Keine Hebamme. Nirgends.

von Barbara Streidl

Eine Frau ist schwanger. Wo wird sie ihr Kind zur Welt bringen – Im Kreißsaal eines Krankenhauses, in einem Geburtshaus oder zuhause? Ob diese Wahlmöglichkeiten auch künftig zur Verfügung stehen, hängt von der Bundesregierung ab. Denn für Hebammen könnte es bald zu teuer werden, sich auf das Risiko Geburt einzulassen: die Haftpflichtprämie, die für jede selbstständige Geburtshelferin Pflicht ist, soll im Sommer 2012 wieder erhöht werden.

Wenn sich Hebammen Geburten nicht mehr leisten können, wirkt sich das auf Geburtshäuser und kleine Kliniken aus, die häufig freiberufliche Geburtshelferinnen beschäftigen – und es betrifft auch Frauen, die sich für eine Hausgeburt entschieden haben.

Geburten werden für Hebammen zu teuer

Mithelfen, wenn ein Kind zur Welt kommt – das geht schon seit knapp 20 Jahren nicht mehr ohne Absicherung: Seit den Neunzigern muss jede freiberufliche Hebamme eine Haftpflichtversicherung abschließen. Diese Versicherung kostet derzeit bis zu 4600 € pro Jahr – bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 7,50 €.

In Zahlen bedeutet das: Eine Hausgeburt benötigt gut und gerne 13 Stunden Hebammeneinsatz. Bei den angekündigten Erhöhungen müsste eine freiberufliche Hebamme also bei knapp 50 Entbindungen dabei sein, allein um die Versicherung zu bezahlen. Was erklärt, warum seit gut zwei Jahren 20 Prozent der geburtshelfenden Hebammen ihre Tätigkeit eingestellt haben – es ist unbezahlbar.

Zukunftsdialog als letzte Chance

Der Verein Hebammen für Deutschland hat einen Zukunftsdialog mit der Kanzlerin online gestellt, der noch bis zum 15. April unterzeichnet werden kann. Über 64.000 Stimmen hat der Dialog schon gesammelt. Dort heißt es: „Die Politik sollte die Möglichkeiten der natürlichen, außerklinischen Geburt fördern und den freiberuflichen Hebammen den Rücken stärken.“

Für viele Hebammen und natürlich auch (werdende und künftige) Mütter ist dieser Dialog die letzte Chance für einen Berufsstand sowie für die Wahlfreiheit von Frauen, wie sie eine Geburt erleben möchten.

Mehr zum Thema:

Der Zukunftsdialog kann hier unterzeichnet werden.

Der 5. Mai ist der Internationale Hebammentag.

In Australien sollen Hausgeburten verboten werden, heißt es hier.

Die ungarische Hebamme Agnes Gereb wurde 2010 wegen fahrlässiger Ausübung ihres Berufs verhaftet, was weltweit für Aufruhr gesorgt hat. Es gibt eine Vielzahl von Organisationen, die die Verhaftung verurteilen: http://www.freeagnesgereb.com/

Letztes Jahr hat die amerikanische Hebamme Ina May Gaskin , „the most famous midwife in the world“, den alternativen Nobelpreis erhalten. Ihre Dankesrede: http://www.rightlivelihood.org/inamay_gaskin.html

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