Allosexualität: Was bedeutet es, allosexuell zu sein?

Spürst Du ein sexuelles Verlangen oder interessiert Dich Sex nicht die Bohne?

Allosexuell
In diesem Artikel

Kommt Dir Folgendes bekannt vor: Du schlenderst nichtsahnend über die Straße und auf einmal siehst Du einen Mann/eine Frau, der/die Dir die Sprache verschlägt. Sogleich fängt Dein Puls an zu rasen, Deine Intimzone macht sich bemerkbar und Du hast nur noch einen Gedanken: Sex mit einem Knaller-Orgasmus!

Wenn Dir dies oder Ähnliches schon mal passiert ist und Du auch sonst des Öfteren sexuelles Verlangen verspürst, dann darfst Du Dich als „allosexuell“ bezeichnen. Dieses Wort beschreibt nämlich Menschen, die sich sexuell zu anderen Menschen hingezogen fühlen. Die sexuelle Orientierung, also wen eine Person begehrt, ist hierbei nebensächlich.

Ist es denn nicht normal, Lust auf andere Menschen zu haben? Warum braucht es überhaupt diesen Begriff? Genau diese Fragen beantworten wir in diesem Artikel.

Was genau hat allosexuell mit asexuell zu tun?

Wie, Du hast nie Lust auf Sex? Das kann doch gar nicht sein! Oh doch! Asexuelle Menschen, also Menschen, die kein Verlangen nach Sex verspüren, sind zwar in der Minderheit (Untersuchungen sprechen von Werten um 1 %), allerdings kommt diese sexuelle Orientierung immer stärker auf.

In einer Studie aus dem Jahre 2013 fanden Wissenschaftler zudem heraus, dass asexuelle Menschen häufig an psychischen Problemen leiden. Diese entstehen wiederum oftmals durch sozialen Druck und eine übersexualisierte Gesellschaft, die sexuelles Verlangen geradezu erwartet und Lustlosigkeit als unnormal einstuft.

Um den Druck zu verringern und darauf hinzuweisen, dass Asexualität nicht unnormal oder gar eine Krankheit ist, sondern einfach eine Facette sexueller Orientierungen, wurde der Gegenbegriff „allosexuell“ eingeführt. Er soll verhindern, dass von unnormal und normal gesprochen wird.

„Was passiert ist, ist, dass asexuelle Menschen ein Wort brauchten, um Menschen zu beschreiben, die eben nicht asexuell sind“, erklärt Jenna Clarek auf ihrem YouTube-Kanal. Dies bedeutet, dass allosexuell das genaue Gegenteil von asexuell ist. Das Wort beschreibt also Menschen, die eine sexuelle Anziehung zu einem anderen Menschen empfinden können.

„Die Chancen stehen gut, dass Du allosexuell bist, wenn Du Dich nicht als asexuell identifizierst“, lacht Jenna. „Keine der beiden Orientierungen ist besser oder schlechter. Ich als Asexuelle habe viele allosexuelle Freunde. Sie sind wirklich toll und ich mag es, mich mit ihnen zu unterhalten, auch wenn sie mit mir über Sex sprechen.“

Welche sexuelle Orientierung kann eine allosexuelle Person haben?

Abgesehen von „asexuell“ kann eine allosexuelle Person jegliche Orientierung auf dem Sexualitätsspektrum aufweisen. Beispiele sind etwa:

Ich spüre keine echte sexuelle Anziehung zu jemandem, habe aber trotzdem manchmal Sex. Bin ich asexuell oder allosexuell?

Im Internet finden sich viele Tests zum Thema „Bin ich asexuell?“. Einer der bekanntesten stammt von dem Psychologen Guido F. Gebauer. Hier tauchen Aussagen auf wie „Ich empfinde sexuelle Anziehung gegenüber anderen Leuten“, die man auf einer Skala von „trifft vollständig zu“ bis „trifft gar nicht zu“ bewerten muss.

Frauke jedenfalls antwortete auf oben genannte Aussage blitzschnell: „Vollständig falsch“. Die 24-Jährige hat nämlich bereits herausgefunden, dass sie asexuell ist. Sexuelle Kontakte zu einem Partner, der ihr wichtig ist, würde sie jedoch nicht komplett ausschließen. Asexuell bedeutet also nicht per se, dass ein Mensch komplett auf Sex verzichtet. In einer funktionierenden Partnerschaft kann es durchaus zu einem erotischen Vorspiel, Oralverkehr und sogar zu Orgasmen kommen, wenn der Partner/die Partnerin nicht ebenfalls asexuell ist. Es kommt also eher auf das Gefühl, dass keinerlei sexuelle Lust besteht, an.

Darüber hinaus gibt es auch Grauzonen:

  • Gray-Asexuell: Eine Person liegt irgendwo zwischen asexuell und allosexuell
  • Demisexuell: Eine Person verspürt nur dann sexuelles Verlangen, wenn sie ihr Gegenüber sehr gut kennt und ihm vollkommen vertraut
  • Fraysexuell: Eine Person spürt nur dann sexuelles verlangen, wenn sie einen anderen Menschen nicht gut kennt und noch keine intime Beziehung zu ihm aufgebaut hat
  • Abrosexuell: Eine Person schwankt zwischen verschiedenen sexuellen Orientierungen. Mal ist sie beispielsweise heterosexuell, dann homosexuell und nach einer gewissen Zeit asexuell

Fazit – Allosexuell ist das Gegenteil von asexuell

Ahaaa! Wieder etwas gelernt. Hinter vermeintlich komplizierten Bezeichnungen für sexuelle Orientierungen steckt also oftmals eine einfache Erklärung. Trotzdem sind derartige Begriffe sinnvoll, denn so fühlen sich Menschen aller Couleur repräsentiert und eingeschlossen.

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