Kann Scheidenpilz durch Sex verursacht und übertragen werden?

Wir ergründen die Ursachen und zeigen dir präventive Maßnahmen

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Rund 75 von 100 Frauen im gebärfähigen Alter haben einmal im Leben einen Scheidenpilz. Der Ausfluss verändert sich, Scheide und Vulva jucken und die Symptome können ziemlich lästig sein.

Aber woher kommt diese nervige Erkrankung überhaupt und ist sie auch beim Sex übertragbar? Tatsache ist, dass ein Scheidenpilz nach vaginalem Sex auftreten kann, er wird jedoch nicht zu den STIs gezählt.

Warum kann Scheidenpilz durch Sex ausgelöst werden?

In einer Untersuchung mit kenianischen Frauen wurde festgestellt, dass ein nicht-optimales Mikrobiom der Vagina klar mit Sexarbeit oder kurz zuvor stattfindendem Sex assoziiert ist. Das lässt Vermutungen zu, dass vaginaler Geschlechtsverkehr die Verbreitung von Scheidenpilz begünstigen kann.

Der Candida-Pilz gehört zum Bakterien-Ökosystem der weiblichen Scheide und ist normalerweise kein Problem. Erst wenn das Wachstum dieses Pilzes nicht mehr kontrolliert wird, beispielsweise durch eine gestörte Scheidenflora, kann eine Pilzinfektion entstehen.

Beim Sex ist es möglich, dass Candida-Hefen vom Partner oder von der Partnerin übertragen werden. Auch ein von der Partnerin benutzter und nicht gereinigter Vibrator kann zu einem Risikofaktor werden und einen Scheidenpilz übertragen. Wenn der Mann als Sexpartner einen Pilz an seinem Penis hat und ihr verzichtet auf Kondome, ist die Übertragung ebenfalls sehr wahrscheinlich.

Achtung Scheidenpilz – angesteckt beim Sex?

Auch diese Studie belegt einmal mehr, dass eine gestörte Vaginalflora ursächlich für die Empfänglichkeit von Pilzen sein kann. Wenn du nach dem Sex Juckreiz und die typischen Pilzsymptome verspürst ist es möglich, dass eine Übertragung stattfand und sich deine natürliche Flora nicht mehr dagegen wehren kann.

Prinzipiell ist die Weitergabe von Candida bei jeder Art von Sex möglich, eine Studie zeigte jedoch, dass es vor allem penetrativer Sex mit Männern und weniger gleichgeschlechtlicher Sex ist, der den Hefepilz übertragen kann.

Auf diese Symptome solltest du nach dem Sex achten:

  • Juckreiz deiner Scheide und der Vulva
  • gerötete Schleimhaut mit weißlichen Auflagerungen
  • gelblicher Ausfluss aus der Vagina
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • bei Übertragung auf die Harnröhre schmerzen beim Wasserlassen

Wenn die Beschwerden nach dem Sex auftreten ist es möglich, dass du dich infiziert hast. Theoretisch ist es auch möglich, dass du zuvor schon unter einer symptomfreien Variante des Scheidenpilzes gelitten hast und nun deinerseits deinen Partner oder deine Partnerin angesteckt hast.

Kommt es nach dem Sex zu den typischen Symptomen, informiere all deine Geschlechtspartner*innen darüber, damit sie sich entsprechend verhalten können.

Scheidenpilz auch bei Oralsex ein Thema?

Die Wahrscheinlichkeit, dass du dich beim Oralsex mit einer vaginalen Pilzinfektion ansteckst, ist geringer als beim Sex. Dennoch gab es eine Studie die genau das belegte.

Auch beim Cunnilingus kann Candida übertragen werden, da der Hefepilz seine Heimat nicht nur im Intimbereich hat, sondern auch im Mund, auf der Zunge und am Zahnfleisch vorhanden ist. Beim Oralverkehr ist es nun möglich, dass diese Hefen übertragen werden. Auch umgekehrt kann durch einen Blowjob eine Besiedelung des Penis mit Pilzen entstehen.

Kondome und Lecktücher können wirksam vor einer juckenden Überraschung schützen und sind daher empfehlenswert, wenn Unsicherheiten bezüglich einer möglichen Pilzinfektion bestehen.

Andere Ursachen für Scheidenpilz sind äußerst vielfältig

127 Millionen Tagesdosen der gängigsten Antibiotika (Penicillin, Cephalosporine) wurden laut einer Statistik im Jahr 2020 verordnet. Die Einnahme von Antibiotika gilt als einer der wichtigsten Auslöser für die Entstehung von einer Überbesiedelung mit Candida.

