Was bedeutet es, transfeminin zu sein?

Auch Männer haben eine feminine Seite

Transfeminin
In diesem Artikel

„Ich war immer schon ein Mädchen!“, sagt die 8-jährige Sophia selbstbewusst. Bereits als sie vier Jahre alt war, ließ sie sich daher die Haare wachsen und zog nur noch Mädchenklamotten an, obwohl sie eigentlich als Philipp geboren wurde. Ähnliches machte die 15-jährige Klara durch, die seit ihrem 13. Lebensjahr als Mädchen lebt. „Ich habe Mädchenklamotten anprobiert. Ich habe gemerkt, dass ich es schön finde, lange Haare zu haben. Ich sehe mich halt im Spiegel und sehe, dass es richtig ist“, so die Transgender-Jugendliche, die wie Sophia im Rahmen der WDR Doku „Transgender Kinder“ ganz offen über ihre Situation spricht.

So wie Sophia und Klara geht es vielen transfemininen Menschen. Was genau hinter diesem Begriff steckt, möchten wir Dir in diesem Artikel erklären.

Was heißt es, wenn jemand transfeminin ist?

Eine transfeminine Person wurde bei der Geburt als Junge ausgewiesen (AMAB = Assigned Male at Birth), fühlt sich jedoch irgendwo auf der femininen Geschlechtsskala. Der Begriff „transfeminin“ geht über die Bezeichnung „Transfrau“ hinaus. Er beschreibt also nicht nur Männer, die sich komplett in eine Frau verwandelt haben und/oder sich hundertprozentig feminin fühlen, sondern auch Personen, die sich nur teilweise als weiblich einordnen wie etwa Demigirls oder Bigender. Außerdem können auch intersexuelle Personen, also Menschen, die weibliche und männliche Geschlechtsmerkmale aufweisen, transfeminin sein, wenn sie zunächst als Junge sozialisiert wurden.

Kann eine transfeminine Person noch männliche Geschlechtsmerkmale haben?

Ja. Anders als landläufig vermutet wird, unterziehen sich nicht alle Transgender automatisch einer Hormontherapie oder geschlechtsangleichenden Operation, denn dies ist vielfach sehr riskant und zudem mit hohen Kosten verbunden. Vielen transmaskulinen und transfemininen Menschen genügt es zudem, innerlich verstanden zu haben, dass sie dem anderen Geschlecht angehören oder irgendwie zwischengeschlechtlich sind. Hinzukommt bei Transfrauen unter Umständen noch weibliche Kleidung, Make-up, Stimmtraining oder eine neue, femininere Frisur.

Dies ist zum Beispiel bei Elke Spörkel der Fall. Sie arbeitete jahrzehntelang als Pfarrer Hans-Gerd Spörkel in der Gemeinde Haldern, entschloss sich dann jedoch, ihre Weiblichkeit nach außen zu tragen. Hierzu nahm sie zwar Hormone, ließ sich jedoch nicht umoperieren. Die spannende Geschichte von Elke Spörkel, die von ihrer Gemeinde zunächst als Pfarrerin akzeptiert, dann jedoch herausgemobbt wurde, kannst Du Dir hier anschauen. So bekommst Du ein Gefühl dafür, wie transfeminine Menschen leben und auf welche Probleme sie stoßen.

Ebenfalls ein Mann im biologischen Sinne ist Transgender-Frau Gigi Gorgeous. „Ich fühle mich genauso – wenn nicht noch mehr – wie eine biologische Frau. So habe ich mich schon gefühlt, bevor ich mich als transgender geoutet habe. Es ist einfach so unfair und an manchen Tagen bin ich so frustriert und sauer, dass ich nicht schwanger werden kann“, so die Blondine, die sich dazu entschloss, ihr Sperma einzufrieren, bevor sie sich komplett in eine Frau verwandelt.

Welche sexuelle Orientierung haben transfeminine Menschen?

