Stumpfen wir durch Pornografie ab? Was Experten und Studien uns sagen

Forscher haben in einer Studie davon berichtet, dass der regelmäßige Konsum von Pornos das Gehirn schrumpfen lässt.

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Pornos sind in aller Munde oder besser gesagt, auf beinahe jedermanns Handy. Der Zugriff ist heute so problemlos möglich, wie der Zugang zum Internet. Wer online ist, kann Pornos schauen und das ganz, ohne dafür zu bezahlen oder irgendwie seine Identität preisgeben zu müssen.

Die älteren unter euch werden es vielleicht noch kennen: Der verschämte Blick, wenn man sich langsam der FSK18-Ecke in der Videothek näherte oder wenn man den Zeitschriftenhändler nach der FSK18-Version der legendären Erotikzeitung fragte.

Für heutige und nachfolgende Generationen gibt es solche Hürden nicht mehr, Pornos kann jeder sehen, nicht einmal der Jugendschutz wird dabei besonders ernstgenommen. Was aber macht diese breite Verfügbarkeit mit uns? Einer Umfrage zufolge sind junge Männer überzeugt davon, dass Pornos impotent machen können!

Ist das wirklich möglich? Macht der Konsum von Pornos nicht nur scharf, sondern lässt uns mehr und mehr abstumpfen? Wir haben verschiedene Studien zu diesem Thema gefunden und möchten dir einen Einblick geben, was der Pornokonsum wirklich auslösen kann.

Pornos lassen das Gehirn schrumpfen

Forscher haben in einer Studie davon berichtet, dass der regelmäßige Konsum von Pornos das Gehirn schrumpfen lässt. Natürlich nicht bildhaft, allerdings ist das Belohnungszentrum betroffen. Mittels MRT Untersuchung wurden insgesamt 65 Männer in einer Altersgruppe von 21 – 45 Jahren untersucht. Bei sämtlichen Untersuchten, die sich selbst zu den häufigen Pornokonsumenten zählten, war das Striatum (ein Teil des menschlichen Belohnungssystems, wodurch auch die Libido gesteuert wird) verkleinert.

Erstaunlicherweise korreliert diese Untersuchung mit einer weiteren Studie, die sich das Gehirn von Kokainsüchtigen angeschaut hatte. Hier wurde berichtet, dass das Belohnungszentrum bis um das zehnfache vergrößert war.

Ein vergrößertes, ausgeleiertes Belohnungszentrum hat zur Folge, dass mehr Reiz benötigt wird, um die gewünschte Befriedigung zu erlangen. Bei einer Kokainsucht muss daher in regelmäßigen Abständen die Menge des konsumierten Kokains gesteigert werden, um den Abhängigen in den gewünschten Rauschzustand zu versetzen.

Eine Schrumpfung des Belohnungszentrums, wie sie bei übermäßigem Pornokonsum augenscheinlich stattfindet, lässt hingegen das Gefühl der Befriedigung generell abnehmen. Es wird nicht nur mehr Konsum benötigt, um Befriedigung zu erlangen, sondern die erlangte Befriedigung ist nicht mehr oder gar nicht mehr erfüllend! Somit erklärt sich auch, warum Pornokonsum immer wieder in Symbiose mit der erektilen Dysfunktion genannt wird.

Höher, schneller, weiter – Tabus weichen auf

Extreme Pornos sind für jene, die selten konsumieren, eher abstoßend. Auch unter der Berücksichtigung bestimmter Fetischneigungen kann gesagt werden, dass Bereiche wie Natursekt, Kaviarkonsum und ähnliche Extreme bei den meisten Menschen als ekelhaft gelten. Im Rahmen dieser Studie konnte herausgefunden werden, dass sich das Konsumverhalten von Männern ändert!

49 Prozent der Probanden gaben zu, dass sie gelegentlich nach Sexpraktiken suchten, die sie selbst für ekelerregend hielten. Die aus Belgien stammende Studie gab außerdem Hinweise darauf, dass nicht nur die Erektionsfähigkeit, sondern auch die sexuelle Gesamtzufriedenheit signifikant abnahm, wenn der Pornokonsum gesteigert wurde.

Problematisch: Wie auch diese Studie zeigt, nimmt das Bedürfnis nach Sex durch häufigen Pornokonsum sogar eher stark zu. Die Befriedigung und teilweise auch die Funktionsfähigkeit allerdings nehmen ab, was du starker Frustration beim Betroffenen führen kann.