Vor allem aus dem Darmbereich ist das bekannt, denn durch Antibiotika werden Bakterien abgetötet. Da das Mittel nicht zwischen „guten und schlechten“ Bakterien unterscheiden kann, werden sowohl die Darmflora als auch die Scheidenflora durcheinander gebracht. Wenn du nach dem Sex einen Scheidenpilz entwickelst und zuvor Antibiotika einnehmen musstest, vergiss das nicht zu erwähnen, falls du deine Gynäkologin aufsuchst.

Folgende weitere Gründe kommen für einen Scheidenpilz in Betracht:

  • Störungen im Hormonhaushalt (Schilddrüsenfehlfunktion, PCO-Syndrom)
  • ständiges Waschen im Intimbereich mit scharfen Reinigungsmitteln und Seifen
  • Grunderkrankungen wie Diabetes oder auch HIV
  • Neben Antibiotika die Einnahme von Zytostatika, hormonellen Verhütungsmitteln und Kortison
  • emotionaler Stress
  • Besuch öffentlicher Toiletten

Wenn es juckt und brennt – so wirst du den Scheidenpilz wieder los

Es juckt wie der Teufel und am liebsten würdest du den ganzen Tag mit der Hand im Slip verbringen oder deine Vagina auf einem Kühlpad platzieren? Bevor du mit antimykotischen Medikamenten hantierst, solltest du dir mit der Diagnose sicher sein.

Heute gibt es in vielen Drogeriemärkten und Apotheken Selbsttests, mit denen du dich auf das Vorhandensein einer vaginalen Pilzinfektion testen kannst. Auch dein*e Frauenarzt*Frauenärztin kann dich diesbezüglich untersuchen und dir dann eine entsprechende Creme verordnen. Möglich ist laut dieser Studie auch die Einmalgabe des Wirkstoffs Fluconazol, der bei einem schwierigen Verlauf hilfreich sein kann.

Es gibt in der Apotheke jedoch auch rezeptfreie Produkte mit den Wirkstoffen Butoconazol oder Miconazol. Lass dich unbedingt von der*dem Apotheker*in beraten, ein Grund für Scham ist das Vorhandensein eines Scheidenpilzes nicht. Ein altes Hausmittel zur Regulation der Scheidenflora soll außerdem das Einführen von einem mit probiotischem Joghurt getränkten Tampon sein. Frage bei solchen Behandlungen bitte immer erst deine Ärztin oder deinen Arzt, um die Symptome nicht weiter zu verschlimmern.

Lieber vorbeugen als kratzen – wie du künftige Scheidenpilze vermeidest

Wenn du schon einmal einen Scheidenpilz hattest weißt du, wie lästig diese Infektion sein kann. Damit es erst gar nicht wieder dazu kommt, kannst du eine Menge vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Ganz vorn steht die Verhütung mit Kondomen, denn sie schützt dich vor der Übertragung. Auch ist es wichtig, dass du deine Sexspielzeuge wie den Womanizer und vor allem auch Analtoys gründlich reinigst, denn auch hier können sich Pilze ansammeln.

Einen desinfizierenden Effekt haben Toycleaner, die dich bei der Reinigung unterstützen können.

Wenn es auch selten ist, theoretisch kann es passieren, dass Scheidenpilz beim Oralsex übertragen wird. Im Speichel kann Candida enthalten sein und dafür muss dein*e Partner*in nicht einmal direkt mit dem Mund „Down Under“ unterwegs sein. Auch die Verwendung von Speichel als Ersatz für Gleitgel ist ein Risikofaktor. Benutze also zur Befeuchtung der Vagina und Vulva lieber ein gut geeignetes Gleitgel.

Vorbeugende Maßnahmen, die dich vor Pilzen schützen können sind:

  • Greife auf atmungsaktive und hochwertige Unterwäsche ohne Synthetik zurück.
  • Wasche dich gründlich, wenn du auf fremden Toiletten warst.
  • Nutze zur Reinigung deiner Scheide einfach nur klares Wasser und vermeide Seife und Co.
  • Spüle deine Scheide nicht aus, dadurch zerstörst du die natürliche Flora.
  • Verzichte überwiegend auf Zucker und ernähre dich gesund.

Fazit: Scheidenpilz meist harmlos, aber ziemlich nervig

In den meisten Fällen heilt ein Scheidenpilz innerhalb von einer Woche aus und gerät in Vergessenheit. Auch wenn die Infektion in den allermeisten Fällen harmlos ist, kann sie chronifizieren und dir den letzten Nerv rauben. Wenn es dort unten ständig juckt, kann das logischerweise folgende Kratzen dazu führen, dass sich die Wunden infizieren und du eine Vaginalentzündung entwickelst. Solltest du Symptome eines Scheidenpilzes entwickeln, scheue dich nicht, rechtzeitig um Hilfe und Behandlung zu bitten, denn dadurch kannst du dem lästigen Problem schnell Herr bzw. Frau werden.

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