Warum können nach dem Sex Bauchschmerzen und Unterleibsschmerzen auftreten?

Und was kannst du gegen die unangenehmen Symptome machen?

Bauch-und-Unterleibsschmerzen-nach-dem-Sex
In diesem Artikel

Sex sollte eigentlich Spaß machen. Umso fieser, wenn du danach unter Bauchschmerzen leidest, die die Freude des vorherigen Vergnügens schnell in den Schatten stellen. Aber ein Grund in Panik zu verfallen ist das erstmal nicht.

Rund 10 – 20 Prozent aller US-amerikanischen Frauen leiden nach dem Sex unter sogenannter Dyspareunie. Hinter diesem, zunächst fremdartig erscheinenden Wort, versteckt sich „Schmerz bei sexueller Aktivität“, bei der Penetration eine Rolle spielt.

Es gibt vielfältige Ursachen, die eine Dyspareunie auslösen können. Ein großer Teil davon ist harmlos, es können aber auch ernstere Beschwerden vorliegen. Bei rund 7,5 Prozent der in Groß Britannien befragten Frauen kommt es regelmäßig zu Schmerzen beim Sex, die vaginal, aber auch tiefer auftreten können.

Wir möchten dir einen Überblick verschaffen, welche Ursachen es geben kann und wann du deine Ärztin ins Vertrauen ziehen solltest. Wir möchten dir aber auch Mut machen, denn in den allermeisten Fällen lassen sich die schmerzhaften Symptome behandeln.

Die häufigsten Ursachen für Bauchschmerzen nach dem Sex

Fast jede Frau und auch viele Männer haben es mindestens einmal in ihrem Leben erlebt, dass nach dem Sex irgendwo ein „Zipperlein“ auftrat und etwas nicht so war, wie es sein sollte. Treten leichte Bauchschmerzen einmalig auf und kommen danach nie wieder, hast du sie meist nach wenigen Tagen wieder vergessen. Kommt es hingegen häufiger zu Beschwerden, solltest du hellhörig werden. Folgende mögliche Ursachen könnten dahinterstecken:

  • zu tiefe Penetration
  • Orgasmus-Schmerzen
  • Ängste, Depressionen und Anspannung
  • Luftalarm – nicht nur im Darm
  • Eine sexuell übertragbare Erkrankung
  • Erkrankungen im Bereich der Gebärmutter
  • Erkrankungen im Bereich der Harnwege

Das war zu tief – wenn die Penetration zu Schmerzen führt

Es gibt Sexstellungen, die ein tiefes Eindringen des Penis ermöglichen. Dazu gehört die Doggy-Stellung. Stößt der Penis beim Geschlechtsverkehr gegen den Muttermund, kann das zu einem unangenehmen Schmerzgefühl führen. Dieses tritt oft nicht nur beim Sex auf, sondern macht sich vor allem danach bemerkbar.

Der Muttermund ist sehr sensibel und durch häufiges „Dagegenstoßen“ kann es zur Ausbildung eines Hämatoms kommen. Harmlos, aber dennoch ziemlich fies.

Wenn dein Partner einen recht großen Penis hat und du spürst, dass du nach dem Sex Beschwerden hast, versucht es einmal mit einem Stellungswechsel. Eventuell ist es für dich angenehmer, wenn du in der Reiterstellung bestimmst, wie tief er eindringen darf.

Schmerzen nach dem Orgasmus

Du hast einen wunderbaren Höhepunkt und plötzlich – Autsch – alles schmerzt? Du hast für eine kurze Zeit das Gefühl, dass dein Unterleib und auch der Bereich um deinen Anus schmerzen? Dafür kann es verschiedene Gründe geben:

  • Du bist kurz vor deiner Menstruation
  • Du bist schwanger
  • Du hast eine Entzündung deiner Prostata
  • Du leidest unter Schmerzen deines Pelvic Muskels
  • Du hast Endometriose

Über die einzelnen Krankheitsbilder wirst du weiter unten noch mehr Informationen bekommen, insbesondere zur Endometriose, von der zahlreiche Frauen betroffen sind. Kurz vor deiner Menstruation kann es zu Beschwerden kommen, die sich in Schmerzen nach dem Sex äußern. Das Problem ist, dass die Kontraktionen nach dem Orgasmus deine Gebärmutter triggern und diese darauf mit Schmerzen reagiert. Sie entsprechen klassischen Periodenschmerzen, fühlen sich aber oft etwas stärker an.

