Alles, was Du über Exhibitionismus und exhibitionistische Neigungen wissen musst

Viel mehr als notgeile Männer in Trenchcoats

Exhibitionismus
In diesem Artikel

Bei dem Wort „Exhibitionismus“ denkst Du sicherlich an notgeile Männer im Trenchcoat, die hinter dunklen Straßenecken lauern und dort auf Fußgängerinnen warten, um ihnen ihr bestes Stück zu präsentieren.

Tatsächlich gibt es diese nicht einvernehmliche Variante des Exhibitionismus, die für Dich wahrscheinlich in keinster Weise erregend ist. Die sexuelle Neigung hat aber auch eine nicht zu verachtende Kehrseite. So ist es für manche Menschen ein wahrer Genuss, wenn sie beim Sex oder beim Masturbieren von anderen Personen beobachtet werden – natürlich freiwillig und einvernehmlich auf beiden Seiten. Die bewundernden, hungrigen und lüsternen Blicke anderer oder gar fremder Menschen geben ihnen einen echten Kick. Wäre das nicht auch eine Fantasie, die Du gerne ausleben möchtest?

Was bedeutet Exhibitionismus?

Der Begriff „Exhibitionismus“ stammt vom lateinischen Wort „exhibere“, welches „zeigen“ bedeutet, ab.

Ein/Eine ExhibitionistIn empfindet also sexuelle Lust dadurch, dass er/sie seine/ihre Intimzone (Penis, Hoden, Vulva, Vagina, Analbereich, Brüste, Po) vor anderen Menschen entblößt. Auch Geschlechtsverkehr oder Masturbieren vor ZuschauerInnen kann Teil einer exhibitionistischen Neigung sein.

Landläufig ist Exhibitionismus eher als eine Vorliebe bekannt, bei welcher der/die ExhibitionistIn sich Fremden aufdrängt. Dies muss jedoch nicht sein. Es gibt auch einvernehmlichen Exhibitionismus/Voyeurismus, bei welchem sowohl der zuschauende als auch der sich entblößende Part sexuelle Befriedigung empfindet, beispielsweise in Swingerclubs.

Welche Arten von exhibitionistischen Neigungen gibt es?

Viele Menschen stellen sich Exhibitionisten als Perverslinge, die schreckhaften Damen ihren Lümmel zeigen, vor. Tatsächlich sind exhibitionistische Neigungen jedoch in verschiedensten Formen denkbar. Wahrscheinlich hast sogar Du eine gewisse exhibitionistische Ader. Hierbei geht es allerdings nicht unbedingt um sexuelle Erregung, sondern eher darum, sich leicht bekleidet oder in anzüglichen Posen zu präsentieren.

  • Flitzer – Menschen, die zumeist leicht bekleidet oder nackt über ein Fußballfeld rennen oder auf eine Showbühne stürmen. Hierbei steht nicht die sexuelle Komponente im Vordergrund, sondern es dreht sich häufig einfach um Spaß, Aufmerksamkeit oder einen ernstgemeinten Protest.
  • Teilnahme an bestimmten Events wie Mardi Gras, Christopher Street Day, brasilianischer Karneval etc. – Im Falle von Mardi Gras (Faschingsdienstag) lüften feierwütige Frauen auf der berüchtigten Bourbon Street in New Orleans ihre Shirts und zeigen ihre Brüste (Flashing), um Perlenketten zugeworfen zu bekommen.
  • FKK (Freikörperkultur) – Sich frei fühlen, eins mit der Natur sein, simpler leben – gerade in Deutschland hat die Freikörperkultur eine lange Geschichte. Besonders im ehemaligen Osten erfreute sich FKK größter Beliebtheit, denn Nacktsein am Strand oder in bestimmten Naherholungsgebieten war eine willkommene Abwechslung zum strikten DDR-Regime. Aber auch heutzutage frönen viele Deutsche noch immer der Freikörperkultur. So wurden an zahlreichen Seen oder Stränden spezielle FKK-Zonen eingerichtet, die auch Du gerne besuchen darfst – natürlich nur im Adamskostüm!
  • Sexting – Diese neue Art des Flirtens und Anmachens funktioniert mithilfe eines Handys oder Laptops. Üblicherweise werden heiße Textnachrichten hin und her geschickt. Du kannst mit Deinem Smartphone aber auch filmen oder fotografieren, wie Du gerade einen Vibrator oder Dildo benutzt, und dies dann Deinem/r Liebsten schicken. Achte jedoch darauf, dass diese intimen Daten nicht in falsche Hände geraten!
  • Sex in der Öffentlichkeit/Parkplatzsex – Für viele Menschen ist es eine reizvolle Fantasie, im Freien oder an öffentlichen Orten Sex zu haben. Hierbei geht es vor allem um das Prickeln, welches dadurch entsteht, dass man erwischt werden könnte. Auch dies gehört zum Spektrum exhibitionistischer Gelüste. Hierbei sollte jedoch stets im Auge behalten werden, dass eine Strafanzeige erfolgen kann, wenn man doch mal auf frischer Tat ertappt wird.
  • Flotter Dreier/Gruppensex – Manche Menschen haben nicht nur mit ihrem Partner/ihrer Partnerin Sex, sondern führen Praktiken wie Analsex, Handjobs oder Rollenspiele gerne auch mit einem oder mehreren anderen Personen aus. Hierbei sind zwangsläufig zahlreiche Augenpaare auf die eigenen Geschlechtsteile gerichtet, sodass ebenfalls eine exhibitionistische Komponente involviert ist.
  • Swingerclub – Wer Sex in der Öffentlichkeit zu heikel findet, jedoch Gruppensex oder Sex vor/mit anderen Menschen nicht abgeneigt ist, findet in den zahlreichen deutschen und europäischen Swingerclubs eine perfekte Spielwiese zum Ausleben exhibitionistischer Neigungen.

