Wie stehen die Deutschen zur Intimbehaarung? Große Umfrage 2022 verrät Details

1296 Personen gaben uns Antworten zu ihrer Intimbehaarung, ihren Präferenzen und ob sie jemanden daten würden, wenn die Intimbehaarung nicht ihren Vorstellungen entspricht.

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Auf einen Blick

  • Die meisten Menschen wünschen sich Partner:innen mit einem glattrasierten Intimbereich
  • Menschen mit Vagina entfernen ihr Intimhaar deutlich häufiger als Menschen mit Penis und geben dafür mehr Geld aus
  • Das Verletzungsrisiko im Kontext der Entfernung von Intimhaaren ist bei Menschen mit Vagina höher als bei Menschen mit Penis

Schäm dich nicht

Schamhaare, Schamlippen, Schamhügel – hauptsächlich im Genitalbereich von Menschen mit einer Vagina kommt das Wort „Scham“ immer wieder vor. Schon vor einigen Jahren wurde deshalb eine Petition angestrengt, die sich dafür einsetzt, das Wort „Schamlippen“ im Duden durch das Wort „Vulvalippen“ zu ersetzen.

Wir halten es nicht für unwahrscheinlich, dass unser Bild von „den Haaren da unten“ durch die Bezeichnung „Schamhaare“ negativ beeinflusst wird. Deshalb verwenden wir in diesem Artikel das Wort „Intimhaare“.

Wie sieht’s aus in deutschen Unterhosen?

Wir haben unsere Nutzer:innen auf Fraulila.de im Zeitraum von August bis Oktober 2022 nach ihrer Intimbehaarung gefragt. Unter den 1.296 Teilnehmenden hatten 477 Personen einen Penis und 819 Personen eine Vagina.

Über die Hälfte der Personen mit Vagina gab an, glattrasiert zu sein, ebenso wie 37 Prozent der Menschen mit Penis. Um fast ebenso viele Penisse herum wurde getrimmt und auf einem knappen dritten Platz lag die natürliche Intimbehaarung.

Bei den Menschen mit Vagina gaben nur 15 Prozent an, dass sie ihre Intimhaare nicht entfernen oder trimmen.

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Was wünschen wir uns von unseren Partner:innen?

Diese Intimfrisuren entsprechen in etwa dem, was sich die Teilnehmenden unserer Umfrage von ihren Partner:innen wünschen. Auffällig ist, dass mehr Personen mit Penis eine natürliche Intimfrisur tragen, als es Menschen mit Vagina lieb wäre.

Menschen mit Vagina entscheiden sich dagegen seltener für den natürlichen Look, als es den Personen mit Penis recht wäre. Wir haben bei unserer Umfrage jedoch nicht die sexuelle Präferenz abgefragt.

Dementsprechend können wir nicht sicher sagen, wie viel dieses Ergebnis über das Auseinanderfallen von Wunsch und Wirklichkeit bei heterosexuellen Paaren aussagt.

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Die meisten Menschen mit Vagina entfernen ihre Intimhaare mehrmals pro Woche

Während sich die Geschlechter grob darüber einig sind, welche Intimfrisuren sie bevorzugen, sehen wir einen deutlichen Unterschied bei der Häufigkeit, mit der sie den Haaren an den Kragen gehen.

Die meisten Menschen mit Vagina rasieren oder trimmen ihre Intimbehaarung mehrmals pro Woche oder wöchentlich, während die meisten Menschen mit Penis sich wöchentlich, monatlich oder noch seltener zurechtmachen.

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Haare sind Geld

Zeit ist bekanntlich Geld und anhand dieser Umfrage wird bereits deutlich, dass Menschen mit Vagina einen deutlich größeren Teil ihrer Freizeit aufbringen müssen, um die gewünschte Intimfrisur zu erhalten. Wichtig ist jedoch auch, wie viel Geld sie dafür ausgeben müssen.

