Kann Masturbation zu Unfruchtbarkeit führen?

Masturbation führt nicht zu Unfruchtbarkeit. Wir zeigen dir, warum der Mythos nicht wahr ist.

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Kennst du all die schrägen Mythen und Gerüchte rund um das Thema Selbstbefriedigung bei Frauen (und auch Männern)? Sie soll blind, gefühllos, unfruchtbar und krank machen – aber was ist an diesen Mythen wirklich dran?

Die gute Nachricht ist: Nichts ist an all diesen schrecklichen Mythen dran, du kannst weiterhin Spaß mit deinem Womanizer haben und dich der Selbstbefriedigung hingeben. Du bist damit nicht allein, in einer Umfrage gaben 22 Prozent der Befragten an, dass sie 1 bis 3 x pro Monat selbst Hand anlegen und das ist völlig okay.

Und es gibt sogar noch bessere Nachrichten: Zumindest bei Männern wurde in einer Untersuchung nachgewiesen, dass häufige Orgasmen sogar einen positiven Einfluss aufs Immunsystem haben können.

Hormone, Hormone, Hormone – wie Mythen um die Fruchtbarkeit entstanden sind

Der Hormonspiegel hat einen enormen Einfluss auf die menschliche Fruchtbarkeit, aber auch auf die Libido im Allgemeinen. Gleichzeitig werden Hormone aber auch sehr skeptisch betrachtet. So geben 57 Prozent der Frauen in einer Umfrage an, dass sie nicht bereit sind Hormone einzunehmen, um den sexuellen Alterungsprozess aufzuhalten.

Aber welche Hormone haben überhaupt einen Einfluss auf unser Empfinden und auf die Sexualität? Das sind einige und tatsächlich wäre bei einem langfristigen Anstieg denkbar, dass die Fruchtbarkeit davon beeinflusst wird. So entstand der Mythos, dass Unfruchtbarkeit durch Masturbation ausgelöst wird.

Bei der Masturbation und dem Orgasmus wird der Hormonspiegel einiger Botenstoffe erhöht. Die Auswirkung ist aber nur kurzfristig und beeinflusst daher die Fruchtbarkeit nicht.

Diese Hormone können sich kurzfristig bei der Selbstbefriedigung verändern

  • Testosteron: Beim Sex und bei der Selbstbefriedigung wird bei Frauen Testosteron freigesetzt, welches aber keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat und schnell wieder abgebaut wird. Bei Männern ist ein Testosteron-Mangel mit einer reduzierten Spermienproduktion assoziiert. Häufig gibt es Gerüchte, dass häufiges Masturbieren den Testosteronspiegel des Mannes senkt und somit auch die Fruchtbarkeit. Auch dieser Prozess ist kurzfristig, nach sieben Tagen Enthaltsamkeit erreicht der Mann das Maximum seines Testosteronspiegels.
  • Oxytocin: Das Kuschelhormon Oxytocin ist ein Liebeshormon und wird vor allem nach dem sexuellen Höhepunkt produziert. Es wirkt beruhigend und entspannend, beeinflusst aber die Fertilität einer Frau nicht.
  • Dopamin: Dieser Botenstoff ist wichtig für den menschlichen Körper, denn er gehört zu den Glückshormonen. Er wird bei freudigen Ereignissen ausgeschüttet und kann süchtig machen. Der Dopaminanstieg nach der Masturbation ist nur kurzfristig und nicht in der Lage, die Fruchtbarkeit zu beeinflussen.
  • Prolaktin: Auch das Prolaktin, welches unter andere als „Milchhormon“ während der Stillzeit bezeichnet wird, steigt nur vorübergehend an und hat damit keinen Einfluss auf die Fertilität einer Frau.

Kann Selbstbefriedigung den Eisprung verhindern?

Kennst du das Gefühl auch? Kurz bevor dein Eisprung ansteht, hast du größere Lust als sonst während deines Zyklus? Damit bist du nicht allein, schon in einer Studie von 1987 stellten Forschende fest, dass die Libido von Frauen abhängig vom Zeitpunkt des Menstruationszyklus ist. Es zeigte sich, dass sowohl bei Frauen als auch bei Männern vor allem während der Ovulationsphase der Höhepunkt der sexuellen Aktivität erreicht wurde.

