Sexsucht: Wenn sexuelle Befriedigung nicht mehr erreicht werden kann

Erfahre mehr über die Symptome, Ursachen und mögliche Behandlungsmethoden der Sexsucht

Sexsucht Wenn sexuelle Befriedigung nicht mehr erreicht werden kann
In diesem Artikel

Sex macht den meisten von euch wahrscheinlich jede Menge Spaß, egal ob mit dem Partner oder mit einem Masturbator, einem Vibrator oder anderen Sexspielzeugen. Je nach sexuellem Trieb kann es häufiger oder weniger häufig zu Lust kommen, die Libido ist bei jedem Menschen unterschiedlich ausprägt. Was aber ist, wenn trotz Sex keine Befriedigung mehr zustande kommt? In diesem Fall sprechen Mediziner von einer Sexsucht. Die Symptome hier für sind sehr vielfältig und nicht selten mit einer Internetsucht gekoppelt, wie unter anderem diese Studie zeigt.

Woran aber erkennst du eine Sexsucht und wie kannst du vorgehen, wenn du eindeutige Symptome bei dir erkennst?

Sexsucht nach den Vorgaben des ICD-10

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Sexsucht mittlerweile zur anerkannten Krankheit erklärt, somit ist sie auch im ICD-10 verzeichnet. Die sogenannte Hypersexualität wird hier in vier verschiedene Rubriken unterteilt:

  • F52.7 = gesteigertes sexuelles Verlangen (Nymphomanie bei Frauen, Satyriasis bei Männern)
  • F52.8 = sonstige sexuelle Funktionsstörung (ohne organische Krankheitsursachen)
  • F52.9 = nicht näher bezeichnete sexuelle Funktionsstörung (ohne organische Krankheitsursachen)
  • F63.8 = Störung der Impulskontrolle

Bei jungen, aber auch älteren Patienten ist es möglich, dass eine gesteigerte Sexualität mit Krankheitsniveau als medikamentöse Nebenwirkung von sogenannten Dopaminantagonisten vorkommt. Diese Medikamente werden unter anderem zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung angewandt.

Eine weitere Studie zeigt, dass vor allem junge Menschen betroffen sind, die überdies unter einer Pornosucht oder einer Internetsucht leiden. Der häufige und krankhafte Konsum von Pornos wird als Problem angesehen, da hierdurch das sexuelle Verlangen rapide gesteigert, aber nur noch schwer befriedigt werden kann.

Die Symptome einer klassischen Sexsucht

Die Sexsucht kann sich in zahlreichen Symptomen manifestieren, die nicht gleichzeitig auftreten müssen. Zu den häufigsten Anzeigen gehören:

  • Übermäßig viel Zeitaufwand für Masturbation und Sex
  • Obsessive und beeinträchtigende Sexgedanken
  • Schamgefühl nach dem Sex oder der Masturbation
  • Exzessive Masturbation
  • Riskantes Sexualverhalten ohne Kontrolle
  • Zwanghaftes Betrügen des Partners
  • Kriminelle Handlungen

Zu viel Zeit mit Sexualität verbringen

In einer von Statista durchgeführten Umfrage wurden 6.753 Männer nach der Häufigkeit der Masturbation befragt. 9 Prozent gaben an, mindestens zweimal täglich zu masturbieren. 19 Prozent legten einmal täglich Hand an, während 23 Prozent nur jeden zweiten Tag masturbierten. Bei 18 Prozent fand Selbstbefriedigung nur einmal pro Woche statt, 15 Prozent gaben an, weniger als einmal wöchentlich zu masturbieren. 16 Prozent beantworteten die Frage nicht.

Ob nun zweimal täglich oder nur alle 14 Tage, keine dieser Antworten würde von der WHO als zwingend krankhaft eingestuft werden. Wenn du allerdings mehr Zeit mit Sex verbringst als mit anderen Hobbys und Sex bei dir grundsätzlich im Vordergrund steht, kann es ein Anzeichen für eine Sexsucht werden. Ein starkes Symptom ist, wenn du selbst in unpassenden Gelegenheiten, wie zum Beispiel im Büro, zwingend masturbieren musst, weil du dich sonst nicht wohlfühlst und keine Energie gewinnen kannst.

Sexuelle Fantasien im Übermaß

Sexfantasien sind eigentlich etwas schönes und wohl jeder hat sich schon einmal die ein oder andere erotische Szene bei der Masturbation vorgestellt. Wenn du ein erotisches Buch liest, kann das deine Fantasie anregen und du gerätst ins Träumen. Problematisch wird das, wenn sexuelle Gedanken deinen Alltag bestimmen und du dich nicht dagegen wehren kannst.

