Diese wirkungsvollen Verhütungsmethoden gibt es für Männer

Viele Möglichkeiten gibt es nicht.

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Verhütung schützt vor Schwangerschaften und im besten Fall vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Daher geht der Schutz beim Sex Frauen wie Männer an. In vielen Hetero-Beziehungen bleibt die Verhütung jedoch als körperliche, mentale und emotionale Belastung an den Frauen hängen.

Zumindest einige Männer lehnen die Verantwortung nicht ab. Wenn Du hier liest, gehörst wohl auch Du dazu! Doch wenn Du als Mann nach Verhütungsmitteln suchst, die Du selbst anwenden kannst, sieht es düster aus: Zurzeit gibt es gerade einmal zwei Optionen.

Welche beiden Möglichkeiten haben Männer und was musst Du bedenken? Die gute Nachricht: Wissenschaftler arbeiten zurzeit an neuen Verhütungsmitteln für Männer. Welche vermutlich bald verfügbar sind und welche angekündigten Optionen leider schon wieder verworfen wurden, erfährst Du hier.

Der Unterschied: Schwangerschaften und STIs vorbeugen

Fast alle Verhütungsmethoden sind ausschließlich dazu gedacht, eine Schwangerschaft zu verhindern. Die Pille und die Kupferspirale sind bekannte Beispiele dafür. Doch selbstverständlich möchten sich die meisten Menschen auch nicht mit sexuell übertragbaren Krankheiten (englisch: Sexually Transmitted Infections, STI) wie Chlamydien oder Syphilis anstecken.

Wer Sex hat (inklusive Analsex und Blow Jobs) und dabei Geschlechtskrankheiten ausschließen möchte, muss daher ein Kondom oder Femidom (Frauenkondom) benutzen. Zum Glück beugen sie auch sehr zuverlässig Schwangerschaften vor. Beim Oralsex bei der Frau schützt hingegen ein Lecktuch (Dental Dam).

Egal welche Verhütungsmethode Du als Mann auch auswählst: Wenn weder Kondom noch Femidom im Spiel sind, ist die Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit möglich.

Fertilitäts-Unterschiede bei Frau und Mann

Frauen sind nur wenige Tage im Monat fruchtbar, nämlich rund um ihren Eisprung. Das gilt auch nur in den Jahren zwischen der ersten Periode bis zu den Wechseljahren. Meist bricht die Fortpflanzungsfähigkeit allerdings schon ab 35 drastisch ein. Ab 40 ist sogar eine künstliche Befruchtung nur noch selten erfolgreich und ab 45 nahezu ausgeschlossen.

Frauen

Theoretisch müssten Frauen nur an ihren fruchtbaren Tagen verhüten, wenn sie sich kein Kind wünschen. Faktisch nehmen viele von ihnen aber trotz Nebenwirkungen jahrelang die Pille oder andere hormonelle Verhütungsmittel, die die Reifung der Eizelle und damit den Eisprung verhindern.

Geschlechtsreife Männer produzieren jeden Tag Millionen von Spermien. Für die Befruchtung ist allerdings grundsätzlich nur ein einziges gesundes Spermium erforderlich. Sofern ihre Spermienqualität einigermaßen erhalten bleibt, sind Männer ab dem ersten Samenerguss bis ins hohe Alter fertil genug, um Kinder zu zeugen.

Der älteste Vater der Welt war 96 Jahre alt, als sein zweites Kind gezeugt wurde. Sein erstes kam nur zwei Jahre zuvor auf die Welt.

Männer

Männer müssen jedes Mal verhüten, wenn sie mit einer Frau an ihren fruchtbaren Tagen Vaginalsex haben. Doch jedes Spermium benötigt etwa 64 Tage bis zur Reife. Würde man ähnlich wie bei Frauen die Spermiogenese (Reifung der Spermien) bei regelmäßig sexuell aktiven Männern verhindern wollen, müssten sie an jedem Tag verhüten.

Die biologische Uhr bei Männern

Was viele Menschen nicht ahnen: Bei den meisten Männern tickt ebenfalls eine biologische Uhr ihrer Fertilität – nur etwas anders als bei Frauen.

Spermien werden in den Hoden aus Stammzellen gebildet, dabei teilen sie sich immer wieder. Dadurch altern sie: Bei einem 50-Jährigen hat eine Spermien-Stammzelle schon ungefähr 600 Teilungen hinter sich. Mit jeder Teilung steigt die Fehleranfälligkeit, wodurch Erbgutschäden in den Spermien wahrscheinlicher werden.

Von älteren Männern gezeugte Kinder haben deshalb ein doppelt bis vierfach erhöhtes Risiko für Krankheiten, Entwicklungsstörungen und Fehlbildungen. Dazu zählen unter anderem Hirntumore, Blutkrebs, Trisomie-21, Autismus und Schizophrenie. Es kommt außerdem häufiger zu Frühgeburten. Unabhängig von der Schwangerschaftsdauer kommt es häufiger zu niedrigeren IQs als bei den Kindern jüngerer Väter.

