Alles, was Du über Voyeurismus wissen musst

Von der Lust, andere Menschen zu beobachten

Voyeurismus-Erklaerung
In diesem Artikel

Das attraktive Pärchen von nebenan treibt es ganz ungeniert vor seinem gut einsehbaren Wohnzimmerfenster. Da geht es wild zur Sache: Doggy-Style, ein wenig Cunnilingus hier, ein schneller Blowjob da und Sextoys dürfen natürlich auch nicht fehlen – was für eine Show!

Wer würde da nicht mal einen kurzen Blick riskieren, wenn sich ihm eine derartig pikante Szene direkt vor der Nase bietet? Einigen Männern, aber auch Frauen, geht es jedoch gerade und stets darum, andere Personen nackt oder beim Sex zu beobachten, selbst wenn diese sich nicht offenherzig vor dem Fenster zeigen, sondern sich im Gegenteil in einer sehr privaten Situation befinden. Hierdurch erfahren sie eine ungemeine Erregung. Diese Männer und Frauen werden auch als Voyeure bzw. Voyeurinnen bezeichnet. Was sich genau hinter diesem Begriff verbirgt, klären wir in diesem Artikel.

Was bedeutet Voyeurismus?

Das Wort “Voyeurismus” stammt aus dem Französischen und leitet sich von dem Verb “voir” für “sehen” oder “voyeur” für eine sehende Person ab. Ein Voyeur/eine Voyeurin ist also jemand, der durch das heimliche Anschauen von Menschen, die Sex haben, sich entkleiden oder Masturbieren, sexuell erregt wird.

Zu einem Kontakt zwischen Voyeur/Voyeurin und Beobachtetem kommt es im Normalfall nicht, denn der Reiz des Voyeurismus liegt gerade darin, sich anderen nicht zu offenbaren. Auch entsteht durch die Gefahr des Entdecktwerdens eine große Spannung. Die Vorstellung, dass sie tatsächlich jemand erwischt, erschreckt jedoch die meisten Voyeure/Voyeurinnen.

Gründe für die Entstehung einer voyeuristischen Neigung sind vielfältig und noch nicht gänzlich wissenschaftlich ergründet. So kann es sein, dass ein Voyeur/eine Voyeurin etwa aufgrund einer erektilen Dysfunktion, Behinderung oder sonstigen Krankheit selbst keine Sexualität ausleben kann und daher in die Rolle des/der Beobachtenden schlüpft. Auch mangelndes Selbstbewusstsein oder Beziehungsangst können Voyeurismus bestärken.

Was machen Voyeure genau?

Obwohl tendenziell mehr Männer als Frauen zum Voyeurismus neigen, gibt es natürlich auch weibliche Spanner. So beispielsweise Iris, die sich im Jahre 2006 bei “Domian” meldete und diesem von ihrer Neigung erzählte: “Ich gehe gerne in Swingerclubs und guck da gerne anderen zu.” So besuche die 47-Jährige derartige Etablissements gerne allein, mit FreundInnen oder Blind Dates, um im schwarzen Minikleidchen Paare beim Akt zu beobachten.

“Ich habe mich davor kaum mal an den FKK-Strand getraut”, so die bekennende Voyeurin. “Ich habe im Swingerclub eine Frau kennengelernt (…) Ich hab mich gar nichts getraut am Anfang und sie hat mich einfach an die Hand genommen und gesagt, du kommst jetzt mit. Sie machte das an, dass ich zuguckte, und mich machte das Zugucken an. Und das habe ich dann gemerkt, dass das viel schöner ist, als selber irgendwas zu tun.”