Ein Intim-Waxing im Waxing-Studio kostet zwischen 20 und 60 € und sorgt zwei bis sechs Wochen für glatte Haut. Die Cosmopolitan hat in einer Umfrage herausgefunden, dass nur ein Prozent der Menschen mit Penis, aber zwölf Prozent der Menschen mit Vagina (in den USA) ihre Intimhaare auf diese Weise entfernen.

Die meisten Menschen mit Penis in dieser Umfrage gaben an, einen elektrischen Rasierer oder Trimmer zu verwenden. Diese kosten etwa 70 € und halten bei guter Pflege mindestens fünf Jahre. Zudem können sie nach einer kurzen Reinigung für andere Körperbereiche verwendet werden.

Die meisten Menschen mit Vagina hingegen verwenden nicht elektrische Rasierer. Vor allem Einwegrasierer sind deutlich günstiger als Waxing, das Ergebnis hält allerdings auch nicht besonders lange an.

Anhand dieser Erkenntnisse können wir davon ausgehen, dass die Investitionen in glatte Haut über einen Zeitraum von zehn Jahren in etwa so aussehen:

Menschen mit Penis
Menschen mit Vagina
Elektrischer Rasierer oder Trimmer (zwei in 10 Jahren)
Waxing (40 € einmal im Monat)
Einwegrasierer (2 € für 8 Stück, einmal pro Woche)
Rasierer (10 €) mit Ersatzklingen (25 € für 8 Stück, halten jeweils drei Wochen, einmal pro Woche)
140 €
4.800 €
130 € + Kosten für Rasiergel
540 € + Kosten für Rasiergel

Mit einem Einwegrasierer kommen Menschen mit Vagina dementsprechend noch relativ günstig weg, noch nicht eingerechnet sind allerdings die Kosten für Rasiergel, die die Kosten für das Aufladen eines elektrischen Rasierers oder Trimmers bei Weitem übersteigen dürften.

Einwegrasierer sorgen allerdings häufig für Hautreizungen, weshalb sie für viele keine Option sind.

Sind Intimhaare unhygienisch?

Für die Intimrasur gibt es eine Vielzahl von Gründen. Manche Menschen glauben, dass der Sex dadurch besser wird. Dafür gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Beweise.

Mehr als ein Drittel der Befragten dagegen entfernen ihre Intimhaare, weil sie diese für unhygienisch halten.

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Das stimmt allerdings nicht. Nicht nur sind Intimhaare nicht unhygienisch, sie haben sogar einen Nutzen. Sie machen zum einen den Sex angenehmer, weil sie für weniger Reibung sorgen. Wenn Haut auf Haut reibt, kann das nämlich ziemlich wehtun.

Noch wichtiger ist aber, dass sie Bakterien von den Genitalien fernhalten. Sie funktionieren ähnlich wie Wimpern und Nasenhaare, in denen ebenfalls einiges an Dreck und Mikroorganismen hängenbleibt.

Unhygienisch wird es nur, wenn du dich nicht wäscht – wovon wir nicht ausgehen. Für die Reinigung deiner Intimbehaarung reicht warmes Wasser. Wenn du über eine Vulva verfügst, solltest du für den Genitalbereich keine Seife verwenden.

Eine kleine Einschränkung gibt es allerdings: Eine Studie legt nahe, dass die Entfernung von Intimhaaren dazu beigetragen haben könnte, dass heute kaum noch jemand Filzläuse hat.

Konsequenzen der Haarfreiheit

Angesichts der wenigen stichhaltigen medizinischen Gründe für die Entfernung von Intimhaaren bleiben nur die eigene und die Vorliebe des/der Partner:in als valide Beweggründe.

Doch welche Konsequenzen haben die Entfernung von Intimhaaren und die damit einhergehenden Unterschiede in Bezug auf die Kosten?

Intimhaarentfernung führt zu Verletzungen

Ein extremes Beispiel für die Risiken der Intimhaarentfernung ist eine junge Australierin mit Typ 1 Diabetes, bei der ein Brazilian Bikini Waxing zu einer lebensbedrohenden Sepsis führte. Sie musste deshalb zehn Tage lang in einem Krankenhaus behandelt werden.

