Warum schmerzt meine Klitoris?

10 mögliche Ursachen für Schmerzen an der Klitoris

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Auf einen Blick

  • Die Ursache für eine schmerzende Klitoris liegt vermutlich in einer Entzündung, Verletzung oder einer Erkrankung.
  • Viele Ursachen können problemlos behandelt werden.
  • Solltest du jedoch zusätzlich hohes Fieber, Blutungen außerhalb der Periode, eine erhöhte Herzfrequenz und lähmende Schmerzen im Bauch, Beckenbereich oder unteren Rücken haben, solltest du sofort eine Notaufnahme aufsuchen.

Doch fangen wir von vorn an: Was ist überhaupt eine Klitoris? Eine ausführliche Antwort findest du in diesem Artikel. Knapp zusammengefasst ist die Klitoris das Lustzentrum aller Menschen mit einer Vulva. Sie besteht aus mehreren Teilen, von denen lediglich die Klitoriseichel von außen sichtbar ist. Diese befindet sich am oberen Ende der Vulva, direkt oberhalb der Harnröhrenöffnung.

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Wenn wir in diesem Artikel von der Klitoris sprechen, meinen wir stets die Klitoriseichel. Die hier aufgeführten Ursachen sind die wahrscheinlichsten für Schmerzen an der Klitoris und wir möchten dir den bestmöglichen Überblick über ihre Symptome und Behandlungsmöglichkeiten geben.

Du solltest dich jedoch direkt an eine:n Hausärzt:in oder Gynäkolog:in wenden, wenn die Schmerzen anhalten oder stärker werden.

1.

Reizung durch Pflegeprodukte

Ein Grund für Schmerzen an der Klitoris können Pflegeprodukte sein, die du für die Intimpflege verwendest – selbst, wenn diese speziell für die Intimpflege entwickelt wurden. Auch Gleitmittel, Sprays, Latexkondome und Weichspüler können deine Klitoris irritieren.

Es kann sogar zu einer Kontaktdermatitis – einer allergischen Reaktion – kommen. Falls die Schmerzen begonnen haben, nachdem du ein neues Produkt oder eine andere Methode zur Intimhaarentfernung verwendet hast, solltest du vorerst darauf verzichten.

Für die Intimpflege reicht es vollkommen aus, wenn du dich mit sauberen Händen und warmem Wasser wäschst. Duftende Pflegeprodukte richten in der Regel mehr Schaden als Nutzen an.

2.

Anatomie

Mit über 8.000 Nervenenden verfügt die Klitoriseichel über doppelt so viele als die deutlich größere Peniseichel. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass bestimmte Berührungen der Klitoriseichel schmerzhaft sein können.

Da jeder Mensch ein individuelles Schmerzempfinden hat, gibt es empfindliche und weniger empfindliche Klitorides. In Zusammenhang mit sexueller Erregung und speziell nach dem Orgasmus kann die Klitoris so empfindlich sein, dass direkte Berührungen als schmerzhaft empfunden werden.

Dieses Phänomen ist – wie so vieles im Zusammenhang mit weiblicher Sexualität – nicht besonders gründlich erforscht. Bei Menschen mit einem Penis ist hinlänglich bekannt, dass der Penis während der Refraktärzeit – also direkt nach dem Orgasmus – nicht erregbar, sondern vielmehr hypersensibel ist.

In Bezug auf Menschen mit einer Vulva nahm man lange an, dass sie dieses Phänomen nicht erleben. Eine Studie aus dem Jahr 2009 legt jedoch das Gegenteil nahe. Laut ihr erleben auch Menschen mit einer Vulva eine Hypersensibilität direkt nach dem Orgasmus. Die Klitoris kann auch dann empfindlich auf Berührungen reagieren, wenn die Person mit Vulva nicht sexuell erregt ist.

Treten die Schmerzen an deiner Klitoris zu Beginn oder nach der Stimulation auf, könntest du lediglich über eine empfindliche Klitoris verfügen. Verzichte in diesem Fall auf eine weitere Stimulation nach dem Orgasmus und setze auf eine indirekte statt direkte Stimulation. Ein Gleitgel minimiert die Reibung und damit die Schmerzen.

Indem du selbst Hand anlegst, kannst du herausfinden, welche Berührungen sich gut anfühlen. Beim Sex mit einer anderen Person kann euch dieses wertvolle Wissen dabei helfen, den Sex für euch beide angenehm zu gestalten.

3.

Scheidenpilz (Vaginalmykose)

Drei von vier Menschen mit einer Vulva haben wenigstens einmal in ihrem Leben einen Scheidenpilz (auch Vaginalmykose genannt). Er geht mit einem starken Juckreiz und brennenden Schmerzen einher, die typischerweise an der Vaginalöffnung, manchmal aber auch an anderen Teilen der Vulva auftreten.