Zwei weitere Frauen erzählten dem Talkmaster zudem, dass sie Opfer von Voyeuren wurden. In diesem Zusammenhang entdeckte Ingrid bzw. ihr Schwiegersohn in spe, dass der Vermieter ihrer Ferienwohnung in einer Wanduhr Kamera und Mikrofon versteckt hatte, um seine Feriengäste zu beobachten. Bettina wurde dahingegen ganz ohne Hilfsmittel bespannt. Der Voyeur, der sie heimlich beobachtete, stand vielmehr im Verborgenen vor ihrer Terrassentür, was Bettina dadurch bemerkte, dass sich Fußspuren in ihren Beeten abzeichneten und plötzlich Streichhölzer in den Jalousien steckten. Während Ingrid den Vermieter anzeigte, hat sich Bettina in ihren Spanner verliebt und führt nun mit ihm eine Beziehung.

Der 60-jährige Hans ist dahingegen selbst ein Voyeur und hat jahrelang die Gäste eines großen Hotels beobachtet. “Ich bin dann jeden Tag hingegangen, von zehn Uhr abends bis zwei in der Früh oft. (…) Da sind 20 Zimmer, das sind 40 Fenster, und in jedem Raum ist oft was abgelaufen. Jetzt habe ich ein Überangebot gehabt”, lacht der Österreicher.

Im Verlaufe der Zeit hat Hans natürlich zahlreiche voyeuristische Episoden erlebt, von einer schwangeren Frau, die es mit einem sehr jungen Mann getrieben hat, bis hin zu einem Hotelgast, der sich eine Colaflasche anal einführte. “Der Lusteffekt ist der Folgende”, so der Voyeur. “Die Spannung, die aufgebaut wird, dadurch, dass man ja immer in Gefahr schwebt, entdeckt zu werden.”

Voyeurismus ist also in zahlreichen verschiedenen Formen denkbar. Bist Du auch schon mal auf den Gedanken gekommen, dass es ganz schön heiß wäre, andere Personen beim Sex zu beobachten?

Ist Voyeurismus strafbar?

Anders als für Exhibitionismus, bei welchem es darum geht, sich selbst nackt oder bei sexuellen Handlungen zu präsentieren, existiert für den Voyeurismus kein eigener Straftatbestand. Wer also “nur” spannt, wird nach deutschem Strafrecht nicht bestraft.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass Voyeurismus keinerlei juristische Konsequenzen nach sich zieht. Wenn eine Handlung über das reine Beobachten hinausgeht, kann es sehr wohl zu strafrechtlichen Konsequenzen kommen.

So wurde diskutiert, dass in einigen Fällen der Tatbestand der Beleidigung nach § 185 StGB erfüllt sein könnte. Insbesondere ging es hier um die Situation des sogenannten “Upskirtings”. Hierbei filmt oder fotografiert ein Voyeur einer unbedachten Frau unter den Rock.

Eine Beleidigung würde allerdings eine “Kundgabe der Missachtung” erfordern. In vielen Fällen ist ein Voyeur jedoch heimlich unterwegs und äußert seine sexuellen Gedanken gerade nicht. Auch das Fotografieren unter den Rock stellt keine separate herabsetzende Bewertung des Opfers dar. Aus diesem Grund scheidet eine Bestrafung eines Voyeurs/einer Voyeurin aufgrund beleidigenden Verhaltens im Normalfall aus.

Wir sind jedoch noch nicht am Ende mit unserem Latein, denn häufig greift der Tatbestand des § 201a StGB, welcher die “Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen” unter Strafe stellt.

Wenn ein Voyeur/eine Voyeurin also andere Personen filmt oder Fotos von ihnen anfertigt, obwohl sich diese in einem geschützten Bereich wie in ihrer Wohnung oder in einer Umkleidekabine befinden, dann kann er/sie mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden.

Da sich gerade Praktiken wie Upskirting jedoch zumeist in der Öffentlichkeit abspielen, hat der Gesetzgeber zudem den § 184k StGB eingeführt. Bestraft wird also auch, wer heimlich Fotos von Genitalien, Po oder Busen anfertigt, auch wenn dies in einem Shoppingzentrum oder in der Bahn geschieht. Hier würde oftmals zudem eine Ordnungswidrigkeit wegen “Belästigung der Allgemeinheit” gemäß § 118 Abs. 1 OWiG vorliegen.

