Welche Geschlechtskrankheiten können durch Oralsex übertragen werden?

Und wie kannst du der Übertragung vorbeugen?

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Sexuell übertragbare Infektionskrankheiten (STI) sind nicht nur eine Gefahr bei vaginalem und analem Geschlechtsverkehr, sondern können auch durch Oralsex übertragen werden. Dabei wird oft vergessen, dass Oralsex nicht nur einseitig möglich ist. Während beim Blowjob häufiger ein Kondom verwendet wird, lassen es viele Paare beim Cunnilingus und Anilingus weg.

Mit Folgen, denn auch beim Lecken der weiblichen Geschlechtsorgane droht Gefahr, wenngleich sie auch deutlich geringer ist. Für den aktiven Part besteht auch beim Cunnilingus das (geringere) Risiko der STI-Übertragung, laut deutscher Aidshilfe besteht aber keine Gefahr einer HIV-Übertragung, da die vaginale Flüssigkeit nicht ausreicht, HI-Viren über die Mundschleimhaut zu übertragen.

Dennoch bestehen Gefahren, die bei allen Formen des Oralverkehrs nicht unterschätzt werden dürfen. Folgende Krankheiten können übertragen werden, wenn du ungeschützt oral mit dem Geschlecht deines Partners oder deiner Partnerin in Kontakt kommst.

  • Chlamydien (selten)
  • Gonorrhoe
  • Syphilis
  • Herpesviren
  • Humane Papilloma Viren
  • HIV

Chlamydien, beim Oralsex selten, aber möglich

Die Chlamydien-Infektion ist eine bakterielle Geschlechtskrankheit, trifft beim Oralverkehr seltener auf, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere aufgrund des erweiterten Interesses für Oralsex spielt auch diese Erkrankung eine Rolle.

Eine Umfrage in Frankreich hat gezeigt, dass dort 88 Prozent aller Frauen zwischen 30 und 39 Jahren Oralverkehr praktizieren und immerhin noch 75 % aller Frauen zwischen 60 und 69 Jahren. Eine relevante Erklärung dafür, warum die Inzidenz von Chlamydien beim Oralverkehr in den letzten Jahren angestiegen ist.

Die gute Nachricht bei Chlamydien ist, dass durch die Einnahme eines Antibiotikums die vollständige Heilung erzielt werden kann. Bei Symptomen, die dir seltsam erscheinen, wende dich daher vertrauensvoll an deinen Arzt oder deine Ärztin.

Gonorrhoe als häufige Geschlechtskrankheit

In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der Infektionen mit Gonorrhoe auch als Tripper bezeichnet, angestiegen, wie unter anderem das Merkblatt des RKI zeigt. Übertragen wird die STI durch Schleimhautkontakte beim Geschlechtsverkehr, aber auch beim Oralsex. Auslöser ist das Bakterium Neisseria Gonorrhoeae, welches gut auf eine Behandlung mit Antibiotika anspricht.

Der “Tripper” kann als stille Infektion ablaufen, ohne dass du etwas von den Symptomen merkst. Wenn die Erkrankung symptomatisch wird, treten folgende Symptome am häufigsten auf:

  • Eitriger Harnröhrenausfluss
  • Harnwegsentzündung
  • Schmerzen beim Urinieren
  • Ausbreitung auf die Prostata
  • Ausbreitung auf die Eierstöcke

Die große Gefahr beim Tripper besteht darin, dass eine stumme Infektion nicht bemerkt wird und du sie so an dritte Personen weitergeben kannst. Wenn du daher eine Infektion vermutest, scheue dich nicht, einen Test vornehmen zu lassen.

Syphilis mit Ausbreitungspotenzial

Syphilis wird vom Bakterium Treponema Pallidum übertragen und kommt verglichen mit anderen STI weniger häufig vor. Das deutsche Ärzteblatt berichtet jedoch darüber, dass die Inzidenz stetig ansteigt und 2019 ein Höchststand in Deutschland erreicht wurde. Dabei zeigte sich, dass überwiegend Männer von der Infektionskrankheit betroffen sind.

Eine Übertragung durch Oralverkehr ist möglich, die Erkrankung selbst verläuft in verschiedenen Stadien:

  • Im ersten Stadium entwickelt sich ein schmerzloses Bläschen im Bereich des Afters, der Genitalien oder im Mund. In den meisten Fällen ist das Bläschen so klein, dass es kaum auffällt.
  • Im zweiten Stadium schwellen die Lymphknoten an und es kommt zu Fieber und Hautrötungen. Dieses Stadium kann auch latent und kaum spürbar verlaufen und dabei bis zu mehrere Jahre anhalten.
  • Im dritten Stadium kann Syphilis auf den Körper übergreifen, die Nerven, das Gehirn, die inneren Organe, Knochen und Blutgefäße können betroffen sein.