Weitere Symptome sind:

  • Schmerzen beim Sex oder Wasserlassen
  • Rötung und Anschwellen der Vulva
  • Krümeliger, weißer, aber geruchloser Ausfluss

Der Scheidenpilz wird durch Hefepilze verursacht, die ein natürlicher Bestandteil einer gesunden Vaginalflora sind. Gerät die Vaginalflora jedoch aus dem Gleichgewicht, können sich die Hefepilze übermäßig vermehren und eine Entzündung verursachen.

Die Vaginalflora kann aus unterschiedlichen Gründen aus dem Gleichgewicht kommen. Risikofaktoren sind unter anderem Schwangerschaften, ein geschwächtes Immunsystem, Einnahme von Antibiotika und genetische Faktoren.

Besteht kein Zweifel, dass ein Scheidenpilz der Grund für deine Schmerzen ist, kannst du ihn mit einem rezeptfreien Antipilzmittel (Antimykotikum) aus der Apotheke behandeln.

Du solltest jedoch eine:n Ärzt:in aufsuchen, falls die Beschwerden nach der Behandlung noch bestehen oder falls du schwanger bist.

4.

Genitalherpes

Die Herpes-Simplex-Viren (HSV) kommen als große Gruppe unterschiedlicher Typen vor, die jeweils unterschiedliche Krankheiten auslösen. Am bekanntesten ist der Lippenherpes, der vom Herpes-Simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) ausgelöst wird. HSV-1 kann auch Genitalherpes verursachen, meist steckt aber der Herpes-Simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) hinter der Erkrankung.

Bei 90 Prozent der Betroffenen verläuft Genitalherpes ohne oder nur mit leichten Symptomen. Wenn es zu Symptomen kommt, umfassen diese mehrheitlich Herpesbläschen, die nach der Bildung aufplatzen und verkrusten.

Bei Menschen mit einer Vulva befinden sich die Bläschen überwiegend an den Vulvalippen, innerhalb der Vagina, hin zum After und den Oberschenkeln. Auch die Klitoris kann betroffen sein, was zu einem Brennen, Jucken und Schmerzen in der Region führen kann. Weitere Symptome sind:

  • Geschwollene Lymphknoten am Hals, in den Achselhöhlen und in der Leistenregion
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Fieber
  • Müdigkeit
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Starker Ausfluss

Genitalherpes ist nicht heilbar und kann sowohl bei ungeschütztem vaginalen, als auch oralen und analen Sex übertragen werden. Er ist eine der sexuell übertragbaren Erkrankungen, vor deren Übertragung auch ein Kondom nicht vollständig schützt.

Obwohl er nicht heilbar ist, können Medikamente ihn an der Verbreitung hindern und die Intensität und Häufigkeit von Herpesausbrüchen kontrollieren. Wende dich an deine:n Ärzt:in, falls du eines oder mehrere der oben beschriebenen Symptome bei dir bemerkst.

Wie bei allen sexuell übertragbaren Krankheiten solltest du auf Sex verzichten, solange die Ursache deiner Symptome nicht geklärt ist.

5.

Harnwegentzündung

Harnwegentzündungen werden durch Darmbakterien ausgelöst, die ihren Weg in die Harnröhre finden. Das passiert in der Regel aufgrund fehlerhafter Toilettenhygiene und nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Menschen mit einer Vulva sind besonders häufig von Harnwegentzündungen betroffen, weil sowohl die Distanz zwischen After und Harnröhre, als auch die Harnröhre selbst kürzer sind als bei Menschen mit einem Penis. Deshalb ist es so wichtig, beim Toilettengang von vorn nach hinten zu wischen.

Die Darmbakterien verursachen eine Entzündung der Harnröhre, Harnblase oder Harnleiter. Die Klitoris selbst ist von dieser Entzündung nicht betroffen. Da sie direkt an der Harnröhrenöffnung liegt, kann man die Schmerzen jedoch leicht falsch verorten.

Die Schmerzen treten bei einer Harnwegentzündung vordergründig beim Sex und Wasserlassen auf. Weitere Symptome sind:

  • Häufiger Harndrang
  • Blutiger, trüber oder unangenehm riechender Urin
  • Unterleibschmerzen
  • Fieber

Schmerzen beim Wasserlassen sind ein Anzeichen für verschiedene Krankheiten, die sich in der Harnröhre einnisten können. Dazu gehören unter anderem Gonorrhoe und die bakterielle Vaginose.

Deshalb solltest du dich schnellstmöglich bei deine:r Ärzt:in vorstellen. In der Praxis kann anhand einer Urinprobe die Ursache für deine Symptome gefunden werden. Akut kann eine Wärmflasche gegen die Schmerzen helfen.

6.