Unter Umständen entstehen auch zivilrechtliche Ansprüche. Dies bedeutet, dass das Opfer des Voyeurismus den Voyeur auf Unterlassen, Schadensersatz und/oder Schmerzensgeld verklagen kann.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Voyeurismus allein zwar im Normalfall keine strafrechtlichen Konsequenzen in Form einer Gefängnisstrafe auslöst. Jedoch kann es sicherlich zu Geldbußen oder Schmerzensgeldansprüchen kommen. Wird zudem gefilmt oder fotografiert, so greifen doch strafrechtliche Normen. Voyeurismus sollte also nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Wie kann ich meine voyeuristische Seite am besten ausleben?

Da Voyeurismus zwar keine hohen Strafen nach sich zieht, jedoch eine starke Grenzüberschreitung für den/die Beobachtete/n darstellt und für Voyeure/Voyeurinnen selbst mit Schamgefühlen und Ängsten behaftet sein kann, solltest Du diese Vorliebe mit Bedacht ausleben. Glücklicherweise gibt es einige Möglichkeiten, Dich voyeuristisch zu betätigen, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, andere Menschen zu verstören oder Dich schäbig zu fühlen.

Besuche einen Swingerclub:

Ein perfekter Ort, um Fetische und Kinks jeglicher Art auszuleben, ist ein Swingerclub. Hier begegnen sich gleichgesinnte Männer und Frauen, die allein, zu zweit oder in Gruppen Sex haben oder sich einfach über erotische Themen unterhalten möchten.

Häufig sind auch exhibitionistische Paare oder Singles dabei, also Menschen, die es erregt, wenn sie beim Sex oder Masturbieren von anderen beobachtet werden. Dies ist natürlich perfekt für Dich, denn so kannst Du auf ganz unkomplizierte Weise Deiner voyeuristischen Neigung frönen. Achte jedoch darauf, dass das Paar auch wirklich beobachtet werden will. Wenn ja, hast Du freie Bahn und sicherlich eine Menge Spaß.

Voyeurismus 2.0:

Eine große Chance, sich legal und unentdeckt voyeuristisch zu betätigen, bietet das Internet. Hier kannst Du beispielsweise auf Plattformen wie “JoyclubPaaren beim Sex, Männern bei der Masturbation oder Singledamen beim lustvollen Spiel mit einem Vibrator zuschauen.

Genau genommen ist das Beobachten im Internet jedoch keine richtige Form des Voyeurismus, da nichts heimlich geschieht und auch die Gefahr des Entdecktwerdens nicht besteht. Trotzdem ist es aufregend, echten Menschen bei erotischen Handlungen zuzusehen. Zudem ist es vielleicht auch eine Erleichterung zu wissen, dass nicht plötzlich die Polizei oder das Ordnungsamt anrücken könnte.

Lebe Deine Leidenschaft mit Deinem Partner/Deiner Partnerin aus:

Wenn Du eine spezielle sexuelle Vorliebe wie etwa einen Fußfetisch hast und diese unbedingt ausleben willst, dann solltest Du Deinen Partner/Deine Partnerin mit ins Boot holen.

Natürlich ist es gerade anfangs etwas beklemmend, sich seinem Schatz gegenüber zu offenbaren. Doch wenn Deine Fantasie erst einmal auf dem Tisch liegt und Deine Liebste/Dein Liebster damit kein Problem hat, dann könnt Ihr Euch gemeinsam überlegen, wie Ihr sie am besten umsetzt und in Euer Sexleben einbaut.

Sollte Dein Partner/Deine Partnerin Deiner voyeuristischen Ader also durchaus etwas abgewinnen können, dann bitte ihn/sie doch beispielsweise, vor Deinen Augen zu masturbieren. Die ersten Male kostet dies vielleicht Überwindung, doch mit der Zeit habt Ihr sicherlich beide großen Spaß dabei. Dein Schatz könnte sich außerdem in der Dusche genüsslich einseifen, während Du durch den Türschlitz schaust, oder zwischendurch einfach mal nackt durch die Wohnung laufen.