Es ist also völlig normal, wenn du häufiger zu deinem Vibrator greifst, während oder kurz bevor du deinen Eisprung erlebst. Und Auswirkungen darauf hat das absolut nicht, du kannst unbesorgt sein und einfach genießen.

Es gibt sogar auch hier eine gute Nachricht: Masturbation wird heute als natürlicher Schmerzstiller gesehen, denn die Endorphine und das Dopamin, was kurz nach dem Höhepunkt durch deinen Körper fließt, reduziert Schmerz- und Stresshormone. Wenn du also unter dem typischen Mittelschmerz und Anzeichen des prämenstruellen Syndroms rund um deinen Eisprung leidest, ist Selbstbefriedigung sogar hilfreich.

Hat Masturbation einen Einfluss auf die Befruchtung?

Der Prozess einer Befruchtung ist einfach erklärt. Wenn ein Ei im Eileiter auf die Samenzelle wartet und von ihr erreicht wird, findet die Befruchtung statt. Voraussetzung ist, dass du als Frau deinen Eisprung hattest und du zum richtigen Zeitpunkt Sex stattfand. Ob du vorher masturbiert hast, beeinflusst die Chancen auf eine Schwangerschaft keinesfalls.

Nicht jeder Versuch schwanger zu werden funktioniert sofort. Es gibt Paare, bei denen es mehrere Monate bis Jahre dauert, doch Masturbation hat hierauf keinen Einfluss.

Keine Schwangerschaft trotz Sex – was ist der Grund dafür?

Du weißt jetzt sicher, dass weder die Benutzung deiner Sexspielzeuge, noch manuelle Selbstbefriedigung einen Einfluss auf eine mögliche Schwangerschaft hat und doch klappt es nicht? Das kann viele Gründe haben und muss nicht zwangsläufig an dir als Frau liegen.

Auch heißt eine nicht stattfindende Befruchtung nicht zwingend, dass du oder dein Partner unfruchtbar seid. Manchmal passen die Umstände nicht, manchmal sind es aber auch verschiedene Faktoren, die die Qualität des Spermas herabsetzen oder dafür sorgen, dass dein Eisprung gar nicht stattfindet.

  • Ungesunde Ernährung kann die Qualität des Spermas verschlechtern.
  • Durch Rauchen und Alkoholkonsum kann eine Schwangerschaft erschwert werden.
  • Zu viel Training kann die Fruchtbarkeit bei Männern negativ beeinflussen.
  • Eine Hormonstörung kann bei Frauen den Eisprung verhindern und trotzdem eine Menstruationsblutung auslösen.

Wenn ihr schon lange „übt“ und sich einfach kein Erfolg einstellen will, sucht Kontakt zu einem Kinderwunschzentrum auf. Durch einen Hormonstatus bei euch beiden und durch Ursachenforschung ist es in vielen Fällen möglich, die Fehler zu erkennen und euch auf den Weg zur Elternschaft zu helfen.

Fazit: Keine Angst vor Selbstbefriedigung, du schadest dir damit nicht

Ein massives Problem bezüglich Mythen und Vorurteilen bei der Masturbation ist fehlende Aufklärung. So gab es im Jahr 2016 eine Studie die belegte, dass ein großer Teil der befragten Frauen Ernährung und Art des Sexualverkehrs für entscheidend bei einer vorliegenden Unfruchtbarkeit hielten.

Solche Teilaspekte spielen zwar eine Rolle, um eine wirkliche Unfruchtbarkeit auszulösen, müssen aber sehr viel mehr Faktoren eine Rolle spielen. Unwissenheit ist allerdings einer der Hauptgründe, warum es zu so vielen Gerüchten kommt, besonders wenn es um das Thema Masturbation geht. Während unsere Gesellschaft heute sehr viel Wert auf wichtige Aufklärung legt, war es noch in den 1950er Jahren schier unmöglich, Wissen zu erlangen.

Viele Menschen verzichteten seinerzeit auf Selbstbefriedigung, da sie Angst vor den Folgen und Konsequenzen hatten. Es ging dabei bei weitem nicht nur um die moralische Frage, denn Masturbation war lange Zeit auch als „unrein und schmutzig“ angesehen. Eine wichtige Rolle spielte auch die Frage nach gesundheitlichen Schäden durch Selbstliebe und die gibt es schlichtweg nicht.

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