Zusammenfassend halten diese beiden Studien fest das:

  • Mehr Pornografie die Gefahr einer Erektilen Dysfunktion erhöht
  • Die Lust auf Befriedigung ansteigen kann, während die Erektionsfähigkeit abnimmt
  • Die Befriedigung selbst als nicht befriedigend erlebt wird
  • Die Wahl der Pornos ins Extreme übergehen kann

Extremisierung der Inhalte

In dieser Studie wurde unter anderem darauf eingegangen, dass sich Männer sehr schnell an gewisse visuelle Stimuli gewöhnen und das zu einer Veränderung des Suchverhaltens führen kann. Ein gesunder junger Mann, der sich laut der Studie mehrmals den gleichen Pornofilm anschaut, gewöhnt sich an die Inhalte und reagiert nicht mehr so stark darauf, wie zuvor.

Der Reiz wird somit zunehmend als weniger erregend, weniger anregend und weniger stimulierend erfunden. Zwanghaftes sexuelles Verhalten hat nun zur Folge, dass nach Neuheiten gesucht wird und dass diese Neuheiten oft nicht mehr auf dem gleichen Level zu finden sind, wie die zuvor konsumierten Filme. Um das ganze in eine veranschaulichte Sprache zu bringen könnte man behaupten, dass jemand, der zuvor Vanilla-Pornos angeschaut hat, später dazu übergeht, BDSM-Pornos anzuschauen, deren Brutalität immer weiter steigt.

Schon 1986 wurde in einer Studie nachgewiesen, dass der häufige Konsum von sogenannter Vanilla-Pornografie (Pornofilme mit seichten Inhalten, Softcore) zu einem verstärkten Konsum von Hardcore-Pornos führte. Während der Untersuchung erhielt eine Gruppe aus weiblichen und männlichen Probanden über einen Zeitraum von sechs Wochen täglich eine Stunde gewaltfreie Pornos zum Konsum.

Nach Abschluss der sechswöchigen Konsumphase bekamen alle Probanden die Möglichkeit, selbstständig nach Pornos zu suchen, die ihrem Gusto entsprechen würden. Das Interesse an Vanilla-Filmen hatte signifikant abgenommen, es wurde gehäuft zu aggressiven und brutalen Fetischpornos gegriffen. Bei den weiblichen Probandinnen waren die Extreme weniger stark ausgeprägt, am stärksten waren sie in der Gruppe der männlichen, nicht studierten Teilnehmer vorhanden.

Die Korrelation zwischen erektiler Dysfunktion und Pornokonsum

Schon mehrmals wurde in Studien das Thema der erektilen Dysfunktion, in Korrelation mit steigendem Pornokonsum aufgegriffen. Diese Studie befasst sich noch einmal explizit mit der Auswirkung des Pornokonsums auf die sexuelle Funktionsfähigkeit. Grund für die Analyse ist das gehäufte Auftreten sexueller Störungen bei zunehmend jungen Menschen.

Die Ärzte der Studie berichteten von drei männlichen Soldaten, die in Folge des andauernden Pornokonsums sexuelle Funktionsstörungen zeigten. Zwei der Betroffenen waren in der Lage ihre Probleme zu behandeln, indem sie auf den Konsum von Pornos verzichteten. Der dritte Mann war nicht in der Lage zu verzichten, die Störungen bestanden fort.

Wie schon obige Studien nahelegten, äußerte auch einer der Soldaten einen typischen Verlauf. Zunächst fand die Stimulation mit sogenannten Softpornos statt, später wandelte sich das Bild und er griff häufiger zu Fetischpornos und härteren Inhalten.

Ein weiterer Soldat äußerte zudem, dass sexuelle Kontakte mit seiner Frau durch den steigenden Pornokonsum weniger anregend wurden und es zu partnerschaftlichen Schwierigkeiten kam. Er war, laut eigener Aussage, kaum noch in der Lage eine Erektion zu bekommen, um Geschlechtsverkehr auszuüben.

Leidest du unter einer Pornosucht?

Wichtig ist zu wissen, dass nicht alle Frauen und Männer, die gern Pornos konsumieren, auch zwangsweise unter einer Pornosucht leiden. Selbst in der gemeinsamen Partnerschaft können Erotikfilme eine Bereicherung sein.

