ohne dass Du dabei Druck verspürst, eine dauerhafte Bindung einzugehen.

Polyamorie kann sozusagen als Übergangsphase dienen, bevor man sich auf eine langfristige monogame Beziehung einlässt.

4. Polyamorie ermöglicht den Ausdruck politischer Werte

Polyamorie ermöglicht es außerdem, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit auszudrücken. Oftmals werden im gleichen Zug politische und rebellische Werte ausgedrückt, sozusagen als Teil eines Kampfes gegen soziale Konventionen.

Die politischen Werte hängen oft mit allgemeinen menschlichen Werten zusammen. So werden polyamore Beziehungen oft praktiziert, um eine feministische Position auszudrücken, wie die Analysen des Forscherteams zeigen.

Polyamorie geht häufig mit der feministischen Kritik an der Monogamie und der Institution Ehe einher, die ihren Ursprung in der Privilegierung der Interessen der Männer hat. Monogame Partnerschaften, die gerne durch die Brille der Romantik dargestellt werden, sollten ursprünglich den Zweck erfüllen, den Vater und damit die legitimen Erben eindeutig bestimmen zu können.

Dabei ging es jedoch lediglich um die Monogamie der Frau, während einer offenen oder verdeckten Polyamorie des Mannes nichts im Wege stand. Während außerehelicher Verkehr des Mannes toleriert wurde, wurde Ehebruch bei der Frau schwer bestraft.

Polyamorie geht mit der Vorstellung einher, dass sich Frauen befreien können und ist fester Bestandteil der Ideologie des “sexuellen Liberalismus”.

5. Polyamorie ermöglicht das Experimentieren mit sexuellen Minderheiten

​​Ein weiterer wichtiger Grund, warum sich Menschen für polyamore Beziehungen entscheiden, ist der Wunsch, Erfahrungen mit sexuellen Minderheiten zu sammeln und mit der eigenen sexuellen Orientierung zu experimentieren, wie Analysen zeigen.

Da die Einstellung gegenüber bisexuellen Männern meist negativer besetzt ist als gegenüber bisexuellen Frauen, Schwulen und Lesben, lässt sich vermuten, dass es für Frauen, die ihre bisexuellen Neigungen erkunden wollen, einfacher sein könnte, sich auf polyamore Partnerschaften einzulassen als für Männer.

Sexuelle Minderheiten lassen sich tendenziell häufiger auf Polyamorie ein als Heterosexuelle, wie Studienergebnisse zeigen. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass nicht-heterosexuelle Personen unter den Polyamorikern überwiegen.

Das Forscherteam kam ebenfalls zu der Erkenntnis, dass der Wunsch, eine nicht-monogame Beziehung zu führen, oft mit dem Anliegen zusammenhängt, BDSM und andere unkonventionelle Sexualpraktiken zu erforschen. Schließlich werden polyamore Beziehungen auch oft als ein Lebensstil dargestellt und wahrgenommen, der die Erforschung solcher Sexualpraktiken ermöglicht.

6. Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft wird gestillt

Die Studienergebnisse zeigen, dass eine weiterer wichtiger Beweggrund für Polyamorie der Wunsch ist, zu einer Gemeinschaft zu gehören.

Vor dem Hintergrund, dass das Bedürfnis nach Zugehörigkeit eine grundlegende Motivation des Menschen ist, schließen sich Menschen Gemeinschaften an oder bilden Gemeinschaften, um Menschen zu treffen, die dieselben Werte und dieselbe Einstellung zum Eingehen von Beziehungen teilen.

Da sich polyamore Personen in ihrer Einstellung zum Eingehen von Beziehungen von monogamen Personen unterscheiden, haben sie möglicherweise ein verstärktes Bedürfnis, ihre eigene Gemeinschaft zu bilden, in der sie Zugehörigkeitsgefühle erleben können.

So wird beispielsweise auch Minderheitenstress bei schwulen Männern oft durch die Sozialisierung innerhalb der größeren schwulen Gemeinschaft bewältigt. Und so kann es auch für polyamore Personen, die mit Stigmata zu kämpfen haben, von Interesse sein, ein solches Netzwerk zu bilden.

7. Polyamorie erfüllt den Wunsch nach sexuellen Erfahrungen

Auch das Sammeln neuer sexueller Erfahrungen ist einer der Beweggründe für polyamore Partnerschaften. Diese Erfahrungen werden können hierbei mit einem Partner oder getrennt gemacht werden. Jedoch erfolgt dies mit der Unterstützung des Partners und in voller Transparenz.

Personen in polyamoren Beziehungen, die im Rahmen einer Studie befragt wurden, verbinden diese Erfahrungen mit Gefühlen der Erregung, Spaß und einer Steigerung des subjektiven Wohlbefindens in der Beziehung.

Durch das Sammeln neuer sexueller Erfahrungen können sich zusätzlich zu den persönlichen Vorteilen auch Beziehungsvorteile ergeben. So kann beispielsweise Sex mit jemandem außerhalb der bestehenden Partnerschaft die Beziehung mit neuer sexueller Energie erfüllen und die Leidenschaft in einer langjährigen Beziehung neu beleben.