Auch während einer Schwangerschaft sind Schmerzen nach dem Sex teilweise normal. Sorgen machen solltest du dir zunächst nicht, denn Sex in der Schwangerschaft ist fast immer erlaubt. Wenn du allerdings Blutungen bekommst oder der Schmerz unangenehm wird, suche bitte deine behandelnde Ärztin auf und lasse dich kurz durchchecken.

Wenn die Psyche Bauchweh macht

Den engen Zusammenhang zwischen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt und seelischem Kummer kannst du in diesem anschaulichen Artikel nachlesen. Daraus geht unter anderem hervor, dass sehr viele Menschen unter Darmbeschwerden leiden, wenn sie unter Angst, Anspannung oder Depressionen leiden. Gab es etwas, was den Sex für dich nicht so schön gemacht hat, wie er sein sollte? Hast du Streit mit deinem Partner oder hast dich vielleicht unwohl, unschön oder ungeliebt gefühlt?

Solche Gefühle können immer einmal auftreten und vor allem während dem Sex zu Tage treten. Sex ist eine äußerst intensive Angelegenheit und ein extremer Moment der Nähe. Wenn du allerdings unterbewusst noch etwas auf dem Herzen hast, kann das zu Beschwerden führen, die auch deinen Bauch beeinflussen.

Daher ist es wichtig, dass du bei möglichem Kummer, bei Unzufriedenheit mit deinem Sexleben oder bei Streitigkeiten mit deinem Partner offen über deinen Kummer sprichst. Treten deine Bauchschmerzen zusammen mit depressiven Gedanken oder Ängsten auf, solltest du dies ernstnehmen und auf deinen Körper hören. Vielleicht wäre es hilfreich, erst die zugrunde liegenden Probleme zu klären, bevor ihr wieder Sex habt.

Achtung Gasalarm – harmlos aber schmerzhaft

Gasansammlungen im Darm können zu fiesen Krämpfen und Schmerzen führen, dass kennt ihr wahrscheinlich alle. Weniger bekannt ist, dass Gas auch eine Rolle beim Sex spielen kann. Beim Analverkehr ist es logisch, durch die Penetration des Penis kann Luft in den Darm gepresst werden, die anschließend wieder hervorkommt.

Wenn die Luft in die Vagina gepresst wird, fühlen sich die Schmerzen anders an, da sie oft eingeschlossen wird. Vielleicht hast du schon einmal vom vaginalen „Pups“ gehört. Ein Geräusch, was durch den Luftaustritt aus der Scheide erfolgt, indem die Schamlippen in Vibration versetzt werden.

Klingt unglaublich peinlich, muss es aber gar nicht sein. Je nach Stellung ist es ganz normal, dass beim penetrativen Sex Luft in die Vagina gepumpt wird, die dann erst zu Schmerzen und später zu vaginalen Pupsen führen. Ist die Luft verschwunden, sind die Schmerzen ebenfalls weg.

Um dir Abhilfe zu schaffen kann es helfen, die Schamlippen weit auseinander zu ziehen und deinen Beckenboden anzuspannen. So unterstützt du deinen Körper, die ungewollte Luft wieder loszuwerden. Und wir alle kennen schließlich diesen einen Satz, oder? „Wer oder was keine Miete entrichtet, muss ausziehen.“ Das gilt auch für Vagina-Pupse, die sich irgendwo eingenistet haben und dich quälen.