Deine Konzentration lässt nach, weil sich permanent erotische Fantasien in dein Unterbewusstsein drängen. Du kannst keinen Menschen begegnen, weil du automatisch Sexgedanken mit derjenigen Person hast. Oft handelt es sich um beängstigende Fantasien, die auch Vergewaltigungsgedanken beinhalten können. Wichtig ist aber zu wissen, dass nicht jeder Mensch, der unter einer Sexsucht leidet, auch automatisch ein potenzieller Straf- und Gewalttäter ist!

Du schämst dich nach dem Sex

Nach dem Sex oder auch der Masturbation solltest du dich befreit, glücklich und zufrieden fühlen. Die Endorphine fluten deinen Körper, du fühlst dich entspannt und wohl. Bei einer Sexsucht ist es anders. Hier kann das Nachgeben des inneren Drangs dazu führen, dass du dich schämst, dir deine Lust peinlich ist und du sogar in Depressionen verfällst.

Wann immer du spürst, dass Sex für dich keine lustvolle und befriedigende Sache mehr ist, sondern ein förmlicher Zwang, nachdem du dich schlecht fühlst, ist es nötig, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das gilt auch dann, wenn du versuchst deinen Sexualtrieb zu kontrollieren, es dir aber nicht gelingt.

Exzessives und zwanghaftes Masturbieren

Wenn du es dir mit deiner Fleshlight gemütlich machst, dich genussvoll zum Höhepunkt bringst und anschließend einschläfst, ist daran nichts falsch. Im Gegenteil, Selbstbefriedigung kann einige positive Einflüsse aufs Sexualverhalten haben. Beim zwanghaften Masturbieren geht es aber nicht um sexuelle Lust und Genuss, sondern um eine Zwangshandlung, die du nicht unterbrechen kannst.

Permanentes und oft sogar autoaggressives Masturbieren ist ein Zeichen dafür, dass bei dir eine Triebfunktionsstörung vorliegen könnte. Die Masturbation selbst bereitet dir keine Lust mehr, sondern ist nur der verzweifelte Versuch, dem Drang auszuweichen und ihn irgendwie zu mildern. Wo und wann du masturbierst spielt für dich deine Rolle, du brauchst es, um irgendwie über den Tag zu kommen.

Gefährliches Sexualverhalten mit Kontrollverlust

Eine der Gefahren einer Sexsucht besteht darin, dass Betroffene oft keine Kontrolle mehr über ihre Sicherheit haben. Es werden gesundheitliche Risiken in Kauf genommen, um die sexuelle Lust irgendwie zu befriedigen. Ob Sex ohne Kondom, Sex in der Öffentlichkeit oder auch das Aufsuchen unseriöser Etablissements oder das Besuchen von unsicheren Orten gehört zu den typischen Symptomen der Sexsucht.

Dir ist es egal mit wem du Sex hast, ob du dafür bezahlst oder nicht und ob ein Kondom genutzt wird oder nicht. Die Risiken können nicht mehr korrekt eingeschätzt werden oder werden schlichtweg ignoriert. Die Folge können sexuell übertragbare Erkrankungen sein, die deine Gesundheit gefährden.

Fremdgehen aufgrund starker Triebe

„Männer sind halt so“, wurde lange als Ausrede fürs Fremdgehen genutzt und nicht selten wurde behauptet, dass Männer aufgrund ihres Triebs einfach fremdgehen müssen. Tatsächlich sind Männer aber in der Regel keine triebgesteuerten Wesen, die sich selbst nicht kontrollieren können. Die Gründe fürs Fremdgehen können vielfältig sein, doch in einigen Fällen kann auch eine Sexsucht dahinterstecken.

Wenn die eigene Partnerin (oder auch der Partner) nicht in der Lage ist, die sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen, wird Abhilfe bei anderen Personen gesucht. Doch auch die werden die Sucht nach Sex nicht stillen, denn sie wird buchstäblich immer stärker und der Drang nach Sex stellt alles andere in den Schatten.

Kriminelle Handlungen zur Befriedigung

Nochmal als wichtiger Hinweis, um eine Stigmatisierung der Betroffenen zu verhindern: Nicht jede Frau oder jeder Mann mit einer Sexsucht ist oder wird kriminell. Oft machen sich die Betroffenen selbst mit Masturbation in Dauerschleife das Leben zur Hölle. Doch es gibt Fälle, wo eine Hypersexualität zu kriminellem Verhalten, bis hin zur Vergewaltigung führen kann.

Deutlich häufiger kommt es zu sexueller Belästigung oder zum ständigen Wunsch danach, andere zu berühren und zu Sex zu überreden. Wenn Betroffene solche Handlungsweisen an sich feststellen, brauchen sie sofort und akute Hilfe, um sich selbst, aber insbesondere andere nicht in Gefahr zu bringen.

Welche Ursachen hat eine Sexsucht?