Personen, die schon lange in einer Beziehung sind, verspüren möglicherweise das Bedürfnis nach sexueller Abwechslung, was dazu motivieren kann, sich auf Polyamorie einzulassen.

8. Unbewusste psychische Prozesse

Die Tiefenpsychologie geht davon aus, dass unbewusste psychische Prozesse das menschliche Handeln, Denken und Fühlen entscheidend beeinflussen. Und so können den Motiven für Polyamorie auch unbewusste psychische Prozesse zugrunde liegen.

Insbesondere die elterliche Beziehung scheint einen Einfluss darauf zu haben, ob man in einer monogamen oder einer polyamoren Beziehung lebt.

Denn Partnerschaften werden in Anbetracht der Bindungstheorie stark durch frühkindliche Erfahrungen beeinflusst. Wie die Beziehung zu den Eltern erlebt wird, ist für das spätere Erleben von Partnerschaften entscheidend. Das kann auch bei der Partnerwahl interessant sein.

Forschungsergebnisse zeigen, dass Personen, die in ihrer elterlichen Beziehung Sicherheit und Geborgenheit erfahren haben, dazu neigen, glückliche, gesunde, sexuell befriedigende und dauerhafte romantische Beziehungen einzugehen.

Im Vergleich zu Personen mit unsicherer elterlicher Bindung gehen sie seltener fremd und empfinden mehr Freude an den sexuellen Aktivitäten, die sie in monogamen Partnerbeziehungen ausüben.

Personen, die nicht-monogame Beziehungen führen, haben eher Erinnerungen an eine unglückliche Kindheit, wie eine Studie zeigt. Diese Personen hatten entweder eine extrem strenge, konservative und sogar hyperprotektive elterliche Erziehung oder eine instabile Erziehung, bei der sie von ihren Eltern vernachlässigt wurden.

Wer Angst vor Bindungen hat, bevorzugt Polygamie

Zudem wird vermutet, dass Personen, die Angst vor Bindungen haben und sie daher meiden, Polyamorie eher attraktiv finden. Solche Personen neigen außerdem dazu, sich von ihrem Liebespartner zu distanzieren und sich so vor der Bindung, die sie fürchten, zu schützen. Sie versuchen intensive Intimität zu umgehen, was in einer monogamen Beziehung eine Herausforderung sein kann.

Bindungsängste können erklären, warum diese Personen sich zu polyamoren Beziehungen hingezogen fühlen – denn diese ermöglichen es, die emotionale Nähe zu einem bestimmten Partner begrenzt zu halten.

Es gibt aber auch Personen, die polyamore Beziehungen praktizieren und eine starke Bindung zu allen Partnern haben, mit denen sie in einer Beziehung sind. Daher ist es wichtig zu beachten, dass nicht verallgemeinert werden kann, dass sich nur Personen, die unsichere Bindungen zu ihren Eltern hatten, auf Polyamorie einlassen.

Polyamorie scheint sowohl Personen anzuziehen, die in ihrer Kindheit Sicherheit und Geborgenheit erlebt haben als auch Personen, die keine solche Bindung zu ihren Eltern hatten.

Fazit: Polyamorie als eine attraktive Herausforderung?

Jetzt, wo Du weißt, welchen Nutzen man aus polyamoren Partnerschaften ziehen kann, fällt es Dir hoffentlich leichter einzuschätzen, ob das Beziehungskonzept das Richtige für Dich sein kann.

Selbstverständlich sind polyamore Beziehungen nicht immer einfacher als monogame Partnerschaften. In einer polyamoren Beziehung ist insbesondere ein offener und ehrlicher Umgang mit Eifersucht wichtig. Weniger Beziehungsarbeit als in einer monogamen Partnerschaft kann man offensichtlich nicht erwarten.

Eine polyamore Beziehung könnte gewissermaßen eine Herausforderung in einer anderen Form bedeuten. Ob Polyamorie für jemanden infrage kommt, ist natürlich individuell abzuwägen.

Die beiden Forschenden der in diesem Beitrag diskutierten Studie betonen, dass speziell die “tieferen” Beweggründe für Polyamorie, sprich die psychischen Prozesse, von großer Bedeutung sind. Dieser Bereich wurde bislang in anderen Forschungsarbeiten vernachlässigt, hat aber großen Wert für die therapeutische Praxis in der Arbeit mit Menschen in einer polyamoren Beziehungskonstellation.

Aber auch für Personen, die mit dem Gedanken spielen, eine polyamore Beziehung einzugehen, kann es von großem Interesse sein, neben dem Nutzen von Polyamorie auch mögliche psychische Gründe zu kennen, die Menschen, die sich für diese Beziehungsform entscheiden, unbewusst beeinflussen. Einerseits, um sein Gegenüber besser nachvollziehen zu können und andererseits, um sein eigenes Handeln besser verstehen zu können.

Die beiden Forscher:innen stellen abschließend die Hypothese auf, dass es noch weitere Beweggründe für Polyamorie geben könnte, die sie nicht in ihrer Studie behandelt haben. Daher ist weitere Forschung erforderlich, um die bisher gewonnenen Erkenntnisse zu ergänzen.

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