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Die Vielfalt weiblicher Lebensentwürfe

Rabenmutter, Latte-macchiato-Mutter oder dann doch nur Mutter? Natürlich Mutter? Ist es tatsächlich die Hauptaufgabe einer Frau, zu gebären? Eine Diskussion, die kein Ende finden möchte. Antje Schrupp hat schon im vergangenen Jahr das Buch „Der Konflikt. Die Frau und Mutter“ von Elisabeth Badinter gelesen. Ihre Gedanken dazu sind nach wie vor sehr lesenswert – und am 26. Oktober diskutiert Antje Schrupp gemeinsam mit Barbara Vinken, Autorin des Buches “Der Mutter-Mythos” in München darüber, moderiert von Barbara Streidl.

Von Antje Schrupp

In erster Linie ist es eine Abrechnung mit der Pro-Still-Bewegung und mit einem tatsächlich in letzter Zeit zu beobachtenden Trend in psychologischen und biologischen Forschungen, die „natürliche“ (und damit unhinterfragbare) Seite von Mutterschaft zu betonen. Zu dieser Diskussion kann ich nichts beitragen, weil ich mich mit diesen Themen nicht auskenne, aber ich könnte mir vorstellen, dass vieles, was Badinter dazu schreibt, richtig ist. Hätte sie sich auf ihre Kritik an diesen Trends beschränkt, wäre das Buch ein verdienstvoller Beitrag zu einer kontroversen Debatte.

Leider ordnet Badinter aber ihre berechtigte Kritik an einem Wiederaufleben des Biologismus in ein größeres Muster von gesellschaftlichen, frauenpolitischen Trends ein – und hier muss ich an vielen Punkten widersprechen.

Am meisten ärgert mich, dass sie nicht anerkennt, dass das Interesse vieler Frauen an Ökologie, an alternativer Medizin (auch Geburtsmedizin) und an neuen Beziehungen zwischen Eltern und Kindern überhaupt eine politische Position ist. Stattdessen spricht sie darüber pauschal das Verdikt des „Naturalismus“ aus. Aber skeptisch zu sein gegen Chemo-Nahrung, gegen Kaiserschnitte, gegen routinemäßige und an Effizienz orientierte Kinderbetreuung bedeutet doch nicht, ein unpolitisches „Zurück zur Natur“ zu postulieren. Die Kritik an einer männlich-kapitalistisch-rationalistischen Sicht auf die Welt ist kein Rückzug auf angebliche Biologismen, sondern es ist selbst eine kulturelle Intervention. Es geht hier nicht um einen Kampf zwischen „Kulturalismus“ und „Naturalismus“, wie Badinter behauptet, sondern um den politischen Konflikt zwischen „dieser Kultur“, die wir vorfinden, und einer „anderen Kultur“, die wir uns wünschen.

Wie geht eine Mutter mit ihren Kindern um

Badinter unterstellt, dass Frauen, die im Bezug auf die Frage: „Wie sollte ich als Mutter mit meinen Kindern umgehen?“ eine weniger pragmatische Haltung haben als sie, von irgendwelchen bösen, biologischen Kräften „verführt“ worden seien. Meine Erfahrung ist anders. Sicher, es gibt auch Frauen, die sich von einer Riesenflut an „Expertenwissen“ verunsichern lassen und ewig lang ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie in der Schwangerschaft mal ein Schlückchen Sekt nippen. Es gibt aber genauso Frauen, die sich sehr bewusst und mit guten Gründen fürs Stillen, für Ökonahrung, für waschbare Windeln oder was weiß ich entscheiden – nicht weil sie zu einem Müttermythos verführt wurden, sondern weil sie das nach reiflicher Überlegung so wollen. Man muss ihre Meinung ja nicht teilen. Aber man muss zumindest die Möglichkeit einräumen, dass es sich hier um einen freien Ausdruck weiblicher Subjektivität handeln könnte.