Mit den richtigen Antibiotika kann Syphilis geheilt werden, allerdings drohen bei Nichtbehandlung erhebliche Folgeschäden. Neurologische Ausfallschäden sind dabei besonders gefürchtet. Auch für schwangere Frauen birgt Syphilis ein hohes Risiko, es kann zu einer Totgeburt, aber auch zu ernsthaften Folgeschäden für das ungeborene Kind kommen.

Herpes-Simplex-Viren

Das Herpes-Simplex-Virus existiert in zwei Varianten, Typ 1 und Typ 2. Kennzeichnend für beide Varianten ist, dass sie grundsätzlich jede Körperregion betreffen können und die Übertragung genital, oral und anal stattfinden kann. Auch eine Schmierinfektion ist denkbar.

Herpes genitalis, wie Herpesinfektionen der Geschlechtsorgane genannt werden, wird in ca. 80 Prozent der Fälle durch Typ 1 ausgelöst, nur ca. 20 Prozent entfallen auf Typ 2. Die Übertragung findet beim Typ 1 fast immer durch Oralsex statt, wenn Herpesviren an den Lippen vorhanden waren.

Eine Ansteckung bedeutet, dass das Virus lebenslang im Körper bleibt, die Abwehr schafft es nicht, es vollständig zu vernichten. Durch Stress, Anstrengung und Infektionen kann eine Reaktivierung erfolgen. Auch andere Penis- und Vaginainfektionen können dazu führen, dass die Herpesviren wieder aktiv werden. Die häufigsten Symptome sind:

  • Hauterosionen und Geschwüre
  • Herpesbläschen
  • Schmerzen beim Urinieren
  • Lokale Entzündung der Vagina und Eichel
  • Allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Müdigkeit, Lymphknotenschwellungen

Auch wenn es keine dauerhafte Heilung gegen Herpes-Infektionen gibt, können die Symptome mit entsprechenden Cremes gelindert werden. Wenn das Herpesvirus abgeklungen und inaktiviert ist, sind meist keine Symptome zu spüren.

Humane Papillom Viren – auch als Krebsauslöser bekannt

Humane Papillom Viren, kurz HPV, ist ein relevanter und häufiger Erreger für Geschlechtskrankheiten. Allerdings häufen sich die Fälle des papillomaindizierten Oropharynxkarzinom, welches durch Oralverkehr ausgelöst werden kann. Eine HPV-Infektion kann ohne besondere Folgen ausheilen, kann aber auch im späteren Verlauf zu einem bösartigen Tumor führen.

Es gibt verschiedene Arten von HPV-Viren, einige davon können durch reinen Hautkontakt übertragen werden und lösen dabei harmlose Papillome (Hautwarzen) aus. HPV-Arten, die sich im Geschlechtsbereich manifestieren, können Feigwarzen, aber auch Gebärmutterhalskrebs und sogar Rachenkrebs auslösen. Da die Übertragung überwiegend durch Geschlechtsverkehr und Oralverkehr stattfindet, gehört HPV zu den Geschlechtskrankheiten.

Um eine Übertragung auf die Mundschleimhaut des aktiven Parts beim Oralsex möglich zu machen, muss diese direkt mit den durch HPV-betroffenen Hautstellen (Penis, Vagina) der erkrankten Person in Kontakt kommen. Eine Heilung für eine HPV-Infektion gibt es nicht, allerdings heilen viele Erkrankungen selbstständig und folgenlos aus.

HIV als vernachlässigte Gefahr beim Oralverkehr

Eine Statistik aus Deutschland zeigt, dass im Jahr 2020 rund 73.700 Männer und 17.800 Frauen mit HIV in Deutschland lebten. Nicht nur, dass Männer häufiger erkranken auch Frauen, auch dass die Aufklärung trotz zahlreicher Kampagnen noch immer nicht bei allen Menschen angekommen ist, scheint erschreckend.

Grundsätzlich ist die Übertragung von HIV beim Oralsex selten, allerdings weißt diese Facheinschätzung darauf hin, dass der Gefahr von Oralsex als Auslöser für HIV mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Grund dafür ist nicht die leichte Übertragbarkeit, sondern das gesteigerte Interesse am Oralsex. Die Übertragung selbst bleibt selten, die Fallzahlen steigen aber dennoch, wenn mehr Menschen Oralsex praktizieren und dabei nicht verhüten.

Eine Studie zeigt aber auch klar, dass die Übertragung von der Mundschleimhaut auf den Penis nahezu ausgeschlossen ist, wohingegen die umgekehrte Übertragung, vom Penis auf die Mundschleimhaut zwar unwahrscheinlich, aber möglich ist. Gleiches gilt auch beim Cunnilingus, wobei hier insbesondere Oralsex während der Menstruation ein Risikofaktor sein kann.

Hab ich mich angesteckt? So kannst du dich testen

Du hattest ungeschützten Oralverkehr und bist dir nicht sicher, ob du dich mit einer Geschlechtskrankheit infiziert hast? In diesem Fall ist ein Test bei deiner Ärztin oder deinem Arzt der wichtigste Schritt. Viele Gesundheitsämter in großen Städten bieten zusätzlich Tests an, im Falle eines HIV-Verdachts sogar anonym.