Doch es geht auch harmloser. Umfragen zufolge haben sich ein Viertel aller Menschen mindestens einmal in ihrem Leben bei der Entfernung ihrer Intimhaare verletzt, unter Menschen mit einer Vagina sind es sogar 60 Prozent.

Das ist einerseits darauf zurückzuführen, dass Menschen mit Penis in der Regel weniger invasive Instrumente (Trimmer) verwenden und dass sie ihre Haare andererseits seltener entfernen. Mit der Anzahl der absoluten Behandlungen sinkt dementsprechend das Verletzungsrisiko.

Eine Studie in den USA untersuchte von 2002 bis 2010, wie viele Menschen mit Verletzungen in Notaufnahmen aufgenommen wurden, die durch Haarentfernungsprodukte verursacht wurden (das schließt Behandlungen in Studios aus).

Die Wissenschaftler:innen fanden heraus, dass sich 57 Prozent der Betroffenen als Frauen identifizierten und dass nicht elektrische Rasierer zu 83 Prozent der Verletzungen geführt hatten. Überwiegend handelte es sich dabei um Schnittwunden an den weiblichen Genitalien.

Die Verwendung von Rasierern kann aber auch zu Hautreizungen, allergischen Reaktionen und Entzündungen führen. 1,2 Prozent der Fälle waren Verbrennungen, die sich ausschließlich Menschen mit einer Vagina bei der Heimanwendung mit heißem Wachs zugefügt hatten.

Elektrische Trimmer, wie sie primär von Menschen mit Penis verwendet werden, waren dagegen nur für 0,7 Prozent der Verletzungen verantwortlich. Nur 2 Prozent der Verletzungen waren darauf zurückzuführen, dass die Haarentfernungsprodukte falsch verwendet wurden.

Bei der Betrachtung dieser Ergebnisse ist es wichtig zu bedenken, dass es sich hier nur um Fälle handelt, die in Notaufnahmen behandelt wurden. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein, weil viele Menschen sich bei einer Hautreizung oder einer Schnittwunde mutmaßlich eher selbst um die Behandlung kümmern oder sich an Hausärzt:innen oder Dermatolog:innen wenden.

Bei Menschen mit Vagina kommt es häufiger zu Verletzungen bei der Entfernung von Intimhaaren. Besonders sicher sind elektrische Trimmer, da sie die Haare über der Haut abschneiden und diese somit nicht irritieren können.

Sexuell übertragbare Krankheiten

Eine Studie aus dem Jahr 2017 hat die Intimhaarentfernung mit einer höheren Gefahr einer Infektion mit einer sexuell übertragbaren Krankheit in Verbindung gebracht. Diese Studie steht jedoch auf wackligen Beinen.

Die Entfernung von Intimhaaren wird nämlich außerdem mit einer erhöhten sexuellen Aktivität in Verbindung gebracht. Das bedeutet: Wer sexuell aktiv ist, entfernt sich eher die Intimhaare als jemand, der oder die nicht sexuell aktiv ist.

Dass dieselbe Gruppe eher von sexuell übertragbaren Krankheiten betroffen ist als Menschen, die weniger oder keinen Sex haben, ist eine logische Schlussfolgerung. Wie die Entfernung von Intimhaaren damit zusammenhängt, konnte die Studie nicht nachweisen.

Allerdings legt eine andere Studie nahe, dass beim Waxing die natürliche Schutzfunktion der Haut gestört wird. Diese stellt normalerweise eine Barriere gegen Viren und Bakterien dar. Die Forscher:innen gehen deshalb davon aus, dass sexuell übertragbare Krankheiten nach dem Waxing eine höhere Chance haben, tatsächlich übertragen zu werden.

Intimrasur als gesellschaftliche Norm

Über die Hälfte der Befragten mit Vagina und über ein Drittel der Befragten mit Penis gaben an, ihre Intimhaare zu entfernen, weil sie sich dann selbst attraktiver fühlen. Während jede Person ihre eigene Definition von Attraktivität hat, wird diese maßgeblich dadurch beeinflusst, was gesamtgesellschaftlich als attraktiv angesehen wird.

