Kann man vom Lusttropfen schwanger werden?

Wie risikoreich ist das Präejakulat wirklich und wie kannst du dich schützen?

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Schwanger durch den Lusttropfen? Das geht doch gar nicht, oder? Doch. Das geht sehr wohl und wir verraten dir auch, wieso es keine Ejakulation braucht, um Schwanger zu werden.

Was ist denn nun eigentlich der Lusttropfen?

Bevor ein Mann einen Samenerguss hat, sondert sein Penis bereits Flüssigkeit ab. Den sogenannten Lusttropfen, auch als Pre-Ejakulat bekannt. Die meisten Menschen gehen stark davon aus, dass dieser keine lebensfähigen Spermien enthält und so eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist.

Eine interessante Studie zeigt aber, dass rund 16,7 % bewegliche Spermien schon im Lusttropfen enthalten sein können. Eine weitere spannende Untersuchung hat sich mit dem Anteil der Proben beschäftigt, die lebensfähige Spermien enthielten. Von 40 untersuchten Proben waren 11 mit Spermien durchzogen. Darüber hinaus besagt diese Studie, dass rund 18 % der Frauen schwanger werden, wenn sie ein Jahr lang mit Coitus interruptus (Penis vor der Ejakulation rausziehen) verhüten.

Du siehst also schon anhand dieser drei Studien und Untersuchungen, dass Präejakulat durchaus für eine Schwangerschaft verantwortlich sein kann.

Woher kommt die Annahme, dass der Lusttropfen nicht schwanger macht?

Wieso aber ist die Anzahl derer so hoch, die nicht an eine Schwangerschaft durch den Lusttropfen denken? Experten gehen davon aus, dass mangelnde Aufklärung hier mitunter schuld sein könnte. So haben bei einer Umfrage unter türkischen Frauen 42 % angegeben, dass sie mit „rausziehen“ verhüten.

Nach einer umfangreichen Aufklärung durch medizinisches Personal veränderten 73,8 % der Frauen ihre Verhütung und stellten auf klassische Methoden um.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch diese Studie, die klar macht, dass Frauen (aber auch Männer), die mit Coitus interruptus verhüten, fest von der Wirksamkeit überzeugt sind. Mehr noch: Es zeigte sich klar, dass Bildungsgrad oder sozialer Stand keinen Einfluss darauf hatten, ob der Lusttropfen als Gefahr gesehen wurde oder nicht.

Die Jugend denkt übrigens ähnlich, wie diese Umfrage eindeutig bewies. So hielten rund 18 Prozent der befragten afroamerikanischen Jugendlichen Coitus interruptus für eine sichere Verhütungsmethode. Es bestand aber allgemeine Einsicht bezüglich des nicht vorhandenen Schutzes einer übertragbaren Geschlechtskrankheit.

Lässt sich der Lusttropfen unterdrücken?

Praktisch wäre es schon, wenn du den Lusttropfen einfach unterdrücken könntest, um deine Partnerin damit vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen. Funktioniert aber nicht. Grund ist, dass du ihn nicht steuern kannst. Semen Retention oder auch die Verzögerung des Orgasmus ist mit Training möglich. Der Lusttropfen kommt aber einfach, und zwar ohne, dass du hierauf einen Einfluss hast.

Und jetzt? Jetzt ist klar, warum in Deutschland tatsächlich nur 2% aller Frauen und Männer angeben, dass sie mit „rausziehen“ verhüten. Die Gefahr, nicht nur eine Geschlechtskrankheit zu bekommen, sondern ungewollt schwanger zu werden, ist bei guter Aufklärung einfach zu hoch.

Rausziehen besser als nichts?

Ein sehr heikles Thema ist die Frage, ob Coitus interruptus besser ist als gar nicht zu verhüten. Klar, hier kann nur mit „Ja“ geantwortet werden. Doch besser als Coitus interruptus ist es, keinen Sex zu haben, wenn du kein Kondom dabei hast oder die Pilleneinnahme vergessen wurde. Wenn du nach Alternativen suchst, gibt es sie:

Sind wir mal ehrlich: Es gibt keinen Grund „mal eben“ auf die Verhütung zu verzichten, weil gerade kein Kondom zur Hand ist. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass du durch den Lusttropfen schwanger wirst, weit geringer ist als bei einer vollen Ejakulation, besteht die Möglichkeit und das könnte dich vor ungeahnte Aufgaben stellen.

Kein Eisprung = keine Schwangerschaft?

Du hast gerade keinen Eisprung, also ist eine Schwangerschaft durch den Lusttropfen praktisch ausgeschlossen? Nicht ganz. Spermien sind ziemlich zäh und überlebensfähig, zumindest einige von ihnen. Befinden sich im Präejakulat genau solche Spermien, können sie sich bis zu fünf Tage in deinen Eierstöcken einnisten und sich die Zeit vertreiben, bis eine befruchtungsfähige Eizelle bereitsteht. Und dann heißt es: Auf sie mit Gebrüll.