Die Ursachen einer Sexsucht sind vielfältig und oft lässt es sich nicht eindeutig erkennen, wie es dazu kommen konnte. Es bedarf therapeutischer Unterstützung, um die Ursachen herauszufinden und schließlich zu beseitigen, denn nur so kann die Sexsucht geheilt werden. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Sexueller Missbrauch in der Vergangenheit, der in Form einer Hypersexualität eine paradoxe Reaktion ausgelöst hat.
  • Durch Sex wird das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert. Menschen, die generell zu Süchten neigen, können Sex als eine Art Droge nutzen, um eigene Probleme zu überdecken.
  • Eine fehlende Impulskontrolle hat zur Folge, dass Sex deine Bedürfnisse kaum befriedigt. Ähnlich funktioniert eine Esssucht. Obwohl der Hunger theoretisch gestillt sein müsste, wird weitergegessen, weil sich das Gefühl nicht einstellt.
  • Körperliche Erkrankungen können in seltenen Fällen zu einer Hypersexualität führen. Ein Grund könnte ein vorhandener und hormonaktiver Nebennierenrindentumor sein.
  • Psychische Erkrankungen haben ebenfalls Potential eine Sexstörung auszulösen. Das Borderline-Syndrom ist bekannt dafür, dass Betroffene die Kontrolle über sich selbst stellenweise verlieren und zu Promiskuität neigen.
  • Ein weiterer möglicher Auslöser ist der Konsum von Drogen, insbesondere Kokain, aber auch Speed, die den Antrieb steigern. Es ist möglich, dass hierdurch aus der Sexualtrieb gesteigert und gleichzeitig die Hemmungen reduziert werden.

Die Behandlung der Sexsucht

Entdeckst du bei dir selbst Anzeichen einer Sexsucht und kannst die schönste Nebensache der Welt weder mit deinem Vibrator noch mit deinem Partner genießen, brauchst du Hilfe! Hast du den Verdacht, dass du von einer Sexsucht betroffen sein könntest, sind Beratungsstellen eine gute Anlaufstelle. Dein Hausarzt wäre auch eine Option, allerdings sind viele Ärzte bisweilen von der Symptomatik überfordert.

Das Ziel bei einer Behandlung ist es, die Eigenkontrolle über den Trieb wiederzuerlangen und zu versuchen, die Sexsucht und ihre zerstörerischen Folgen zu begrenzen. Wichtig ist zu wissen, dass eine Abstinenz und der strikte Verzicht nicht zielführend sind!

Würdest du einfach nur auf Sex verzichten, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis du wieder in dein altes Muster verfällst. Bei der Therapie geht es darum, deine Sexualität wieder unter Kontrolle zu bringen und sie genießen zu können.

Verhaltenstherapie zur Bekämpfung von Sexsucht

Die Verhaltenstherapie, bei einem geschulten Sextherapeuten, ist das wichtigste Standbein der Behandlung. Auch gibt es verschiedene Selbsthilfegruppen, bei denen Betroffene voneinander lernen und sich miteinander austauschen können.

Im Rahmen therapeutischer Sitzungen versucht dein Behandler herauszufinden, welches eigentliche Problem du mit der Sexsucht kompensieren möchtest. Es gibt viele Auslöser, denen die Sucht eigentlich nur als Ventil dient. Wenn es dir gelingt, diese aufzuarbeiten und Sex nicht als Bewältigungsstrategie für Probleme einzusetzen, kann dir geholfen werden.

Was du selbst tun kannst

Eine Studie hat gezeigt, dass vor allem junge Menschen betroffen sind und dass rechtzeitige Aufklärung präventiv wirken könnte. Die Welt des Internets hat viele Bereiche des Lebens verändert. Schon junge, oft noch minderjährige, Menschen haben Zugriff auf Pornographie, werden mit virtuellen Weisheiten und einer Art Kräftemessen unter Internetkonsumenten konfrontiert. So sinnvoll das weltweite Netz in vielen Bereichen ist, so gefährlich ist es, wenn es exzessiv konsumiert wird.

Vor allem der Bereich Pornografie spielt eine große Rolle bei der Entstehung der Sexsucht. Der Porno suggeriert vor allem eins – Extreme! Es geht in Pornofilmen längst nicht mehr um erotische Spielereien, sondern um obszöne Hingucker, um die Generierung von Aufmerksamkeit und Zuschauern.

Natürlich trifft das nicht auf alle Filme zu und schon gar nicht ist jeder Pornokonsument sexsüchtig, doch du solltest deinen Konsum im Auge behalten. Wenn du feststellst, dass du immer extremere (möglicherweise sogar nicht legale) Inhalte sehen musst und dass dich klassische Sexfilme und Pornos nicht mehr ansprechend stimulieren, solltest du dein Sexverhalten genauer unter die Lupe nehmen, um eine mögliche Sexsucht schon präventiv zu erkennen.

War der Artikel hilfreich?