Sogar die werdenden Mütter sind gefährdeter: Sie erkranken häufiger an Schwangerschaftsdiabetes. Bei Männern ab 45 tritt die Erkrankung um 28 Prozent häufiger auf. Ab 55 Jahren steigt das Risiko um weitere sechs Prozentpunkte.

Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, um seiner Fruchtbarkeit als Mann endgültig einen Riegel vorzuschieben? Zumindest die Samenbanken nehmen ab 40 Jahren keine Spenden mehr an. Endgültige Verhütungslösungen könnten in diesem Alter also sinnvoll sein.

Gründe für den Verhütungsmittel-Mangel für Männer

Männer sind theoretisch jeden Tag fruchtbar, so dass beim ungeschützten Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft herauskommen könnte. Schon allein deswegen müsste sie das Thema Verhütung eigentlich mehr beschäftigen als Frauen. Doch weil sie selbst nicht schwanger werden und die Mütter traditionell für die Kinder verantwortlich sind, ist möglicherweise bei vielen von ihnen das Bewusstsein nicht besonders ausgeprägt.

In Deutschland ändert sich das langsam: Männer entscheiden sich oft klar für oder gegen Nachwuchs und kümmern sich mit Hingabe um ihre Kinder. Bei Scheidungen wünschen sie sich immer öfter das Sorgerecht. Selbst einige derjenigen Männer, denen es eigentlich völlig egal ist, ob Sexpartnerinnen von ihnen Kinder bekommen, greifen häufiger zur Verhütung. Es ist möglich, dass sie ansonsten Unterhalt für das Kind zahlen müssen (wenn das Verhütungsmittel versagt oder die Frau trotz Absprache darauf verzichtet hat).

Manche Männer wollen wohl auch nicht selbst Hormone nehmen, den Aufwand betreiben oder andere Einschränkungen in Kauf nehmen. Die Nachfrage nach Verhütungsmitteln für Männer fällt also eher gering aus.

Unabhängig von individuellen Beweggründen ist die Biologie (hundert Millionen Spermien am Tag) ein weiterer Grund, der die Entwicklung wirkungsvoller Verhütungsmittel für Männer behindert. Eine „Pille für den Mann“ müsste die Spermiogenese ständig unterdrücken – und zwar jeden Tag, rund um die Uhr. Unmöglich sind solche Medikamente nicht, es gibt sie nur noch nicht.

Das sind Deine (zurzeit) einzigen Verhütungs-Optionen

Tatsächlich hast Du als Mann nur zwei Möglichkeiten, um selbst zu verhüten – einmal abgesehen vom sehr unzuverlässigen Coitus interruptus, Trockensex und der Enthaltsamkeit: Kondome und die Vasektomie. Immerhin haben beide Optionen bestechende Vorteile. Ein Pluspunkt ist, dass sie jeweils einen recht vorzeigbaren Pearl-Index haben.

Der Pearl-Index

Der Pearl-Index ist eine theoretische Maßzahl für jedes Verhütungsmittel. Er verrät, wie zuverlässig und sicher die Methode pro Jahr Schwangerschaften verhindert. Ein optimaler Wert liegt unter 1. Indices unter 5 gelten ebenfalls noch als gut. Zum Vergleich: Ohne Verhütungsmittel Sex zu haben, bedeutet einen Pearl-Index von 85.

Eine wichtige Eigenschaft des Index ist, dass Du an ihm ablesen kannst, wie oft die Verhütungsmethode statistisch versagt. Bei einem Pearl-Index von 1 würde pro Jahr eine von 100 Frauen trotz Anwendung schwanger werden.

Kondome als Verhütungsmittel

Kondome haben einen Pearl-Index zwischen 2 und 12. Damit versagen sie in mindestens zwei von 100 Fällen pro Jahr. Das ist ziemlich viel, wenn Du bedenkst, dass viele Menschen mehrmals pro Woche Sex haben. Die hohe Versagerquote geht vor allem auf folgende Fehler zurück:

  • falsche Lagerung: zu heiß, zu kalt, zerknautscht oder in der Sonne
  • Defekte: Kondom ist gerissen, perforiert oder vom Penis abgerutscht
  • überschrittenes Haltbarkeitsdatum: es liegt meist bei vier bis fünf Jahren
  • Anwendungsfehler: falsches Aufsetzen und Überrollen oder Luft in der Spitze
  • Spezialfall Latexkondom: durch fetthaltige Substanzen (z. B. Massageöl) werden sie porös

Leider sind Fehler im Umfang mit den „Verhüterli“ weit verbreitet, wie Studien bestätigen. Beachtest Du einige Tipps gehörst Du aber nicht zu denen, bei denen das Kondom versagt.