Theoretisch (aber wirklich nur theoretisch) wäre also ungeschützter Sex (wenn ihr beide auf STI getestet seid) unmittelbar nach deiner Periode sicher. Aber in der Praxis kann es immer wieder zu Verschiebungen des Zyklus, zu einem verfrühten Eisprung oder einer Rechnungspanne (Eisprungrechner) kommen und die Gefahr einer ungewollten Schwangerschaft ist da.

Ich habe es getan – was nun?

Die Lust war zu groß und ihr habt „rausgezogen“, aber sonst nicht verhütet. Vorwürfe machst du dir wahrscheinlich nun selbst genug, wir sparen uns das, sondern verraten dir lieber, welche Möglichkeiten du jetzt hast.

Bis zu fünf Tage nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr kannst du als Frau die sogenannte „Pille Danach“ einnehmen. Sie ist nicht als Verhütungsmittel zu verstehen, kann aber verhindern, dass sich eine befruchtete Eizelle in deinem Uterus einnistet. Fälschlicherweise wird hier oft von einer „Abtreibung nach dem Sex“ gesprochen.

Das ist ein Vorurteil. Wenn du die Pille danach einnimmst, treibst du nicht ab, sondern verhinderst, dass überhaupt eine Einnistung stattfindet. Und an dieser Stelle möchten wir auch gern erwähnen, dass auch ein Schwangerschaftsabbruch dein gutes Recht ist und wir der Meinung sind, dass hier jede Frau ganz alleine für sich entscheiden sollte, was sie möchte. Dennoch: Die Pille danach ist kein Schwangerschaftsabbruch und kann als Notfallmaßnahme nach dem ungeschützten Sex eingesetzt werden.

Pille danach – ist das gut für mich?

Wir setzen auf Ehrlichkeit und daher möchten wir dir offen sagen, dass die Einnahme der Pille danach zwar recht sicher eine Schwangerschaft verhindert, aber mit Nebenwirkungen zu rechnen ist. Entscheidend ist, dass du rechtzeitig mit der Einnahme beginnst.

Auch wenn das Kondom beim Sex eingerissen ist, kann es hilfreich sein, diese Sonderform der nachträglichen Verhütung zu verwenden. Du bekommst die Pille danach in Deutschland rezeptfrei in der Apotheke oder kannst sie dir vom medizinischen Notfalldienst geben lassen. Die Nebenwirkungen, mit denen du rechnen musst, sind:

  • Übelkeit und Erbrechen nach der Einnahme
  • Magenschmerzen und Unwohlsein
  • Starke Müdigkeit und Schwindel
  • Kopfschmerzen und Schmerzen in der Brust

Unsicher ob du schwanger bist? Das kannst du jetzt tun.

Du liest gerade mit Schweiß auf der Stirn diesen Ratgeber und stellst fest, dass du möglicherweise durch den Lusttropfen deines Partners schwanger geworden sein kannst? In diesem Fall hilft es dir, die Ruhe zu bewahren und, je nach Zeitpunkt eures Geschlechtsverkehrs, einen Schwangerschaftstest durchzuführen.

Den erhältst du in der Apotheke und kannst ihn ab dem ersten Tag deiner Menstruation (wenn sie ausbleibt) anwenden. Es gibt auch sogenannte Schwangerschafts-Frühtests, die bereits drei Tage vor eigentlichem Periodentermin angewandt werden können. Der Unterschied bei diesen Tests ist, dass sie deutlich sensitiver auf HCG reagieren, das Schwangerschaftshormon, was im Urin und im Blut nachweisbar ist.

Verwende für einen Test idealerweise den Morgenurin, da er konzentrierter ist. Wenn du ein positives Resultat hast, solltest du deine Frauenärztin aufsuchen. Ist der Test negativ, wiederhole ihn nach 2 – 3 Tagen, wenn deine Periode immer noch ausbleibt. Bleibt der Test negativ, suche zur Sicherheit dennoch deine Ärztin auf, um alle Eventualitäten auszuschließen.

Fazit: Schwanger mit Lusttropfen ist möglich

Wir wissen zwar nicht genau, wie viele sogenannte „Lusttropfen-Kinder“ es weltweit gibt, doch wir wissen, dass das Präejakulat zu einer Schwangerschaft führen kann. Das gilt übrigens auch beim Petting, wenn der Lusttropfen an deinen Vaginaeingang gelangt. Es gilt also nicht nur den Kontakt zwischen Samenerguss und Scheide zu vermeiden, sondern auch den Kontakt zwischen Lusttropfen und Vagina.

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