Findet Gleichgesinnte:

Wenn Ihr zudem offen für Neues sowie Sex mit anderen Menschen seid, dann kontaktiert doch über diverse Plattformen ein weiteres Pärchen, welches ebenfalls eine exhibitionistische/voyeuristische Ader hat.

Ein weiterer Gedanke wäre, nur eine weitere Person für einen flotten Dreier zu finden. Dieses Konstrukt funktioniert am besten, wenn Dein Partner/Deine Partnerin ebenfalls eine bestimmte Vorliebe hat und diese auch gerne ausleben möchte.

Wenn also Dein Liebster/Deine Liebste beispielsweise bisexuell ist und gerne mal Sex mit einem anderen Mann/einer anderen Frau hätte, dann stimme diesem Wunsch doch zu, denn so hast Du die einmalige Möglichkeit, die beiden beim intimen Liebesspiel aus nächster Nähe zu beobachten – eine Win-Win-Situation.

Muss ich zum Psychologen, wenn ich eine voyeuristische Ader habe?

Es kommt darauf an, wie stark Deine voyeuristische Neigung ausgeprägt ist. Üblicherweise unterscheiden Mediziner und Psychologen zwischen Voyeurismus und voyeuristischen Störungen. Bei Letzteren handelt es sich um Paraphilien, also um Störungen der Sexualpräferenzen, die mithilfe von Verhaltenstherapien oder Medikamenten behandelt werden können.

Harmlose voyeuristische Neigungen haben sehr viele Menschen; Schätzungen gehen von 35-47 % aus. Wenn Du also ab und zu mal einen Porno schaust oder auch gebannt vor einem offenen Fenster stehenbleibst, weil dort gerade ein Pärchen miteinander zugange ist, dann musst Du Dir sicherlich keine Sorgen machen, dass Du eine psychische Störung hast.

Etwas anderes gilt dann, wenn Du über einen längeren Zeitraum hinweg stets voyeuristische Fantasien hast und diese Dein Leben zunehmend bestimmen. Wenn Du darüber hinaus bereits von der Polizei erwischt worden bist oder Menschen, die Du beobachtet hast, verstört oder gefährdet hast, dann besteht Handlungsbedarf. Überlege also, ob Deine Neigung einen negativen Einfluss auf Dein oder das Leben anderer hat. Wenn Du diese Frage mit “ja” beantworten musst, dann solltest Du einen Psychologen aufsuchen.

Fazit – Heiße Blicke auf nackter Haut. Eine gute Idee?

Eine ganz hervorragende Idee, wenn es einvernehmlich geschieht. Das Beobachten fremder Paare beim Sex oder dem Partner/der Partnerin beim Masturbieren zuzuschauen, kann tatsächlich einen enormen Lustgewinn darstellen. Auch erotische Clips oder Filme regen die Fantasie an und könne Dich daher in die richtige Stimmung versetzen. Gerade für Frauen oder Männer, die beim Vorspiel oder Sex nur schwer abschalten können, sind visuelle Reize häufig nicht zu unterschätzen.

Am besten wäre es jedoch, wenn Du passiven Voyeurismus mit aktiver Intimität verbindest. Schaue also nicht nur zu oder stehe daneben, wenn andere Spaß haben, denn so schürst Du Beziehungsängste oder Vertrauensprobleme. Auch das Anschauen zu vieler Pornos kann sich mit der Zeit negativ auf Dich und Deine Libido auswirken. Genieße heiße Blicke auf nackter Haut also mit Bedacht und baue sie nur von Zeit zu Zeit in Dein aktives Sexleben mit ein. So wird die Spannerei zur entspannten Leidenschaft.

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