Intimhaare wurden bereits in der Antike entfernt, was wir allein schon daran erkennen können, dass sie in der Kunst kaum zu sehen waren, bis das 19. Jahrhundert um die Ecke kam. Heute wird unser Bild vom perfekten Intimbereich stark durch Pornos geprägt. Für diese werden die Darsteller:innen in der Regel glattrasiert, damit man wirklich alles sehen kann.

Mit dem 21. Jahrhundert hat der unverhüllte Genitalbereich aber auch in nicht pornografischen Filmen und anderen Medien Einzug gehalten. Wer weiß, dass er oder sie im Playboy oder in der Bravo abgelichtet wird oder den eigenen Genitalbereich in einer anderen Weise der Öffentlichkeit präsentiert, wird diesen in aller Regel von jeglicher Behaarung entfernen.

Dadurch entsteht vorrangig bei jungen Menschen der Eindruck, dass ein haarloser Genitalbereich nicht nur erstrebenswert, sondern schlichtweg normal ist. Das schürt bei ihnen sowohl Erwartungen an ihre Sexualpartner:innen, als auch an sie selbst.

Diese Erwartungen sind auch in unserer Umfrage zum Vorschein gekommen. Über ein Viertel der Befragten gab an, dass die Intimbehaarung einer Person ein Kriterium dafür ist, ob sie diese Person daten würden.

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Verstärkung von diskriminierenden Strukturen

Wie oben dargestellt geben Menschen mit Vagina ungleich mehr Geld für die Entfernung von Intimhaaren aus, wovon sie dank Gender Pay Gap ohnehin durchschnittlich weniger haben als Menschen mit einem Penis.

Ferner verbringen sie mehr Zeit mit Rasuren und Besuchen in Waxing-Studios, statt diese Zeit in ihre persönliche oder berufliche Entwicklung zu investieren.

Mit einem Epilierer könnten Menschen mit Vagina ihre Intimhaare zwar für ähnlich niedrige Kosten entfernen wie Menschen mit Penis. Diese Geräte sind für den Intimbereich der meisten Menschen allerdings kaum geeignet, da das Ausreißen jedes einzelnen Haares über einen Zeitraum von mehreren Minuten für viele zu schmerzhaft ist.

Die Verwendung von Wachs ist die vergleichsweise sicherste Methode für einen glatten Intimbereich, gleichzeitig aber auch die teuerste.

Zusammenfassend bedeutet das: Menschen mit Vagina müssen entweder höhere Kosten oder ein höheres Verletzungsrisiko in Kauf nehmen, wenn sie der gesellschaftlichen Erwartung einer haarfreien Vulva entsprechen möchten.

Weichen sie von dieser Norm ab, müssen sie in einem von vier Fällen mit der Ablehnung durch (potenzielle) Partner:innen rechnen.

Fazit: Mehr Mut zum Haar

Die Entscheidung für eine Entfernung der Intimhaare kann viele Gründe haben, wovon manche sicherlich valide sind. Weniger Haare verschaffen etwa freie Sicht beim Oralsex, bei dem sich viele verständlicherweise nicht über Haare im Mund freuen.

Dass sich allerdings nach wie vor so viele Menschen eine:n glattrasierte:n Partner:in wünschen, finden wir problematisch, weil dieser Anspruch für Menschen mit Vagina mit höheren Kosten und gesundheitlichen Risiken einhergeht.

Wir alle sind dazu angehalten, uns immer wieder zu vergegenwärtigen, dass ein erwachsener Mensch mit einem kindlich glatten Genitalbereich nicht normal ist und dass diese Erwartung mit zur Benachteiligung von Menschen mit einer Vagina beiträgt.

Wir möchten deshalb mehr Menschen ermutigen, ihre Intimhaare zu trimmen, statt sie ganz zu entfernen. Dabei werden die Haare dicht über der Haut abgeschnitten, sodass beim Oralsex keine langen Haare zwischen den Zähnen stecken bleiben. Gleichzeitig wird die Haut geschont, es geht schnell und ist relativ günstig.

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