Du bist nicht allein: Exhibitionistische Neigungen sind gar nicht so selten. WissenschaftlerInnen aus Schweden fanden heraus, dass immerhin 3,1 % der 2450 Befragten schon mal sexuelle Erregung dabei empfanden, einem völlig Fremden ihr Geschlechtsteil zu präsentieren.

Ist Exhibitionismus strafbar?

§ 183 StGB stellt „Exhibitionistische Handlungen“ unter Strafe. „Der Gesetzgeber sagt eben, man müsse den Einzelnen – nicht die Allgemeinheit, ganz wichtig – den Einzelnen vor aufgedrängter Konfrontation mit Sexualbetätigung schützen. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass dabei Schäden beim Opfer entstehen könnten“, erklärt Rechtsanwalt „Herr Anwalt“ auf seinem YouTube-Kanal.

Allerdings gilt dies nicht, wenn Frauen sich entblößen, denn § 183 StGB bezieht sich nur auf Männer. Ziehen diese vor einer anderen Person aus sexuellen Beweggründen blank und fühlt sich diese hierdurch belästigt, empfindet also etwa Scham, Ekel oder Entsetzen, so kann dies mit einer Geld- oder sogar mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden.

Übrigens: Wenn Dir jemand ein Bild von seinem Penis per Smartphone schickt – auch Dickpic genannt – dann ist dies keine exhibitionistische Handlung nach § 183 StGB, denn diese verlangt, dass Du und der Schwanzträger sich an demselben Ort befinden. Jedoch könnte dieses Verhalten nach § 184 I Nr. 6 StGB strafbar sein. Denn auch die „Verbreitung pornographischer Inhalte“ hat der Gesetzgeber unter Strafe gestellt.

Natürlich bedeutet oben Gesagtes jedoch nicht, dass Frauen in der Öffentlichkeit ganz ungeniert die Hüllen fallen lassen dürfen, ohne dass dies in irgendeiner Form rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Auch für Frauen gilt nämlich der § 183a StGB, welcher die „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ unter Strafe stellt. Darüber hinaus kommt auch eine Geldstrafe über §§ 118 i. V. m. 17 OWiG in Betracht, wenn das jeweilige exhibitionistische Verhalten als Ordnungswidrigkeit eingestuft wird.

Exhibitionismus ist also tatsächlich strafbar, wenn Du Deinen nackten Körper anderen Menschen aufdrängst. Wenn Du Dich jedoch gerne beim Sex beobachten lässt und der/die Beobachtende hiermit völlig einverstanden ist, so ist dies selbstverständlich kein Vergehen.

In Deutschland wurden im Jahre 2020 8808 Fälle exhibitionistischer Handlungen und Erregung öffentlichen Ärgernisses polizeilich erfasst, im Jahre 2021 8174 Fälle.

Ist Exhibitionismus eine Krankheit?