Aber auch darüber hinaus schlägt Badinter in so manche Kerbe, die ich nicht teilen kann. Vor allem ihre pessimistische Interpretation der demografischen Entwicklung finde ich problematisch. In ihrer Angst vor sinkenden Geburtenraten, die sie vor allem bei gut gebildeten Frauen diagnostiziert, erinnert sie an so manch konservativen „Bevölkerungsexperten“, der das Aussterben und die Verdummung der Gesellschaft prophezeit: „Werden wir eines Tages erleben, dass die Mutterschaft zur Last oder zum Privileg der kulturell, gesellschaftlich und beruflich weniger Begünstigten wird?“ fragt sie geradeheraus.

Doch die These, dass gut ausgebildete Frauen weniger Kinder haben als schlecht ausgebildete, ist ohnehin schon gewagt – die vor einiger Zeit voreilig verbreiteten Schreckenszahlen der angeblich so kinderlosen Akademikerinnen hatten sich ja schon bald als falsch erwiesen. Und auch wenn Akademikerinnen etwas seltener Kinder haben als andere Frauen, so ist es doch mehr als zweifelhaft, ob der Grund dafür in überbordenden Mutterschaftsidealen zu suchen ist, die sie angeblich abschrecken. Immerhin ermutigt die gesellschaftliche Grundstimmung Frauen in Karriereberufen erst seit ganz kurzer Zeit zum Kinderhaben. Zum Beispiel galt bis vor wenigen Jahrzehnten für Frauen mit Beamtenstatus in Deutschland noch der Zölibat: Man war nämlich bis weit in die 1970er Jahre hinein allgemein der Auffassung, dass sich Familien- und Berufspflichten für Frauen nicht vereinbaren lassen und sich Frauen also entscheiden müssten, ob sie das eine oder das andere wollen. Angesichts dieser Vergangenheit finde ich es eher erstaunlich, dass Akademikerinnen heute schon beinahe genauso viele Kinder haben wie andere Frauen. Und die Tendenz ist steigend.

Entweder oder – beides geht nicht

Die prekäre Situation unserer Sozialversicherungen und der Rente hat außerdem nichts mit Kindermangel zu tun, sondern mit dem Abbau sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze und mit einer desolaten Bildungspolitik, die Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen benachteiligt. Die Hauptaufgabe einer verantwortlichen Politik sehe ich, anders als Badinter, nicht darin, Frauen (und speziell die „Bessergestellten“) zum Kinderkriegen zu bringen, sondern darin, den vorhanden Kindern gute Startchancen zu bieten, damit sie sich später möglichst gut in die Gesellschaft einbringen können.

Überhaupt ist auffällig, dass Badinter den Bereich der Arbeitswelt und wie sie gestaltet ist, bei ihrer Analyse vollkommen außen vor lässt. Dabei ist diese Diskussion die eigentlich spannende, und sie wird auch derzeit offensiv geführt – und zwar angestoßen von der großen Gruppe junger Frauen, die den Wunsch haben, sowohl Mütter zu sein als auch in ihrem Beruf voranzukommen. Die Schwierigkeiten, die es dabei zu überwinden gilt, liegen nicht in erster Linie in übertriebenen Vorstellungen von mütterlichen Pflichten, sondern vielmehr in einer auf den „Vollzeitmann“ ausgerichteten Erwerbsarbeitswelt. Oder anders gesagt: Nicht die Mütter müssen sich ändern, um hier Abhilfe zu schaffen, sondern die Arbeitsbedingungen.

Eine interessante Spur reißt Badinter zwar kurz an, verfolgt sie aber leider nicht weiter. Sie zitiert aus amerikanischen soziologischen Studien, die darauf hinweisen, dass das Selbstbild junger Frauen heute sehr vielfältig und ausdifferenziert ist. Demnach gibt es vier große Gruppen: Frauen mit drei oder mehr Kindern (also solche, die in der Familienrolle ihre Hauptaufgabe sehen), Frauen mit zwei Kindern (denen die Familienrolle zwar sehr wichtig ist, die aber dennoch berufstätig sein wollen), Frauen mit einem Kind (die ihre Bestimmung hauptsächlich im Beruf sehen, aber dennoch Mütter sein wollen) und schließlich kinderlose Frauen (die sich ganz ihrer beruflichen Karriere oder sonstigem Engagement widmen).