Aber keine Panik: Da der Pearl-Index nur theoretisch ist, solltest Du ihn eher als Orientierungswert verstehen. Richtig angewendete Kondome gelten insgesamt als sehr sicheres Verhütungsmittel und sind daher immer eine gute Idee.

Es gibt zahlreiche Varianten, die sich in Größe, Farbe, Struktur oder Geschmack unterscheiden, sodass jeder die richtige findet. Sie werden in vielen Geschäften (u. a. Supermarkt, Drogerie, Tankstelle) und im Internet angeboten. Dabei sind sie sehr günstig: Zum Teil sind sie bereits für wenige Cent pro Stück erhältlich.

Manche Präservative enthalten sogar Spermizide, die für zusätzlichen Schutz sorgen. Spermizide (Pearl-Index 3 bis 21) töten Spermien chemisch ab, wobei sie auch separat ohne Kondom zu haben sind.

Glücklicherweise haben Kondome kaum Nachteile. Manche Menschen reagieren allergisch, dann handelt es sich um Latexkondome. Kaufe dann einfach welche aus Polyurethan (PUR), Polyisopren (PI) oder spezialbehandeltem Naturdarm. Manche Männer mögen wegen des speziellen Gefühls und dem Geruch keine Kondome.

Die Vasektomie als Verhütungsmethode

Durch eine Vasektomie kannst Du Dich vollständig sterilisieren lassen. Du bist anschließend dauerhaft unfruchtbar (Pearl-Index: 0,1). Wenn es Dir nur um den Schutz vor Schwangerschaften geht, ist dies die zuverlässigste Methode überhaupt. Sofern Geschlechtskrankheiten ausgeschlossen sind, musst Du nie wieder verhüten.

In einer einfachen Operation werden Deine Samenleiter im Hodensack durchtrennt, umgeschlagen oder verödet. Das klingt schlimmer, als es ist. Im folgenden Video wird eine Live-OP einer Vasektomie gezeigt. Vielen Männer nehmen die harmlosen Bilder die Angst.

Die Vasektomie hat kaum Nachteile oder Risiken. Das liegt vor allem daran, dass die OP ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird. Ein Nachteil ist, dass Du die Kosten von etwa 500 Euro selbst tragen musst.

Unterschätze nicht, dass die Wirkung wirklich nachhaltig ist: Eine Vasektomie lässt sich nur sehr selten rückgängig machen, daher solltest Du sie nur dann in Anspruch nehmen, wenn Du Dir wirklich sicher bist, dass Deine Familienplanung abgeschlossen ist.

Lässt Du Dein Sperma vor der OP einfrieren, kannst Du auch später noch Kinder zeugen.

Ausblick in die Zukunft

Bald wird die Auswahl an Verhütungsmitteln für Männer voraussichtlich etwas größer. Heiße Hodenbäder, die Pille für den Mann und Testosteron-hemmende Spritzen alle zwei Monate gehören vermutlich nicht dazu.

Ein implantierter Schalter an den Samenleitern könnte hingegen die Zukunft sein. Mit solchen Ventilen könntest Du Deine Fruchtbarkeit mit einer mehrwöchigen Zeitverzögerung ein- und ausschalten.

Eine ähnliche Möglichkeit ist das Einspritzen eines verschließenden Hydrogels in die Samenleiter. Das Gel blockiert den Durchgang, sodass Dein Sperma spermienfrei ist. Mit einem „Gegenmittel“ soll es sich wieder auflösen lassen. Der Eingriff wäre damit reversibel.

Sonstige Tipps zur Verhütung für Männer

Fürsorgliche Partner sollten die Frau beim Verhüten unterstützen, sofern weder Kondom noch Vasektomie in Frage kommen. Doch was kannst Du tun? Hier sind die besten Tipps:

  • beteilige Dich an den Kosten
  • begleite sie zum Frauenarzt
  • übernimm den Gang in die Apotheke
  • denk mit an die tägliche Einnahme der Pille
  • achte mit darauf, dass Rezepte nicht verloren gehen
  • hilf bei der Suche nach besser verträglichen Alternativen
  • informiere Dich über Anwendung und Wirkung gängiger Verhütungsmittel
  • verschaffe Dir Wissen über den Menstruationszyklus

Wichtige Infos zum Mitnehmen

Die Verhütung für Männer ist ein übersichtliches Thema: Mit Kondomen und der Vasektomie ist es zurzeit leider vollständig. Dabei haben beide Methoden trotzdem ihre Vorteile. Kondome schützen zusätzlich vor Geschlechtskrankheiten und die Vasektomie bietet eine besondere Zuverlässigkeit.

Innovativ denkende Wissenschaftler aus aller Welt sind zurzeit auf der Suche nach neuen Verhütungsmethoden, die der Mann anwenden kann. Dabei konzentriert man sich vor allem auf hormonelle Wirkstoffe und das temporäre Verschließen der Samenleiter.

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