Femidome: alles, was Du über das Frauenkondom wissen musst

Das Kondom für die Frau ist durchaus eine Überlegung wert.

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Das Frauenkondom, auch bekannt als Femidom oder internes Kondom, ist eine hormonfreie Verhütungsmethode zur Geburtenkontrolle sowie eine Option zum Schutz vor sexuell übertragbaren Erkrankungen. Es kommt bei der Anwendung zu keinem direkten Kontakt zwischen Penis und Scheiden-Schleimhaut. Als Barriereverhütung verhindern Frauenkondome, dass Spermien zur Eizelle gelangen.

Damit ist das Femidom vergleichbar mit dem Männerkondom (auch: externes Kondom). Dieses Verhüterli wird allerdings bei der Frau eingeführt und sitzt sehr locker statt fest. Obwohl es einige Vorteile hat, ist es in westlichen Ländern wie Deutschland nicht besonders verbreitet. Das liegt daran, dass es auch einige Nachteile hat.

Als Verhütungsmittel für die Vagina oder den Anus ist es nicht nur für Frauen, sondern auch für homosexuelle Männer interessant. Wie das Männerkondom ist das Femidom nur für den einmaligen Gebrauch geeignet.

Bei Bedarf lässt es sich jedoch schon mehrere Stunden vor dem Geschlechtsverkehr einführen. Wenn Du möchtest, kannst Du es aber noch während des Vorspiels einführen.

Beschreibung des Femidoms

Das interne Kondom ist ein etwa 18 Zentimeter langer, doppelt beringter und hauchdünner Plastikschlauch. Man kann ihn auch als weichen Beutel mit zwei Ringen beschreiben. Ein Ende ist offen (hier befindet sich der äußere Ring) und das andere (mit dem inneren Ring) ist geschlossen. Als Materialien kommen vor allem Polyurethan, Nitril oder synthetischer Latex zum Einsatz.

Der äußere Ring besteht aus einem anderen Material als der innere. Das liegt daran, dass beide einen unterschiedlichen Zweck erfüllen. Der Außenring muss möglichst starr sein, damit er nicht so leicht in die Körperöffnung rutscht. Gleichzeitig ist es nicht sinnvoll, wenn er zu hart ist, denn dann ist das Tragen unangenehm.

Der innere Ring ist hingegen flexibel, damit er sich einfach einführen lässt, angenehm sitzt und bei möglichst allen Stellungen an Ort und Stelle bleibt.

Geschichte des Femidoms

Es gibt Hinweise, dass es einen altertümlichen Vorläufer des Frauenkondoms gab. Darauf lässt zumindest die griechische Legende von Minos schließen. Demnach hat der mythische König von Kreta eine Frau mit einer Ziegenblase geschützt, bevor er sein „schlangenartiges Sperma“ abwarf.

Im Jahr 1907 wurde in den USA sogar ein Patent für ein internes Kondom angemeldet. Allerdings diente es nur dazu, das Sperma von Nutztieren aufzufangen, um es bei der künstlichen Befruchtung verwenden zu können. Doch erst seit den 90er-Jahren kann man moderne Femidome für Frauen kaufen.

Diese Gründe sprechen für das Frauenkondom

Du kannst Dir nicht vorstellen, warum Frauen zu Femidomen greifen sollten, wo es doch hervorragende Männerkondome gibt? Nun, diese drei Gründe machen deutlich, warum es trotzdem gut ist, diese Option zu haben.

1. Einige männliche Geschlechtspartner möchten einfach kein Kondom benutzen.

Als erstes sollte ergründet werden, warum der männliche Partner kein Kondom benutzen möchte. Sind die Gründe nachvollziehbar, kann das Femidom eine Alternative sein und einen gewissen Schutz bieten.

Mancher Mann hat vielleicht auch nur noch nicht die richtige Kondomsorte- oder Größe für sich gefunden. Für den Fall haben wir hier einige Tipps für Dich.

2. Femidome bieten eine relativ unabhängige Kontrolle der Frau über ihre Verhütung.

Das ist hilfreich, wenn sich der Partner nicht für Verhütung interessiert oder weder zuverlässig noch besonders vertrauenswürdig ist. Ein Femidom erlaubt es Frauen, sich beim Sex mehr fallen zu lassen.