Viele Wünsche an die Politik

Je nachdem zu welcher Gruppe eine Frau sich zählt, hat sie logischerweise sehr andere Erwartungen an die Politik: Die eine will materielle Absicherung ohne den Zwang zur Erwerbsarbeit (etwa über ein Grundeinkommen, über den Ehemann, über Bezahlung von Hausarbeit), die andere mehr Teilzeitstellen, die dritte mehr Krabbelstuben und die vierte mehr berufliche Gleichstellungsprogramme. Das finde ich einen spannenden Gedanken, zumal mir die Differenzierung der mittleren zwei Gruppen, also derjenigen, die Beruf und Familie vereinbaren möchten, aber doch mit unterschiedlichen Schwerpunkten, neu war, aber sehr plausibel erscheint.

Der interessante Punkt dabei ist, dass diesen großen Unterschieden in den Lebenswünschen von Frauen auf der anderen Seite eine relativ homogene Gruppe von Männern gegenübersteht, die, so zitiert Badinter eine Soziologin, im Altersabschnitt zwischen 25 und 50 Jahren „mit größerer Entschlossenheit und Beharrlichkeit nach Geld, Macht und Status“ streben (S. 36). Diejenigen Männer, die einen alternativen Lebensentwurf haben, etwa sich Vaterschaft in Vollzeit vorstellen können, sind noch immer eine sehr kleine Minderheit.

In dieser Beobachtung scheint mir der spannende Punkt zu liegen, an dem sich die politischen Konflikte in der nächsten Zeit entzünden werden. Als Feministin frage ich mich: Wie müssen diese Diskussionen geführt werden, damit die Heterogenität und Vielfalt weiblicher Lebensentwürfe für die Gesellschaft insgesamt fruchtbar gemacht werden kann und nicht nur einfach in Form von fehlender „Frauensolidarität“ den Frauen zum Nachteil gereichen? Weil die Männer an einem Strang ziehen, die Frauen aber nicht?

Die Lösung kann sicher nicht darin liegen, alle Frauen auf ein verbindliches Schema zurecht zu stutzen. So schlecht es ist, Müttern Vorwürfe zu machen, wenn sie nicht stillen, so schlecht ist es, ihnen Vorwürfe zu machen, wenn sie es tun. Feministische Politik kann aus meiner Sicht in dieser Situation nur bedeuten, dafür zu kämpfen, dass Frauen auf unterschiedliche Weise ihr Leben gestalten können, und das heißt in diesem Fall: Ohne Kinder, mit einem, zwei oder ganz vielen Kindern. Es ist gleichzeitig notwendig, diejenigen zu unterstützen, die Karriere machen wollen, als auch die, die das nicht wollen, weil ihnen anderes im Leben wichtiger ist (und das müssen im Übrigen nicht nur Kinder sein).

Oder anders gesagt: Die Politik der Frauen ist nicht so einfach auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Sie verabschiedet das Ideal des einen bestmöglichen Lebensentwurfes, sie verkörpert die Vielfalt und die Unterschiedlichkeit – und ist damit Weg weisend für unser Bild von Gesellschaft schlechthin. Die Zukunft liegt in einer Welt, die die Einzelnen nicht mehr an einer Norm misst, sondern die Differenzen anerkennt, weil sie sich gegenseitig befruchten können. Das ist die Politik der Frauen, die im Übrigen auch eine Einladung an die Männer ist.

Dieser Text ist bereits auf dem Blog von Antje Schrupp erschienen.

Mehr erfahren:
“Unterwegs in die falsche Richtung. Überlegungen zu Elisabeth Badinter” von Antje Schrupp

“Was heißt schon Rabenmutter?”, Essay von Elisabeth Badinter
PODIUMSDISKUSSION “Deutsche Frauen im Mutterwahn? Oder alles eine Frage weiblicher Freiheit?”: Mi, 26.10.2011, 19.30 Uhr mit Barbara Vinken und Antje Schrupp, Moderation: Barbara Streidl (Veranstaltet im Rahmen der Frauenstudien München); einen Mitschnitt der Veranstaltung gibt es hier.

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