Eine nicht bekannte STI als Ursache

Safer Sex ist wichtig, um sexuell übertragbare Infektionskrankheiten zu verhindern. Doch wenn du bereits betroffen bist, kann das zu Bauchschmerzen führen. Das tückische ist, dass manche Infektionskrankheiten erst gar keine Symptome verursachen. Dazu gehören unter anderem Chlamydien oder Gonorrhoe. Wenn du gelegentlich Beschwerden verspürst, die du nicht zuordnen kannst und zusätzlich Bauchschmerzen nach dem Sex auftreten, solltest du dich auf eine STI testen lassen, um sicher zu gehen.

Die Gebärmutter oder die Harnwege als Ursache deiner Beschwerden

Die Gebärmutter kann aus verschiedenen Gründen der Auslöser für deine Beschwerden sein. Gängige Krankheiten und Beschwerdebilder, die zu Schmerzen im Bauch nach dem Sex führen, sind:

  • Eine nicht bekannte Gebärmutterabsenkung
  • Eine vorliegende Endometriose
  • Eine Zyste in der Gebärmutter oder den Eierstöcken
  • Myome in der Gebärmutter

Ebenfalls können deine Harnwege als Auslöser für Beschwerden in Betracht kommen. Eine Harnwegsinfektion, auch als Blasenentzündung bezeichnet, ist häufig. Meist spürst du bereits Beschwerden, bevor die Bauchschmerzen nach dem Sex auftreten. Dazu gehören:

  • brennendes Gefühl beim Wasserlassen
  • schaumiger Urin (Eiweißeinlagerungen
  • rötlicher-blutiger Urin
  • Schmerzen im Rektum beim Männern (Prostatitis

Solltest du derartige Beschwerden verspüren, ist ein Besuch bei deinem Hausarzt sinnvoll, der anhand eines Urintests erkennen kann, ob eine Entzündung vorliegt.

Endometriose als Ursache für Schmerzen nach dem Sex

Da die Endometriose eine der am weitesten verbreiteten Erkrankungen der weiblichen Gebärmutter ist, möchten wir ihr ein wenig mehr Aufmerksamkeit widmen. Die Erkrankung ist gutartig, allerdings fast immer mit Beschwerden verbunden, da sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter ansiedelt und sich reaktiv verhält. Das bedeutet: Krampft die Gebärmutter, spürst du das auch an anderen Stellen, wo sich aktive Gebärmutterschleimhaut befindet.

Rund 82 Prozent der von Endometriose betroffenen Frauen sind besorgt aufgrund ihrer Symptome, bei immerhin 47 Prozent ist die Partnerschaft durch die Symptome beeinträchtigt.

Eines der Symptome von Endometriose sind Schmerzen im Bauch, im Unterleib und in der Hüfte. Nach dem Sex können die Schmerzen verstärkt auftreten. Weitere Symptome sind:

  • Starke Menstruationsblutungen mit Schmerzen
  • Starke Blutungen außerhalb der Periode
  • Schmerzen beim Wasserlassen und beim Stuhlgang

Diese Studie zeigt dass rund 50 Prozent aller Frauen mit Endometriose unter Dyspareunie (Schmerzen beim Sex) leiden. Wenn es also nicht nur einmalig vorkommt, sondern du immer wieder mit Bauchkrämpfen nach dem Geschlechtsverkehr zu kämpfen hast, ist es ratsam, deine Ärztin aufzusuchen.

Zysten der Gebärmutter und Eierstöcke harmlos, aber belastend

Wir hatten es oben schon erwähnt, daher hier noch einmal ein etwas genauerer Einblick. Zysten und Myome in der Gebärmutter oder auch im Bereich der Eierstöcke sind harmlos. Sie werden oft als Zufallsbefund beim Ultraschall entdeckt und machen nicht immer Beschwerden. Doch auch wenn die meisten Zysten überhaupt nicht bemerkt werden, können besonders große Exemplare nach dem Sex zu Problemen führen. Diese umfassen dann allerdings mehr als nur Bauchschmerzen. An Zysten solltest Du immer denken, wenn nach dem Geschlechtsverkehr Übelkeit, Erbrechen und auch Blutungen auftreten.