3. Das Frauenkondom bietet einen gewissen Schutz vor Stealthing.

Vor allem bei einem One Night Stand kann es leider passieren, dass der Mann das Kondom unbemerkt abzieht, um Macht auszuüben. Ein Femidom kann zwar auch jederzeit aus Dir herausgezogen werden, doch die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass Du es merkst. Außerdem kannst Du mit der Hand leicht kontrollieren, ob alles noch mit rechten Dingen zugeht.

Vorteile von internen Kondomen

Das Femidom ist sofort einsatzbereit, es gibt keine Vorlauf- oder Wartezeit. Es kann aber auch bis zu acht Stunden vor dem Sex eingeführt werden. Das heißt: keine Unterbrechung zwischen Vorspiel und Geschlechtsverkehr.

Du brauchst kein Rezept, dabei schützt es ohne Hormone nachweislich vor der Empfängnis und Geschlechtskrankheiten wie HIV. Sonst schützt nur das Männerkondom doppelt. Ausnahme: HPV-Viren sind auch über Mund und Haut übertragbar.

Das Spezialkondom funktioniert auch, wenn der Penis nicht ganz steif ist. Männer, denen Kondome sonst zu eng oder gefühlsarm sind, empfinden das Femidom oft als angenehmer. Gleichzeitig führt es eventuell zu einer zusätzlichen Stimulation der Frau, wenn der äußere Ring auf der Klitoris liegt. Selbst der innere Ring kann das Empfinden steigern, indem er auf den A-Spot drückt.

In der Regel sind die Materialien gut verträglich und für Menschen mit Latexallergie unbedenklich. Meist treten keine Nebenwirkungen oder allergischen Reaktionen auf. Selten kommt es zu einem brennenden Gefühl, Ausschlag oder Juckreiz. Du hast aber verschiedene Produkte zur Auswahl, wenn Du nicht gleich auf alternative Verhütungsmittel umsteigen willst.

Das Frauenkondom scheint auch anal zu funktionieren. Doch bisher gibt es noch keine Beweise, die die Sicherheit beim Analverkehr belegen.

Nachteile von internen Kondomen

Ein häufig genannter Nachteil ist, dass die Verhütung einmal mehr an den Frauen hängen bleibt. Die Beschaffung ist teilweise teuer und aufwändig. Bevor Du Dich wirklich auf das Kondom verlassen kannst, musst Du das Anwenden erst lernen und üben.

Der Beutel kann Geräusche beim Penetrieren verursachen. Mit zusätzlichem Gleitgel lässt sich das aber gut eindämmen oder sogar verhindern. Außerdem lohnt sich das Einführen mindestens 20 Minuten vor dem Sex, damit sich die Hülle an die Schleimhäute anschmiegt und leiser ist.

Es gibt auf jeden Fall wirksamere und einfachere Mittel zur Empfängnisverhütung. Fruchtbare Frauen unter 30 und die, die sehr oft Sex haben, weichen besser auf sicherere Alternativen aus. Vor allem Kondome schützen zuverlässiger vor Geschlechtskrankheiten. Bei diesem Thema solltest Du aber bedenken, dass die perfekte Anwendung eines Frauenkondoms sicherer ist als die typische eines Männerkondoms (was das bedeutet, erklären wir gleich).

Der Pearl-Index von Femidomen

Der Pearl-Index ist ein Wert zur Beurteilung der Sicherheit von Verhütungsmitteln. Je kleiner er ist, desto sicherer ist die Methode. Der Index darf nur theoretisch verstanden werden. Er dient zur allgemeinen Orientierung und erlaubt den Vergleich mit alternativen Verhütungsmitteln.

Der Pearl-Index von Frauenkondomen liegt bei 5 bis 21. Das heißt, sie schützen gut bis schlecht – je nachdem, wie genau Du auf die perfekte Anwendung achtest.

Der Pearl-Index belegt, dass Frauenkondome häufiger als Männerkondome versagen, die einen Index von 2 bis 12 besitzen. Der Grund für diesen Unterschied ist bisher noch nicht geklärt.

Was bedeutet das?

Am Index kannst Du ablesen, dass interne Kondome bei perfekter Anwendung zu 95 Prozent wirksam sind, beim typischen Gebrauch aber nur zu 75 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Frauenkondome versagen bei 5 (perfekt) bis 25 (typisch) von 100 Frauen – pro Jahr.