Exhibitionismus kann eine Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung in Form einer Paraphilie (Störung der Sexualpräferenz) darstellen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass alle Menschen mit exhibitionistischen Neigungen psychisch krank sind. Vielmehr kommt es auch darauf an, dass ein/eine ExhibitionistIn aufgrund ihrer Neigung einen großen Leidensdruck verspürt und sein/ihr Leben hierdurch beeinträchtigt wird.

Von einer Störung sprechen ExpertInnen außerdem dann, wenn der/die ExhibitionistIn sich nackt gegenüber Menschen gezeigt hat, die dies nicht wollten, er/sie also eine Straftat begangen hat.

Wenn Du Deine Vorliebe jedoch mit Menschen ausübst, die hierdurch ebenfalls Lust empfinden, und Du dabei keinerlei Gefühle wie Scham, Frust oder Unwohlsein verspürst, dann bist Du sicherlich nicht krank oder gestört.

Ist Exhibitionismus mit Voyeurismus vergleichbar?

Voyeurismus ist ebenfalls eine sexuelle Vorliebe, die jedoch quasi die Gegenseite des Exhibitionismus darstellt. Beim Voyeurismus geht es nämlich darum, andere Menschen zu beobachten. Der/Die VoyeurIn wird also beispielsweise dadurch sexuell erregt, dass er/sie anderen Personen beim Sex oder beim Masturbieren zuschaut. In diesem Sinne hat eigentlich jeder eine voyeuristische Neigung, der/die sich Pornofilme anschaut.

Manche Voyeure empfinden zudem einen besonderen Kick darin, andere Menschen heimlich zu beobachten. Sie „spannen“ beispielsweise in Schwimmbädern, Saunen, an FKK-Stränden oder vor Umkleidekabinen. Nicht-einvernehmlicher Voyeurismus ist – anders als der nicht-einvernehmliche Exhibitionismus – kein eigener Straftatbestand. Allerdings kann es zu einer Bestrafung etwa nach § 201a StGB kommen, wenn der/die VoyeurIn unerlaubt Fotos von einer nackten Person schießt, obwohl sich diese in einem geschützten Bereich befindet.

Spanner, die Dich heimlich fotografieren, solltest Du also meiden. Andererseits, Du benötigst natürlich einen/eine VoyeurIn, um Deine exhibitionistische Neigung ausleben zu können. Du hast Glück. Einer kanadischen Studie aus dem Jahre 2007 zufolge zeigten sich viele Männer und Frauen der Idee, andere Menschen beim Sex zu beobachten, durchaus nicht abgeneigt. Immerhin 70 % der männlichen und 40 % der weiblichen Befragten gaben zu, eine voyeuristische Ader zu haben.

Wie kann ich/können wir meine/unsere exhibitionistischen Neigungen am besten ausleben?

  • Besucht einen Swingerclub
  • Macht Euch durch Sexting oder anzügliche Videochats heiß
  • Nutzt die neusten Technologien wie ferngesteuerte Vibratoren und filmt Euch dabei
  • Geht in die Sauna
  • Geht raus in die Natur, in den Wald, an den Strand und habt dort leidenschaftlichen Sex
  • Verlasst das Schlafzimmer, aber nicht die Wohnung, und treibt es vorm offenen Fenster, auf dem Balkon oder in Eurem Whirlpool
  • Habt Sex in der Wohnung Eurer Schwiegereltern, Freunde oder Arbeitskollegen
  • Lauft in Eurer Wohnung nackt herum
  • Trefft Euch mit anderen willigen Paaren zum Gruppensex
  • Lasst Euch (im Freien) nackt fotografieren
  • Posiert als Aktmodels im Rahmen eines Kunstkurses
  • Nehmt an sogenannten NIP-Veranstaltungen Teil (nude in public)
  • Stript oder habt Sex vor einer WebCam

Fazit – Zeige Dich, wie Gott Dich schuf

Exhibitionismus hat viele Facetten und kann ausgelebt werden, ohne gleich die Polizei auf den Plan zu rufen. Wenn auch Du eine Vorliebe dafür hast, dass lüsterne Augenpaare auf Deinem nackten Körper ruhen, dann ist dies also keine Neigung, die Du für immer verstecken musst. Suche Dir beispielsweise in Swingerclubs Gleichgesinnte und präsentiere Dich vor Ihnen völlig unbedeckt.

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