Was du tun solltest, wenn du Schmerzen nach dem Sex hast

Selbstverständlich fühlst du dich beunruhigt, wenn du plötzlich nach der schönsten Nebensache der Welt Schmerzen hast und vielleicht dadurch sogar Angst vor Sex bekommst. Die gute Nachricht ist: Es gibt Abhilfe. In fast jedem Fall kann deine Gynäkologin dir helfen, die Schmerzen zu regulieren. Wenn die harmlosen Ursachen wie „Gas in der Vagina“, „zu tiefe Penetration“ oder eine „falsche Stellung“ Schuld daran sind, kannst du das Problem selbst lösen.

Sollte dir auffallen, dass die Schmerzen nur dann auftreten, wenn dein Partner kein Kondom benutzt, solltest du hellhörig werden. Diese Studie zeigt, dass rund 40 – 50 Prozent aller Frauen allergisch auf das Sperma des Mannes reagieren. Der Grund liegt vermutlich im prostataspezifischen Antigen, auch als PSA bezeichnet. Hast du keine Beschwerden, wenn dein Partner ein Kondom verwendet, solltest du dies unbedingt mit deiner Ärztin besprechen.

Bei einer Unverträglichkeit gegenüber der Spermien deines Partners, kannst du zwei Methoden nutzen, um dieses Problem zu beheben. Zum einen besteht die Möglichkeit, immer ein Kondom zu verwenden und so den Übertritt des Spermas in deinen Körper zu verhindern. Zum anderen besteht aber auch die Möglichkeit, eine medizinische Desensibilisierung durchzuführen. Das ist wichtig, wenn du gern schwanger werden möchtest, aber keine Spermien in deinem Körper verträgst.

Wann ein Arztbesuch unerlässlich wird

Zum Arzt geht wahrscheinlich niemand von uns wirklich gern. Wenn es um „da unten“ geht, ist das dann gleich nochmal so schlimm. Aber Ärztinnen und Ärzte sind da, um zu helfen. Und Schmerzen nach dem Sex sind kein Tabuthema, für das du dich schämen musst. Die Sorge, dass deine Ärztin denken könnte, du wärst beim Sex einfach zu wild, ist unbegründet. Mediziner*innen wissen genau, welche Ursachen für Bauchweh nach dem Sex in Frage kommen. Dein Weg zur Untersuchung ist unerlässlich wenn:

  • Schmerzen nach dem Sex sehr stark auftreten und dich beeinträchtigen
  • Du Zwischenblutungen hast, deine Periode stärker oder schmerzhafter geworden ist oder du Beschwerden beim Wasserlassen hast
  • Bauchkrämpfe auch außerhalb vom Sex auftreten, sich aber genauso anfühlen, wie nach dem Sex
  • Du als Mann Schmerzen im Damm verspürst oder sich die Stärke deines Urinstrahls verändert hat
  • Du Fieber bekommst, was über 38 ° ansteigt

Oft harmlos, aber nicht zu verharmlosen – Bauchweh nach dem Sex

Bauchschmerzen nach dem Sex sind oft harmlos, das ist aber kein Grund, das Phänomen nicht ernstzunehmen. Wenn dein Körper dir einen Hinweis gibt, sollte dies deine Aufmerksamkeit heraufbeschwören.

In vielen Fällen haben sich die Beschwerden schon nach wenigen Minuten aufgelöst, zum Beispiel wenn die Luft mit einem lauten „Pfffffft“ aus deiner Vagina zischt und du mit hochrotem Kopf deinem Partner erklärst, dass du beim kuscheligen Nachspiel im Bett nicht gepupst hast. Aber wenn die Beschwerden länger andauern und sich nicht auflösen lassen, sei deinem Körper dankbar, dass er dir Signale sendet. Denn viele Krankheiten können gut behandelt werden, wenn du sie erkennst.

War der Artikel hilfreich?