In Anbetracht aller genannter Studien scheint der Verdacht nahezuliegen, dass die Extremität des Videomaterials signifikante Auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeit einer Sucht hat. Symptome, an denen du eine Pornosucht bei dir selbst erkennen kannst sind unter anderem:

  • Steigender Konsum von Pornos, bis hin zu mehrmals täglich
  • kontinuierlich härtere Inhalte, von Soft, über BDSM, bis hin zu illegalen Inhalten
  • Mehr Zeitaufwand für Masturbation mit Pornos, Vernachlässigung des Privatlebens
  • Weniger Spaß an echter Sexualität, möglicherweise Erektionsstörungen
  • Entzugserscheinungen, Aggressivität, Zwanghaftigkeit beim Verzicht auf Pornos
  • Scham für das eigene Konsumverhalten, wenig Spaß an der Masturbation

Die gute Nachricht ist allerdings, dass du einer Pornosucht nicht schutzlos ausgeliefert bist und es Möglichkeiten gibt, wie du dein Sexleben auch ohne Pornos spannend und abwechslungsreich gestalten kannst. Einige Experten gehen nämlich davon aus, dass erst sexuelle Unzufriedenheit dazu führt, dass der Griff zum Porno als Abhilfe genutzt wird.

3 Wege, wie Masturbation und Sex auch ohne Porno Spaß machen

Je länger die Partnerschaft andauert, desto mehr Alltag kehrt im Bett ein. Diese gefühlte Langeweile kann dazu führen, dass Pornos eine größere Rolle im Sexualleben spielen, mit all den oben in Studien nachgewiesenen Folgen. Auch Solosex kann, bei einer fehlenden Partnerschaft, langfristig frustrierend sein und dazu führen, dass der Porno als Ausflucht genutzt wird. Doch die folgenden fünf Tipps sollen dir dabei helfen, ganz ohne visuelle Stimulation mehr Spaß in dein Sexleben zu integrieren.

Sexspielzeuge für besseren Solosex

Die Sextoy-Industrie fokussiert sich heute nicht mehr nur auf Frauen, sondern auch auf Männer und Paare. Du findest riesige Angebote mit Produkten, zugeschnittenen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse.

Während für Solo-Frauen vor allem Angebote wie der Womanizer, zur klitoralen Stimulation, der G-Punkt-Vibrator, zur Penetration oder der Rabbit-Vibrator, als Kombination aus beidem interessant sind, nutzen Männer gern Masturbatoren wie die Fleshlight oder auch Prostatavibratoren, für mehr Abwechslung beim Solosex.

Mehr Aufregung im Bett bei Paaren

In einer langfristigen Partnerschaft kommt fast immer irgendwann der Punkt, wo Sexualität zur Gewohnheit geworden ist. Doch es gibt Abhilfe, die an euch selbst liegt.

Ihr könnt euer Sexleben mit Toys, wie zum Beispiel dem Paarvibrator bereichern, aber auch einfach einmal etwas frischen Wind in die Beziehung bringen. Tauscht euch aus über eure Fantasien, veranstaltet einen erotischen Spieleabend, lest euch gegenseitig erotische Romane vor oder fahrt einfach einmal für ein Wochenende in ein romantisches Hotel, um euch gemeinsam wiederzufinden!

Masturbations-Pause als Hilfe für die Zukunft

Vielleicht hast du schon einmal vom No Nut November gehört, dem Internetphänomen, bei dem Männer einen Monat lang nicht masturbieren. Es muss nicht November sein, um von dieser Maßnahme zu profitieren.

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Pornokonsum überhandnimmt und du wieder Spaß am Sex haben möchtest, kann dir diese Form der Abstinenz dabei unterstützend helfen. Es muss natürlich kein ganzer Monat sein, schon eine Woche ohne Masturbation kann dein Sexverlangen neu booten und dir helfen, einer Pornosucht vorzubeugen.

Fazit: Pornosucht wachsendes Problem, mit Abhilfemöglichkeiten

Tatsächlich scheint die Wissenschaft einem Phänomen auf der Spur zu sein. Die Anzahl junger Menschen, die in problematischer Weise zum Porno greifen, steigt. Die Verfügbarkeit ist auf allen Kanälen geboten und aufgrund des mangelnden Jugendschutzes ist selbst für Minderjähre der Zugriff bedauerlicherweise möglich.

Die gute Nachricht aber ist, dass bei strenger Abstinenz von erotischem Bildmaterial eine Heilung in vielen Fällen möglich ist. Liegen ursächliche Erkrankungen oder Störungen zugrunde, ist eine Therapie selbiger oft die Basis zur Heilung. Noch einmal zur Erinnerung: Du musst keine Panik haben, wenn du dann und wann gern einen Porno konsumierst. Entscheidend ist, ob dir Masturbation mit Pornos Lust verschafft, oder ob du zunehmend unter einer starken Frustration leidest und dich die Filme, die du bislang mochtest, nicht mehr stimulieren können.

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