Klitorisadhäsion

Verschiedene – teilweise unbekannte – Faktoren können dazu führen, dass die Klitoriseichel mit der Klitorisvorhaut verklebt. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem Verletzungen, Hauterkrankungen und die Menopause.

Durch diese Verklebung können sich Öle, Schweiß, abgestorbene Hautzellen und Vaginalflüssigkeit an der Klitoris ansammeln und schließlich verhärten. Sowohl die Verklebung als auch die Verhärtung können Schmerzen an der Klitoris hervorrufen.

Wende dich an deine:n Ärzt:in, falls du eine solche Veränderung an deiner Klitoris bemerkst. In den meisten Fällen kann die Klitoris leicht befreit werden. Nur in seltenen Fällen ist ein kleiner chirurgischer Eingriff erforderlich.

7.

Lichen sclerosus

Lichen sclerosus ist die häufigste nicht infektiöse Hauterkrankung der Vulva, insgesamt ist sie aber nicht weitverbreitet. In seltenen Fällen kann die chronische Krankheit auch Menschen mit einem Penis und Kinder betreffen.

Charakteristisch für Lichen sclerosus sind weiße Hautflechten, die an der Vulva (einschließlich der Klitoris), am After, den Oberschenkelinnenseiten und dem Rücken entstehen können. Sie können einen Juckreiz oder einen brennenden Schmerz verursachen. Weitere Symptome für Lichen sclerosus sind:

  • Rötungen und Blutungen an der Vulva
  • Schmerzen beim Sex und Wasserlassen
  • Trockenheit im Bereich der Vulva

Warum eine Lichen sclerosus auftritt, ist nicht abschließend geklärt. Als Ursachen stehen Hormonschwankungen (etwa während der Menopause) und Autoimmunerkrankungen im Verdacht.

Da eine Lichen sclerosus unbehandelt zu Vernarbungen führen kann, solltest du dich bei einem entsprechenden Verdacht an deine:n Ärzt:in wenden. Die Behandlung erfolgt vorwiegend mithilfe einer Kortison-Creme.

8.

Verletzungen

Verletzungen an der Klitoris können ganz banal beim Sport oder durch starke Reibung geschehen. Auch bei der Intimhaarentfernung, chirurgischen Eingriffen, vaginalen Geburten oder bestimmten Sexualpraktiken kann es zu Verletzungen kommen.

Wie und ob die Verletzung behandelt werden muss, hängt natürlich davon ab, wie sie entstanden ist. Wende dich im Zweifel an deine:n Ärzt:in.

9.

Nervenschäden

Verschiedene Erkrankungen können Nervenschäden – unter anderem in der Klitoris – zur Folge haben. Beschädigte Nerven wiederum können ohne erkennbaren Auslöser zu Schmerzen führen.

Neben Diabetes können auch rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose Nervenschäden verursachen. Die Behandlung hängt davon ab, wie und warum es dazu gekommen ist.

10.

Vulvodynie

Man spricht von einer Vulvodynie, wenn die Vulva länger als drei Monate lang schmerzt und dieser Schmerz nicht durch eine Infektion oder diagnostizierbare Erkrankung ausgelöst wurde. Wenn die Schmerzen nur an der Klitoris auftreten, spricht man von einer Klitorodynie.

Diese chronische Erkrankung betrifft schätzungsweise fünf bis zehn Prozent aller Menschen mit einer Vulva. Die Schmerzen werden als brennend, pochend oder stechend beschreiben, teilweise als Reizung oder Rauheit. Sie können sich auf einen oder mehrere Bereiche der Vulva beziehen und sowohl bei Berührung, als auch willkürlich auftreten oder konstant anhalten.

Warum es zur Vulvodynie kommt, ist nicht bekannt. Deshalb gibt es auch keine einheitliche Therapie für diese Erkrankung. Dein:e Ärzt:in wird vermutlich mehrere Ansätze ausprobieren, falls du mit Vulvodynie diagnostiziert wirst.

Fazit: Wann du dich an eine:n Ärzt:in wenden solltest

Schmerzen sind immer ein Anzeichen dafür, dass etwas im Körper nicht stimmt. Darum solltest du dich bei anhaltenden oder wiederkehrenden Schmerzen stets an eine:n Ärzt:in wenden. Die meisten Ursachen für klitorale Schmerzen können bei einer frühen Erkennung leicht behandelt werden. Ignoriert man dagegen die Schmerzen, können sie unangenehme Folgen haben.

Bei Schmerzen im Intimbereich ist eine sexuell übertragbare Krankheit eine wahrscheinliche Ursache. Deshalb solltest du vorerst auf Sex – inklusive Oral- und Analsex – verzichten, solange du auf deine Diagnose wartest.

Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Die Texte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Die Texte ersetzen keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und dürfen nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt oder die Ärztin deines Vertrauens!

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