Was Bedeutet Abrosexuell?

Wenn sich die sexuelle Identität im stetigen Wandel befindet

Abrosexuell
In diesem Artikel

Im Rahmen einer Umfrage zum Thema „Gesundheit und Sexualität in Deutschland“ gaben über 95 % der insgesamt 4.955 befragten Männer und Frauen an, heterosexuell zu sein (96,9 % Männer, 96,2 % Frauen). Dann kam lange gar nichts und schließlich noch 1,8 homosexuelle Männer und 0,9 % homosexuelle Frauen sowie 0,9 % bisexuelle Männer und 1,8 % bisexuelle Frauen.

Wer aufmerksam mitgerechnet hat, hat erkannt, dass noch 0,4 % bei den Herren und 1,1 % bei den Damen der Schöpfung fehlen. Diese Anteile fielen auf die sogenannten „anderen“ sexuellen Identitäten aus. Eine hiervon ist „Abrosexualität“. Was es bedeutet, wenn jemand abrosexuell ist, klären wir in diesem Artikel.

Was genau bedeutet abrosexuell und woher stammt das Wort?

Die griechische Vorsilbe „abro“ bedeutet heutzutage zunächst „zart“ oder „anmutig“. Sie stammt von dem altgriechischen Wort „habrós“ oder auch „avrós“. Dieses Wort bedeutet wiederum so viel wie „in Bewegung“ oder „im Fluss“. Abrosexuell heißt somit, dass sich die sexuelle Orientierung eines Menschen in einem stetigen Wandel befindet.

Eine abrosexuelle Person ist also beispielsweise über ein Jahr hinweg heterosexuell, steht dann jedoch auf Menschen des gleichen Geschlechts und fühlt sich im Verlaufe der Zeit vielleicht sogar zu allen Geschlechtern hingezogen, ist also pansexuell. Dies ist nur ein Beispiel.

Die Zeiträume, in welchen die Sexualität wechselt, sowie die sexuellen Orientierungen selbst sind von Mensch zu Mensch höchst unterschiedlich:

  • Leila (23 Jahre) ist Studentin und stand bislang stets auf Männer. Sie liebte es, sich in ihre starken Arme zu kuscheln und mit ihnen ihre sexuellen Fantasien auszuleben. 2020 merkte sie jedoch, dass sie gar nicht so heterosexuell ist, wie sie immer dachte. In diesem Jahr lernte sie nämlich Elena kennen. Mit ihr begann sie eine leidenschaftliche Bettgeschichte, inklusive Cunnilingus, Squirting und einer Menge Sextoys. Nach einigen verführerischen Monaten verlor Leila jedoch die Lust auf Sex und blieb für ein ganzes Jahr lang abstinent, fühlte sich also weitgehend asexuell. Danach traf sie auf Simon, der ihre Leidenschaft wieder entfachte. Mit ihm lernte sie erotischen Analsex kennen und entdeckte zudem ihre Vorliebe für Tantra.
  • Jonas (44 Jahre) arbeitet als Lehrer. Er wechselt seine sexuelle Orientierung im Eiltempo. Während er in einer Woche Analsex mit seinem Freund Tim hat, liegt er in der nächsten Woche mit seiner Nachbarin Emily im Bett und genießt es, sie sowohl klitoral als auch vaginal zum Höhepunkt zu bringen. Neuerdings hat Jonas entdeckt, dass er sich außerdem Sex mit Transgender-Menschen vorstellen kann, und zwar vor allem mit solchen Personen, die sich als transmaskulin identifizieren. Nachdem er dies über zwei Jahre hinweg ausprobiert hat, kehrt Jonas dann wieder zu seiner Homosexualität zurück.

Wenn man den Begriff „abrosexuell“ zudem in einem weiten Sinne versteht, dann umfasst er auch Menschen, die zwar grundsätzlich für sich festgelegt haben, mit welchen Geschlechtern sie sexuelle und/oder romantische Bindungen eingehen. Allerdings schwankt die Intensität der sexuellen Anziehung zu den jeweiligen Geschlechtern im Verlaufe der Zeit. So kann es zum Beispiel sein, dass ein abrosexueller Mensch sich zunächst sehr stark zu Frauen hingezogen fühlt, diese Anziehungskraft jedoch mit der Zeit stark nachlässt und nach Jahrzehnten doch wieder aufkeimt.

Ist abrosexuell mit polysexuell und genderfluid zu vergleichen?

  • Polysexuell: Polysexualität bedeutet, dass ein Mensch sich zu zahlreichen Geschlechtern hingezogen fühlt. Eine polysexuelle Person steht also etwa auf Männer, Frauen, Demigirls und Demiboys. Die Begriffe sind also ähnlich, jedoch bezieht sich Polysexualität eher auf das WEN eine Person sexuell anziehend findet, während sich Abrosexualität auf das WIE ein Mensch sich selbst identifiziert fokussiert. Zudem beinhaltet Abrosexualität ein Element des Wandels, welches bei polysexuellen Menschen nicht vorhanden sein muss. Polysexuelle können also auch zeitunabhängig verschiedene Geschlechter anziehend finden.
  • Genderfluid: Genderfluid und abrosexuell sind nicht identisch, können jedoch gemeinsam auftreten. Genderfluid bedeutet, dass eine Person zwischen verschiedenen Geschlechtsidentitäten schwankt. Mit der sexuellen Orientierung hat dies zunächst nichts zu tun. Wenn eine genderfluide Person jedoch auch eine sich stetig im Wandel befindliche Sexualität verspürt, dann ist sie ebenfalls abrosexuell.

Fazit – Bäumchen wechsel dich!

Wer sagt, dass die Sexualität eines Menschen von seiner Geburt bis zum Tod immer gleich sein muss? Es gibt so viel zu entdecken, so viele spannende Stellungen, so viele erogene Zonen, so viele unterschiedliche Varianten. Und auch verschiedene Geschlechter können das Sexleben eines Menschen deutlich aufregender gestalten, denn das Liebesspiel mit einem Mann weist ganz andere Facetten auf als das mit einer Frau oder Transgender-Menschen. Horche also in Dich hinein, ob Du nicht auch ein wenig abrosexuell bist, und genieße Deine sexuelle Flexibilität in vollen Zügen.

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