Dabei gibt es verschiedene Arten von Tests, je nach Krankheitsverdacht:

  • Gonorrhoe und Chlamydien: Bei einem begründeten Verdacht wird ein Abstrich der betroffenen Region (Kehle, Genitalbereich, Rektum oder auch Urin) vorgenommen und im Labor auf das Vorhandensein von Bakterien untersucht.
  • Humane Papillom Viren: Bei sichtbaren Warzen ist für den Arzt oder die Ärztin oft schon die Blickdiagnose ausreichend, es kann aber auch ein klassischer Pap-Abstrich vorgenommen werden.
  • Herpes-Simplex-Viren: Auch wenn Herpes-Simplex-Viren oft bereits per Blickdiagnose erkannt werden, bei einer Entzündung, kann ein Abstrich der infektiösen Region sinnvoll sein.
  • HIV: Eine HIV-Infektion kann durch einen Abstrich der Mundschleimhaut, aber auch durch eine Blutuntersuchung (häufig) nachgewiesen werden. Es müssen mindestens sechs Wochen zwischen aktiver Infektion und Test vergehen, um ein genaues Ergebnis zu erhalten.
  • Syphilis: Syphilis wird in der Regel mittels Bluttest nachgewiesen, wobei auch eine Sekretuntersuchung erfolgen kann, wenn aktive Hautläsionen vorhanden sind.

So kannst du dich selbst schützen

Geschlechtskrankheiten können harmlos und behandelbar sein, aber auch eine Veränderung des ganzen Lebens bedeuten. Mit HIV leben ist für viele Menschen eine äußerste Belastung, da hier nicht nur regelmäßig und lebenslang Medikamente eingenommen werden müssen, sondern trotz Safer Sex nie eine 100-prozentige Sicherheit für den Partner oder die Partnerin gewährleistet werden kann.

Aufklärung ist eines der wichtigsten Themen, um Infektionskrankheiten beim Sex oder auch Oralverkehr zu verhindern. Nach wie vor sind viele Menschen nicht ausreichend aufgeklärt, wobei es wertvolle Institutionen wie die deutsche Aidshilfe gibt, die hier Abhilfe schaffen.

Viele Maßnahmen kannst du aktiv anwenden, um eine Übertragung von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten beim Sex zu verhindern bzw. das Risiko drastisch zu minimieren.

Kondome beim Blowjob

Ein Blowjob ist sinnlich und macht riesigen Spaß. Wenn du ihn ungeschützt erleben möchtest, ist eine Testung auf sämtliche STI empfehlenswert. In langen Partnerschaften ist ein solcher Test sinnvoll, denn er ermöglicht es Paaren, auf Verhütung zu verzichten.

Beim Oralsex mit einer fremden Person bietet das Kondom den besten Schutz. Es verhindert, dass Sekrete der Mundschleimhaut auf den Penis gelangen, aber auch, dass Sperma und Präejakulat mit der Mundschleimhaut in Kontakt kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kondom beim Blowjob einreißt, ist äußerst gering. Passiert es dennoch, siehst du es in der Regel sofort und kannst dann präventive Maßnahmen ergreifen.

Lecktücher beim Cunnilingus

Verhütung beim Lecken der Vagina wird häufig unterschätzt und nicht wahrgenommen. Dabei sind Dental Dams oder auch Lecktücher eine gute und effiziente Methode, um beim Cunnilingus mit fremden Personen den eigenen Schutz zu gewährleisten. Das kleine Latextuch wird über die Schleimhaut der Vagina gelegt und macht es möglich, den Bereich oral zu stimulieren, ohne dass Vaginalschleim in den Mund gelangt und umgekehrt. Auch beim Rimming bzw. Anilingus sollte darauf nicht verzichtet werden.

Kein Sperma in den Mund lassen

Die größte Gefahr einer Übertragung geht vom Sperma selbst aus, denn darin können größere Mengen an Bakterien und Viren enthalten sein. Wenn beim Blowjob auf das Kondom verzichtet wird, was nicht empfehlenswert ist, kann der Stopp vor der Ejakulation das Risiko einer Übertragung minimieren, aber nicht verhindern.

Fazit: Sexuelle Infektionskrankheiten sind auch beim Oralverkehr möglich

Der Gedanke, dass Oralverkehr die Gefahr von STI reduziert, ist falsch. Die Möglichkeit einer Übertragung ist bei einzelnen Erkrankungen wie HIV zwar deutlich geringer als beim Anal- und Vaginalsex, doch andere Erkrankungen, wie beispielsweise Syphilis können sehr häufig auch beim Oralsex weitergegeben werden. Die sichersten Möglichkeiten einer Vermeidung sind die Verwendung von Kondomen und der Test vorm Sex. Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille und die Spirale schützen nur vor ungewollten Schwangerschaften, nicht aber vor der Weitergabe einer STI.

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