Nur wenn Du die perfekte Anwendung sicherstellst, bist Du mit Femidomen mehr als doppelt so gut geschützt als beim typischen Kondom-Anwender. Bei dem werden statistisch gesehen 12 von 100 Frauen im Jahr schwanger. Es ist wichtig, den Umgang zu üben, damit Du von einem möglichst hohen Pearl-Index profitierst.

Wer eine Geschlechtskrankheit bei sich oder dem Partner vermutet, sollte sich unbedingt testen und behandeln lassen. Zur Verbesserung der Empfängnisverhütung bietet es sich außerdem an, weitere Verhütungsmethoden zu nutzen. Empfehlenswert sind die natürliche Familienplanung und Spermizide.

Einige Verhütungsmethoden darfst Du unter keinen Umständen mit dem Femidom kombinieren. Dazu zählt das Männerkondom (zwei Kondome erhöhen das Reiß- und Rutschrisiko).

So setzt Du das Frauenkondom ein

Die Anwendung ist vergleichbar mit einem Tampon. Wir geben Dir hier eine allgemeine Schritt-für-Schritt-Anleitung, damit Du Dir die Anwendung besser vorstellen kannst.

  1. Nutzt Du Femidome, lies unbedingt die Gebrauchsanleitung!
  2. Überprüfe das Verfallsdatum und den Verpackungszustand.
  3. Öffne die Verpackung vorsichtig und entnehme das Kondom.
  4. Trage innen und außen Gleitmittel auf.
  5. Drücke den inneren Ring am geschlossenen Ende zusammen und führe ihn in die Vagina ein.
  6. Schiebe den Innenring so weit wie möglich ein und lege ihn wie ein Diaphragma über den Muttermund.
  7. Der Außenring muss zwei bis drei Zentimeter über die Schamlippen hinausragen und darf nicht mit eingeführt werden.
  8. Führe einen Finger oder Dildo in das Kondom ein und kontrolliere den Sitz (innerer Ring und Beutel sollten nicht spürbar sein).
  9. Der Penis muss durch den äußeren Ring eingeführt werden. Gib vorher eventuell zusätzliches Gleitgel hinein.
  10. Prüfe gelegentlich den korrekten Sitz des Außenrings, und achte darauf, dass der Penis im Kondom ist (statt daneben).
  11. Drehe den äußeren Ring, ziehe das Kondom vor dem Aufstehen aus der Vagina und entsorge es im Restmüll.

Welches Gleitmittel für Frauenkondome?

Mit einem wasserlöslichen Gleitmittel machst Du nichts falsch, doch mit der richtigen Auswahl der Sorte kannst Du jede Art von Gleitgel verwenden.

Frauenkondom: Verfügbarkeit in Deutschland

Du möchtest selbst ein Femidom ausprobieren? In Deutschland ist es einzeln oder im Multipack erhältlich. Frag dazu in Deiner Apotheke nach oder such im Internet. Mit Preisen ab zwei bis drei Euro pro Stück ist es relativ teuer. Durch den Kauf einer größeren Packung kannst Du sparen.

Das Femidom gibt es nur in Einheitsgröße.

Spezielle Varianten

Wer möchte, kauft das Femidom mit einem integrierten Spermizid-Schwamm oder Klebebändern. Es gibt zudem verschiedene Formen des Außenrings.

Das Bikinikondom ist eine spezielle Unterwäsche mit Öffnung für ein Femidom und sicheren Verschlüssen. Das hilft, dass das Kondom nicht verrutscht. Die Unterwäsche ist jedoch schwer zu finden.

Die Spezialvariante „Rape aXe“ aus Südafrika soll der Abwehr von Vergewaltigungen dienen.

Wichtige Infos zum Mitnehmen

Das Femidom ist ein Kondom für die Frau. Es gibt zwar nur eine geringe Nachfrage, doch für manche Frauen ist das Verhütungsmittel definitiv eine Überlegung wert. Das gilt sogar, obwohl es vergleichsweise teuer ist. Das Frauenkondom entfaltet seine Vorteile, wenn Du Dich lieber selbst um den Schutz vor einer Schwangerschaft oder Geschlechtskrankheit kümmerst.

Die Sicherheit liegt zwar theoretisch unter der vom Kondom für den Mann, doch mit einer „perfekten Anwendung“ bist Du trotzdem auf der sicheren Seite. Dazu musst Du wissen, wie die sogenannten internen Kondome optimal angewendet werden. Außerdem lohnt es sich zu überlegen, ob Du das Femidom nicht mit einer weiteren Verhütungsmethode kombinierst.

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