Bitte beachte, dass die Geschlechtsidentität nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun hat. Eine transfeminine Person kann also beispielsweise auf Folgendes stehen:

  • Rosalie ist eine Transfrau und fühlt sich 100 % feminin. Sie ist außerdem homosexuell, was bedeutet, dass sie gerne mit Frauen Sex hat. Sie liebt es also, ihre Partnerin mit einer erotischen Massage in Wallung zu bringen, sie mit Vibratoren zu stimulieren und sie oral zu verwöhnen.
  • Simona wurde ebenfalls als Junge geboren, hat sich jedoch in eine Frau verwandelt. Sie ist heterosexuell, kann sich also sexuelle und/oder emotionale Beziehungen mit Männern vorstellen. Seit kurzem hat sie einen Freund, Tim. Mit ihm hat sie vor allem Analsex, da sie noch keine geschlechtsangleichende OP durchführen lassen hat. Simona und Tim mögen aber auch ein ausgiebiges Vorspiel mit leidenschaftlichen Küssen und heißen Streicheleinheiten.
  • Larissa identifiziert sich als Demigirl und pansexuell. Dies bedeutet, dass sie/er sich zu Menschen jeglichen Geschlechts hingezogen fühlt. Larissa findet also sowohl Cismänner und Cisfrauen als auch Transmänner, Transfrauen, Bigender und alle anderen Geschlechter attraktiv und kann sich Sex und/oder eine Beziehung mit ihnen vorstellen.

Sind transfeminine Menschen mit Transvestiten zu vergleichen?

Transvestiten sind Menschen, die zeitweise in die Rolle des anderen Geschlechts schlüpfen. Männliche Transvestiten – auch Crossdresser oder Dragqueens genannt – schminken sich hierzu im Normalfall sehr stark, tragen Perücken und auffällige Kleider sowie High Heels. Insbesondere Dragqueens überzeichnen das Bild einer „normalen“ Frau häufig, machen sich über Geschlechterrollen lustig und inszenieren sich als eine Art One-Woman-Show.

Eine der bekanntesten Dragqueens weltweit, RuPaul, verärgerte 2018 die Trans* Community, indem er/sie twitterte, dass Transgender-Menschen nicht an seiner Show „RuPaul’s Drag Race“ teilnehmen sollten. In dieser Sendung treten Dragqueens im Rahmen verschiedener Competitions gegeneinander an. Auf die Frage des Magazins „Vulture“ hin, warum er/sie Transgender ausschließen wolle, antwortete RuPaul: „Wir (Transvestiten) verballhornen Geschlechtsidentitäten. Sie (Transgender) nehmen Geschlechterrollen sehr ernst. Es handelt sich also um komplette Gegensätze. Für einen Laien mag es zwar dasselbe sein, aber das ist es nicht.“

Tatsächlich geht es bei Crossdressern eher um das Verkleiden und Aufbrechen der Geschlechterrollen an sich. Transfeminine Menschen kleiden sich zwar oftmals auch weiblich, jedoch tun sie dies nicht in überzeichneter Form. Außerdem identifizieren sich Transgender wirklich mit dem anderen Geschlecht und fühlen sich zumindest partiell im falschen Körper. Dies ist bei Crossdressern häufig nicht der Fall. Sie identifizieren sich mit ihrem Geburtsgeschlecht, möchten jedoch manchmal aus dieser Rolle ausbrechen.

Andererseits bezieht sich „transfeminin“ nicht nur auf Menschen, die sich gänzlich als Frau begreifen. Es geht – wie bereits erwähnt – vielmehr auch um Personen, die sich auf irgendeine Art und Weise dem femininen Spektrum zuordnen. In diesem Sinne schließen sich die Begriffe nicht vollends aus, denn ein männlicher Crossdresser hat sicherlich auch eine weibliche Ader und transfeminine Personen ziehen sich tatsächlich häufig wie Frauen an. So kann es sein, dass ein Transvestit gleichzeitig transfeminin und umgekehrt ist. Jedoch beschreiben diese Begriffe – wie RuPaul schon erklärte – eher unterschiedliche Konzepte, sodass Du eine transfeminine Person niemals gleichzeitig als Transvestiten oder Crossdresser bezeichnen solltest, ohne ihre Geschichte zu kennen.

Fazit – Erkenne die Göttin in Dir

„Was wir täglich in der Gesellschaft durchmachen; in Bezug auf Stärke, Resilienz, Hartnäckigkeit und Kreativität – dann denke ich an „Göttin“, wenn ich an eine Transgender-Frau denke“, sagt Munroe Bergdorf, die sich als eben solche Frau/Göttin versteht. Es ist also sicherlich nicht einfach, sich von einem Mann in eine Frau zu verwandeln. Falls Du jedoch trotzdem über diese Transformation nachdenkst, weil es Deinem wahren Ich entspricht, dann wirst Du vielleicht mit dem Gefühl belohnt, eine Göttin zu sein.

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