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Die witzigste Feministin Deutschlands

Über Charlotte Roches Roman Schoßgebete wird wild spekuliert: Wie viel davon ist autobiografisch? Sie ist nicht die Erste, die mit diesem Effekt spielt. Am 20.09.2011 ist Katia Manns Großmutters, Hedwig Dohms (1831-1919), Geburtstag. Dohm war glühende Feministin und Skandalon zugleich. Ihre Werke wurden heiß diskutiert, man interessierte sich brennend für ihr Privatleben und interpretierte viel in ihren Roman – mit langfristigen Folgen.

Von Isabel Rohner

Thomas Mann, den Mann ihrer Enkelin Katia, nannte sie einen „gottverdammten Antifeministen“. Er und seine hochschwangere Frau Katia waren zu Besuch gekommen, und auf die Frage, was er sich denn wünsche, einen Jungen oder ein Mädchen, hatte er geantwortet: „Natürlich einen Jungen. Ein Mädchen ist doch nichts Ernsthaftes.“ Verständlich, dass sie diese Auffassung nicht teilte. Denn Hedwig Dohm gehörte zu den führenden Köpfen der Frauenbewegung des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

In den intellektuellen und politischen Kreisen im Berlin dieser Zeit war Hedwig Dohm eine feste Größe. Als Bühnenautorin feierte sie Erfolge, ihre Romane und Novellen wurden gern und viel gelesen. Mit ihren gesellschaftspolitischen Essays und ihren Feuilletons in Zeitungen und Zeitschriften erregte sie zugleich Begeisterungsstürme und Skandale. Hedwig Dohm war eine der radikalsten Stimmen der Frauenbewegung – und eine der brillantesten noch dazu. Mit Witz und Geist forderte sie als eine der ersten das Stimmrecht für Frauen und die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung von Frauen und Männern: „Weil die Frauen Kinder gebären, darum sollen sie keine politischen Rechte haben. Ich behaupte: Weil die Männer keine Kinder gebären, darum sollen sie keine politischen Rechte haben und ich finde die eine Behauptung mindestens ebenso tiefsinnig wie die andere.“ und sie schloss: „Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“ Dazu war Hedwig Dohm auch noch schön – kein Wunder also, dass das Interesse an ihr groß war und sich schon die Zeitgenossen lebhaft für ihr Privatleben interessierten. Was ist das wohl für Mensch? Wie siehts in ihrer Ehe aus? Und wie ist ihr Verhältnis zu Thomas Mann, dem Mann ihrer Enkelin?

Hedwig Dohm hüllte sich stets in Schweigen, wenn es um ihr Leben jenseits der Öffentlichkeit ging. Sie kümmerte sich lieber um wichtigere Themen – und schrieb ironische Erwiderungen auf antifeministische Geistesgrößen wie Friedrich Nietzsche oder Georg Groddeck: „Der Stoffwechsel des Mannes geht schneller vonstatten als derjenige der Frau, triumphiert er. Und darum ihm alle einträglichen Beamtenstellen, ihr Küche und Nähmaschine? Der Mann hat längere Beine als die Frau! Sehr richtig. Daraus könnte man allenfalls schließen, dass er sich mehr zum Briefträger eigne als die Frau. Warum aber ihr aus diesem Grunde die Fähigkeit zum Erlernen des Griechischen und Lateinischen absprechen?“

Roman und Wirklichkeit

Was also taten Dohms Leserinnen und Leser? Das, was noch heute ab und zu passiert: Sie suchten die Autorin in ihren Texten – und wurden (vermeintlich) fündig: Der Roman „Schicksale einer Seele“ aus dem Jahr 1899 schien wie gemacht, die Rätsel um die Autorin Dohm zu lösen. Die Hauptfigur Marlene, die in Briefen an ihren Freund die Geschichte ihrer trostlosen Jugend und ihrer unglücklichen Ehe erzählt, musste doch einfach die Autorin selbst sein! Die Romanfigur Marlene nannte auch ein Geburtsjahr: 1833 – wie praktisch. So wurden munter Details aus dem Roman auf die Autorin übertragen – und diese schwieg und amüsierte sich. Denn dank dieser autobiografischen Lesart ihres Romans war sie bald zwei Jahre jünger. Heinrich Heine hatte sich zeit seines Lebens bemüht, sich um drei Jahre zu verjüngen, gelungen ist es ihm nicht.

Öffentliche Feiern – immer zwei Jahre zu spät

Die runden Geburtstage der Autorin wurden in ihrer Heimatstadt Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts öffentlich gefeiert. Zu Dohms 70., 75., 80. und 85. Geburtstag erschienen Gratulationen in den Zeitungen, überall wurde an die Autorin und ihre Verdienste als Künstlerin und Akteurin der Frauenbewegung erinnert – immer zwei Jahre zu spät.

Nach ihrem Tod geriet Dohms Werk lange in Vergessenheit. Erst seit kurzem wird die Autorin und ihre bis heute frischen und klugen Texte wiederentdeckt Eine kommentierte Gesamtausgabe ihres Werks erscheint seit 2006 im Berliner Trafo Verlag. Letztes Jahr erschien im Ulrike Helmer Verlag eine neue Biografie: „Spuren ins Jetzt.“

Zu Dohms 180. Geburtstag soll daher mit der Tradition der verspäteten Glückwünsche gebrochen werden. In zwei Jahren können wir den 180. aber gerne noch einmal feiern.

Mehr erfahren:
www.hedwigdohm.de
Biografie von Hedwig Dohm bei Fembio
Hedwig Dohm in der Mädchenmannschaft

Dr. Isabel Rohner ist Dohm-Biografin und Mit-Herausgeberin der Edition Hedwig Dohm. Sie arbeitet an der FernUniversität in Hagen.

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